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Heimatbrief Verbandsgemeinde Rülzheim
Ausgabe 17/2020
Verbandsgemeinde Rülzheim
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Viel mehr als nur Blutspende

Die vielfältigen Aufgaben des DRK-Ortsverbandes Kuhardt-Leimersheim e.V.

Die ehrenamtliche Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz ist gerade in der derzeitigen Situation anspruchsvoll. Das fängt schon bei der Blutspende an, die aufgrund der Corona-Sicherheitsregeln anders organisiert werden muss. Aber auch darüber hinaus gibt es für die Aktiven viel zu tun. Ein Interview mit Marijana Ochsenreither, Sozialdienstleiterin und Blutspendebeauftragte, sowie Christian Schöneich, Leiter Einsatzdienste und stellvertretender Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Kuhardt-Leimersheim e.V.

Wie genau läuft die Organisation einer Blutspende ab?

Marijana Ochsenreither: Bereits im Vorjahr werden mit dem Blutspendedienst die Terminierungen für die Veranstaltungen vorgenommen. Für die vier Gemeinden unserer Verbandsgemeinde werden zwischen 13 und 15 Termine eingeplant. Etwa drei bis vier Wochen vor den eigentlichen Blutspendeterminen erhalten wir dann vom Blutspendedienst die Plakatvordrucke sowie das weitere benötigte Infomaterial (wie beispielsweise die zu erwartende Spenderanzahl usw.). Im Normalfall werden dann zwei Tage vor dem Spendetermin an den Ortseingängen der betreffenden Gemeinde die Infoplakate aufgestellt. Mit der zu erwartenden Spenderanzahl bereitet dann unser Küchenteam die Verpflegung der Spender vor. So gibt es in der Regel ein warmes Essen sowie Kaffee und Kuchen für alle Spender. Für Essen, Anmeldung, Betreuung sowie Auf- und Abbau sind bei der Blutspende zehn bis zwölf Helferinnen und Helfer im Einsatz.

Welche Änderungen gibt es durch Corona im Ablauf und der Organisation?

Christian Schöneich: Aufgrund der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen - vor allem wegen des Sicherheitsabstandes außerhalb der Hallen und im Spendebereich - mussten wir wesentlich größere Veranstaltungsorte finden. Dank der Unterstützung der Verbandsgemeindeverwaltung und den betreffenden Ortsbürgermeistern konnten so die Turnhalle der IGS in Rülzheim, die Rheinberghalle in Kuhardt sowie die Sport- und Freizeithalle in Leimersheim als neue Spendelokale gefunden werden. Eine weitere Änderung ist die Verpflichtung zum Tragen von Mund-Nase-Schutzmasken für die eingesetzten Helferinnen und Helfer und die Einrichtung einer ersten Befragungs- und Temperaturmessstelle am Eingangsbereich zur jeweiligen Halle. Hier übernimmt eine Helferin des OV die Position und befragt alle Spendewilligen, ob sie in den letzten vier Wochen im Ausland waren, wie sie sich fühlen und weist dann auf die nötige Händedesinfektion hin. Danach misst die Helferin die Körpertemperatur mittels eines kontaktlosen Fieberthermometers. Bei erhöhter Temperatur bzw. einem erst kurz zurückliegenden Auslandsaufenthalt erfolgt eine Rücksprache mit den Ärzten des Blutspendedienstes; meist darf der Spendewillige dann keine Blutspende abgeben. Jeder, der spenden darf, erhält einen eigenen Kugelschreiber zum Ausfüllen der Fragebögen. Auch mit dieser Maßnahme wird eine weitere Infektübertragung ausgeschlossen. Eine weitere Änderung ist das ausbleibende Essen nach der Spende. Aufgrund der aktuellen Situation bieten wir im Spendebereich nur Getränke an, am Ende der Blutspende bekommt jeder ein Lunchpaket für den Heimweg.

Was genau sind die Aufgaben des DRK-OV bei Blutspenden?

