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Heimatbrief VG Rülzheim
Ausgabe 13/2026
Ortsgemeinde Rülzheim
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Veranstaltungen im Centrum für Kunst und Kultur

Besondere Buchlesung im CKK

Im Jahr 1932 wartet der 34-jährige Russlanddeutsche Jakob Martens in Leningrad auf die Ausreisegenehmigung in den Westen zu seiner bereits geflohenen Familie. Hinter ihm liegt die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der Terror anarchistischer Banden, der Bürgerkrieg, die Drangsalierung durch die Bolschewisten, die Verbannung in die Arbeitslager im nördlichen Russland und eine gefahrvolle Flucht zu Fuß aus einem Hungerlager. Doch anstatt der Ausreise folgt die erneute Verhaftung, die Odyssee durch mehrere Gefängnisse mit endlosen Verhören. Trotz Aussicht auf Freilassung lehnt er eine Kollaborationsvereinbarung ab. In einem Schweigelager am Ural übersteht er zwei lebensbedrohliche Erkrankungen und kommt nach fünfjähriger Lagerhaft frei. Der Zweite Weltkrieg beginnt... Sein Neffe Berthold Kliewer las am 14.03.2026 im CKK Rülzheim aus dem Tagebuch seines Onkels Jakob Martens vor, welches er als Buch neu herausgegeben hat. Ca. 60 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten dieser unglaublichen Geschichte und fragten sich immer wieder: Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, bevor er zusammenbricht? Woher nimmt ein Mensch die Kraft, so etwas durchzustehen? Ist es der pure Überlebenswille, sein Glaube oder die Sehnsucht, wieder bei seiner Familie zu sein? Zwischen den einzelnen Abschnitten verschaffte die sehr passende, ruhige und melodiöse Klaviermusik von Klaus Demuth eine „Verschnaufpause“. Mit den sachlichen Schilderungen des konsequent geführten Tagebuchs entsteht ein Bild des menschlichen Miteinanders, der politischen Systeme und ihrer Willkür in dieser Zeit – und man merkt, was Unfreiheit bedeutet. Nach der Lesung wurden beim gemeinsamen Essen mit dem Autor und interessiertem Publikum noch viele Fragen erörtert. Es war ein besonderer Abend.