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Ausgabe 5/2026
Sonstiges
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Ein doppelter Geburtstag für den Thüringer Wald

100 Jahre Herbert Roth und 75 Jahre Rennsteiglied

geb 14.12.2026 / gest 17.10.1983

 

 

Es gibt Lieder, die mehr sind als nur Melodien und Worte. Sie tragen Landschaften in sich, Erinnerungen, Heimatgefühle - und manchmal sogar ein ganzes Lebensgefühl. Eines dieser Lieder ist das berühmte Rennsteiglied. Und untrennbar mit ihm verbunden ist der Name Herbert Roth, dessen Leben und Werk bis heute tief in der Seele Thüringens verankert sind.

Wenn man heute die ersten Töne hört und leise mitsingt -

„Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land…“ -

dann spürt man sofort: Das ist mehr als ein Wanderlied. Es ist eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung an den Thüringer Wald, an die Natur, an das einfache Unterwegssein - und an die eigene Herkunft.

Herbert Roth wurde 1926 in Thüringen geboren. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von einer Landschaft, die später zur wichtigsten Inspirationsquelle seines Schaffens werden sollte: sanfte Höhenzüge, dichte Wälder, klare Luft und der berühmte Höhenwanderweg, der sich wie ein grünes Band durch das Land zieht - der Rennsteig. Schon früh entwickelte Roth eine tiefe Verbindung zur Musik. Doch es war keine distanzierte, akademische Musik. Es war Musik, die aus dem Leben kam. Musik, die Menschen erreichen wollte.

Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs begann Roth, sich intensiv der Volksmusik zu widmen. Er war nicht nur Komponist, sondern auch Interpret - ein Musiker, der wusste, wie man Emotionen in Klänge übersetzt. Seine Lieder waren ehrlich, zugänglich und tief verwurzelt in der Kultur seiner Heimat. Und genau das machte ihn so besonders.

Der große Wendepunkt in seinem Leben - und gleichzeitig ein kultureller Meilenstein - war die Entstehung des Rennsteigliedes im Jahr 1951. Gemeinsam mit dem Texter Karl Müller schuf Roth ein Lied, das ursprünglich gar nicht als „Kulturgut“ geplant war. Es war einfach ein Lied über das Wandern, über den Rennsteig, über das Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit.

Doch genau darin lag seine Kraft.

 

 

Das Rennsteiglied traf einen Nerv. In einer Zeit, in der viele Menschen nach Orientierung suchten, bot dieses Lied etwas Verlässliches: Heimat. Es erzählte von etwas Beständigem, etwas Echtem. Und so verbreitete es sich rasend schnell - zunächst in Thüringen, dann in der gesamten DDR und schließlich weit darüber hinaus.

Mit seiner klaren, eingängigen Melodie und dem bildhaften Text wurde das Rennsteiglied zu einem der bekanntesten deutschen Volkslieder des 20. Jahrhunderts. Es wurde bei Wanderungen gesungen, bei Festen, in Schulen und auf Bühnen. Für viele Menschen wurde es zu einem festen Bestandteil ihres Lebens.

Doch hinter diesem Erfolg stand immer auch der Mensch Herbert Roth. Ein Mann, der trotz seines Ruhms bodenständig blieb. Der seine Heimat nie verließ - zumindest nicht im Herzen. Roth verstand es, die Schönheit des Alltäglichen einzufangen. Seine Musik war kein künstliches Produkt, sondern ein Spiegel seiner eigenen Gefühle und Erfahrungen.

Wenn wir heute auf 100 Jahre Herbert Roth zurückblicken, dann blicken wir nicht nur auf das Leben eines Musikers. Wir blicken auf ein Stück Kulturgeschichte. Auf eine Zeit, in der Musik Brücken gebaut hat - zwischen Menschen, zwischen Generationen und zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und wenn wir gleichzeitig 75 Jahre Rennsteiglied feiern, dann feiern wir auch die Kraft eines Liedes, das bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Es ist ein Lied, das verbindet. Das Erinnerungen weckt. Das Menschen zusammenbringt - egal, wo sie herkommen.

Vielleicht liegt das Geheimnis des Rennsteigliedes gerade in seiner Einfachheit. Es braucht keine großen Worte, keine komplizierten Arrangements. Es lebt von seiner Ehrlichkeit. Von der Sehnsucht nach Natur, nach Ruhe, nach einem Ort, an dem man sich zuhause fühlt.

Gerade in einer Zeit, die oft von Hektik und Unsicherheit geprägt ist, gewinnt dieses Lied eine neue Bedeutung. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, innezuhalten. Die Welt um uns herum bewusst wahrzunehmen. Und die kleinen Dinge zu schätzen.

Herbert Roth hat mit seiner Musik etwas geschaffen, das weit über sein eigenes Leben hinausgeht. Etwas, das bleibt. Seine Lieder sind Teil eines kulturellen Gedächtnisses geworden - und das Rennsteiglied ist dabei das Herzstück.

Wenn heute Menschen auf dem Rennsteig wandern und dieses Lied anstimmen, dann ist das mehr als Tradition. Es ist eine Verbindung - zu einer Landschaft, zu einer Geschichte und zu einem Menschen, der all das in Musik verwandelt hat.

100 Jahre Herbert Roth. 75 Jahre Rennsteiglied.

Zwei Jubiläen, die zeigen, wie stark Musik sein kann. Wie tief sie berühren kann. Und wie lange sie uns begleiten kann.

Denn am Ende ist es genau das, was bleibt:

Ein Lied.

Ein Weg.

Und das Gefühl, ein Stück Heimat im Herzen zu tragen.

Mirko Reise