Marijana Ochsenreither: Es beginnt mit der Bekanntmachung der Termine in den örtlichen Medien sowie auf der Homepage des Ortsvereins (www.drk-ku-lei.de). In den Vortagen folgt dann die Plakatierung an den Ortseingängen der jeweiligen Ortschaft, um auf die Veranstaltung hinzuweisen. Es folgen die Einkäufe für die Verpflegung und am Spendetag die Zubereitung des Essens und der Getränke (aktuell der Lunchpakete). Des Weiteren ist die Erfassung aller Spender eine Aufgabe, die unser Ortsverband übernimmt. Im eigentlichen Spenderraum stehen Helferinnen und Helfer bereit, um die Mitarbeiter des Blutspendeteams zu unterstützen und die Blutspender nach ihrer Blutabgabe im Ruhebereich zu betreuen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Betreuung und Aufklärung der Personen, die zum ersten Mal Blut spenden möchten. In der aktuellen Phase kommen noch die vorgelagerte Temperaturkontrolle etc. sowie die Kontrolle des Sicherheitsabstandes vor der Halle hinzu, was auch vom Ortsverein übernommen wird.

Was gehört sonst noch zu den Aufgaben des DRK-OV?

Christian Schöneich: Der DRK Ortsverein Kuhardt-Leimersheim e.V. ist in vielen Bereichen aktiv. So sind neben den klassischen Aufgabenbereichen wie der Breitenausbildung (Erste Hilfe) und der Sanitätsdienste bei Veranstaltungen sowie der Jugendarbeit die Einsatzdienste des OV sehr vielseitig. Mitglieder des OV sind so bei der Sanitätsbereitschaft Feuerwehr und dem First-Responder-Team engagiert. Diese Einsatz-Einheiten stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, zur Verfügung. In der aktuellen Corona-Zeit haben wir unser First-Responder-Team personell und materiell aufgestockt und können aktuell mit zwei getrennten Einsatzfahrzeugen ausrücken. Beide Fahrzeuge verfügen über komplette Sauerstoff-Einheiten zur Versorgung von Notfall-Patienten. Der Mannschaftswagen der Sanitätsbereitschaft ist darüber hinaus mit drei komplettem Notfallkomponenten ausgestattet. Aufgrund dieser Materialmenge sind die Helferinnen und Helfer des Ortsvereins in der Lage, an drei verschiedenen Einsatzstellen bis zu sechs Notfallpatienten zu versorgen. Zusätzlich zum Mannschaftswagen steht bei Bedarf der Geräteanhänger mit einer etwa 40 Quadratmeter großen Sanitätsstation bereit, in der bis zu fünf Patienten versorgt werden können. Diese Sanitätsstation kann überall eingesetzt werden, da sie mit eigenem Notstrom ausgestattet ist und somit viele Stunden autark arbeiten kann. Die Mitglieder dieser Einsatzeinheiten stehen in engem Kontakt mit dem Leiter der Einsatzdienste, der somit immer einen Überblick hat, wie viele Helfer kurzfristig abrufbar sind. Diese Maßnahme ist sehr wichtig, da auch drei Helfer des OV aktive Feuerwehrleute sind und somit die gegenseitige Planung sehr hilfreich ist. Eine enge und gute Zusammenarbeit mit den Wehrführern der Ortswehren und dem Wehrleiter der Verbandsgemeinde sind eine wichtige Basis für ein jederzeit funktionierendes Notfallsystem.

Welche Erfahrungen haben Sie im Zusammenhang mit der Corona-Krise in Ihrer täglichen Arbeit gemacht?

Marijana Ochsenreither: Noch viel mehr als bei sonstigen Planungen und Einsätzen ist in der Corona-Krise der Weitblick der Verantwortlichen in den Hilfsorganisationen wichtig. Unabdingbar ist es, hier „auf dem Laufenden zu sein“, was viele Stunden am PC bzw. am Tablet bedeutet. Aktuelle Fallzahlen, Entwicklungen, die neusten Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, Planungen auf Kreisebene usw. - das alles erfordert von den Verantwortlichen einen enormen Zeitaufwand.

Christian Schöneich: Bemerken möchten wir an der Stelle, dass alle unserer Aktiven ihre Arbeit ehrenamtlich durchführen. An der Stelle möchten wir allen Partnerinnen und Partnern unserer Aktiven danken, für die Toleranz die sie jederzeit aufbringen. Was wir darüber hinaus festgestellt haben ist die Tatsache, dass auch in den Ortsvereinen künftig mehr Material zum Infektionsschutz vorgehalten werden muss. Die notfalltechnische Ausstattung finden wir schon sehr umfangreich und sicherlich für einen kleinen Ortsverein wie den unsrigen als vorbildlich.