Wir feiern „75 Jahre Schule Saargrund“ - so hieß es am 21. September 2024 im Eisfelder Ortsteil Saargrund. Es ist für die Einheimischen immer noch die Schule, obwohl seit Mitte der 1960er Jahre hier kein Unterricht mehr stattfindet. Eingeladen zur 75-jährigen Jubiläumsfeier der Einweihung der Saargrunder Schule hatte das Haus der Generationen mit seinen jungen und erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Vorbereitet wurde der 75. Geburtstag des Schulgebäudes seit Februar dieses Jahres. Da wurde von Einheimischen für benötigtes Ausstellungsmaterial unter anderem auf Dachböden nach historischem Material gesucht, in Fotoalben gekramt, das Museum in Eisfeld steuerte Exponate bei, weitere Akteure - wie der Thüringerwald-Verein Saargrund e.V. - gaben Unterstützung und auch die Sachsenbrunner Ortschronistin Renate Hofmann hatte aus geschichtlicher Sicht den Tag mit vorbereitet und Material für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
In seiner Grußrede ging Eisfelds Bürgermeister Christoph Bauer auf einen kurzen geschichtlichen Abriss des Gebäudes ein und gratulierte den Saargrundern zu diesem Jubiläum. Im Gepäck hatte das Eisfelder Stadtoberhaupt einen symbolischen Scheck über 500 Euro aus dem Dorfkümmerer-Projekt zur Unterstützung des Tages.
Hildburghausens Landrat Sven Gregor gehörte am späteren Nachmittag zu den Geburtstagsgratulanten und auch Holger Friese als stellvertretender Ortsteilbürgermeister war vor Ort.
Auf dem Hof, dem ehemaligen Schulhof, waren Stände aufgebaut. Da konnten Kinder basteln, es gab Bubble-Tea und andere Getränke und der Grill war für Thüringer Bratwürste angeschürt. Bierzeltgarnituren luden zum Verweilen ein, die Gäste waren vor der intensiven Sonneneinstrahlung an diesem Sonnabendnachmittag durch Pavillon-Abdeckungen geschützt. Hier ließ es sich gut sitzen und in Erinnerungen schwelgen.
Im ehemaligen Schulgebäude gab es in einem Raum über 15 Kuchenangebote und Kaffee. Hier konnten auch die Gewinne aus einer Tombola abgeholt werden. Im ehemaligen Klassenraum war schließlich eine Ausstellung mit unterschiedlichsten Schulmaterialien zu sehen. An der Wand hingen Bilder des Schulgebäudes aus früheren Jahrzehnten oder Klassenbilder und auch im Flur gab es genügend Fotomaterial und geschichtliche Eindrücke früherer Zeiten zu betrachten.
Für die musikalische Umrahmung sorgten die „Ständler“.
Verschiedene Quellen geben Auskunft über die Entwicklung der Saargrunder Schule. Bei der Saargrunder Schule handelt es sich um die erste neu gebaute Schule in Thüringen nach dem zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1946 fassten der damalige Saargrunder Bürgermeister Braukopf sowie die auf das Gemeinwohl bedachten Gemeinderäte Hugo Frischmann, Franz Leipold und Otto Hennlein den Entschluss zu einem Schulbau. Baubeginn war im Herbst 1948. Durch Baustoffknappheit hatte man sich zu einer Bauweise aus heimischen Baustoffen - aus Bruchsteinen und Holz - entschieden. Die Einweihung der Schule erfolgte am 11. September 1949. Bis dahin lernten die Kinder seit 1865 in Schirnrod, wo eine einklassige Dorfschule für die Kinder aus Schirnrod, Saargrund und teilweise aus Friedrichshöhe errichtet worden war. Vor- und Nachmittagsunterricht oder bei Dunkelheit von der Schule die Kinder nach Saargrund laufen lassen, das wollte man nicht mehr. Also musste eine neue Schule für das Örtchen Saargrund her.
In einem Zeitungsbericht aus der damaligen Zeit des Schulneubaus schreibt Oberstudienrat Horst Büchner: „Wenn auch im Kreis Hildburghausen durch den Bau der Schule in Saargrund noch eine neue Einklassenschule entstand, setzte sich doch immer mehr die Einsicht durch, daß die Schulstruktur grundsätzlich verändert werden mußte.“
Im September 1959 gingen die Klassenstufen 5 bis 8 schließlich zur Zentralschule nach Sachsenbrunn. Eine Omnibuslinie zum An- und Abtransport der Schülerinnen und Schüler wurde eingeweiht. Die rückständigen Einklassenschulen in Stelzen und Saargrund mit den Klassen 1 bis 8 behielten mit der Zentralisierung der Klassenstufen 5 bis 8 in Sachsenbrunn nur noch die Klassenstufen 1 bis 4 und eine Lehrkraft. Im Schuljahr 1966/67 wurde der letzte Jahrgang in Saargrund eingeschult. In den darauffolgenden Jahren fand der Unterricht durch die Zentralisierung in der Polytechnischen Oberschule Sachsenbrunn statt.
Die erste Lehrerin in Saargrund war das Fräulein Kraus. Nach ihrem Weggang übernahm der Neulehrer Karl-Heinz May die Leitung der Schule bis zum Jahr 1959. Im Gebäude untergebracht war übrigens auch ein Kindergarten - als Erntekindergarten vom Frühjahr bis zum Herbst.
Neben dem Gedanken der verbesserten Bildungsmöglichkeiten für die Saargrunder Kinder durch den Schulbau gab es auch den Wunsch, damit einen geistig-kulturellen Mittelpunkt für die Menschen dieses entlegenen Gebirgstales zu schaffen. „Wir wollen einen Lehrer im Dorf haben. Der soll uns Vorträge halten, Musik machen, Lichtbilder zeigen von anderen Ländern außerhalb unserer Berge und uns auch in politischer Hinsicht der Zeit und dieser Welt draußen näher bringen.“
Im Keller des Schulgebäudes befanden sich in früheren Zeiten eine Waschküche und ein öffentliches Bad für die Einwohner von Saargrund. Hier konnte man für 50 Pfennige samstags ein Brausebad oder für 70 Pfennige ein Wannenbad nehmen. Dazu wurde bereits am Vormittag ein großer Badeofen beheizt. Auf dem Hof standen zwei Wartebänke, auf denen die Leute unterhaltsam auf ihren Einlass warteten. In der oberen Etage des Gebäudes befanden sich die Wohnräume für den Lehrer und die Kindergärtnerin.
Als Kindergärtnerinnen arbeiteten unter anderem Toni Hosner, Adelheid Wösler, Waltraut Zetzmann, Gertraud May, Gerda Ritter, Ursula Kleinteich oder auch Helga Höche.
So war es eine Geburtstagsfeier in Saargrund, die bei älteren Besuchern die ein oder andere Erinnerung in das Gedächtnis holte.
Der Dank von Christiane Busch, bei der die Fäden für das Fest zusammenliefen, geht an alle, die an der Organisation, Vorbereitung und Durchführung der 75-jährigen Jubiläumsfeier der Einweihung der Saargrunder Schule mitgewirkt haben. Dazu gehört auch der Thüringerwald-Verein Saargrund.