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Eisfelder Amtsblatt
Ausgabe 3/2026
Nichtamtlicher Teil
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Eisfeld im dreißigjährigen Krieg

(Teil 6)

1639: Asmus Lölein erbaut an der Stelle des Vordergebäudes des späteren Deutschen Hauses ein Wohnhaus mit Wirtshaus. Um 1640 steht dieses Wirtshaus wüst, doch 1648 ist es nach einem Wiederauf- und -ausbau mit einem Steuerwert von 500 Gulden angegeben. 1657 und 1664 wird Johann Melling als Besitzer des Gasthofes angegeben, es ist offenbar auch eine Beherbergung von Gästen erlaubt.

1639 29.12. - 1640 09.01. Die Stadt leidet Not und muss trotzdem für die Bewirtung der Einquartierten aufkommen. Amtskastner Rauschert notiert den Aufwand an Speisen und Getränken für den Obristlieutnant Balthasar Rüdiger, Abgesandter Herzog Ernst des Frommen, und seine „untergebenen Offiziere und Soldaten“: 20 Pfund Rindfleisch, 20 Pfund Kalbfleisch, 12 Pfund Schweinefleisch, 10 Brat-, 6 Rot- und Leberwürste, 3 alte Hündlein (!), 12 Pfund Karpfen, allerlei gemeine Küchenspeis und Zugemüs, Halb- und Stockfisch, 1 Maß Salz, 2 Maß Schmalz, allerlei Gewürze, Konfekt, Käse, 3 Pfund Licht (Kerzenwachs), Weißbrot und 2 Viertel Korn für Hausbackenbrot fürs Gesinde, 4 Eimer Wein (1 Eimer = ca. 74 Liter), 3 Eimer Bier, 2 Maß Branntwein, Hafer für die Pferde.

Rüdiger zieht mit seinen Leuten erst nach Zahlung von 1.500 Talern ab.

1640 Frühling: 2 Kompagnien des Gilli de Hasi, „Schildhaas“ genannt, haben den Winter in Eisfeld verbracht und ziehen erst im Frühling ab nach Hildburghausen.

1640 07.- 09.04.: Plünderung durch kaiserliche Truppen

1640 16.05.: Die bayerische Armee bezieht mit 20.000 Mann ein Feldlager auf dem Steingriebel bei Eisfeld.. Auf dem Stelzener Berg werden Schanzen aufgeworfen, die Soldaten plündern die Stadt vollständig aus, die Seigerhütte* und der Hof zu Steudach werden ruiniert. Superintendent Seidenbecher* und Amtmann Felix Rauschardt werden auf dem Marktplatz bis aufs Hemd ausgezogen und mit allen Bürgern zum Tor hinausgejagt**. Die Stadt ist menschenleer, die Einwohner sind nach Coburg geflüchtet. Weil der Amtmann Felix Rauschardt auf einem Fuß lahm ist, muss er auf einem Karren nach Coburg gefahren werden. Bevor man auch nur in Steudach angekommen ist, wird der Amtmann mehr als zehnmal durch Söldner angefallen. Sein Schreiber Andreas Rumpel bewahrt ihn vor dem Massakrieren.

Bayerische Soldaten ruinieren in der Dreifaltigkeitskirche die erst 1638 aufgesetzte neue Orgel. Die Soldatenjungen schleppen Orgelpfeifen in der ganzen Stadt und im Feldlager herum, bis 1654 bleiben die Reste der Orgel unbrauchbar.

* Die kleine Werksglocke der Seigerhütte, das 1474 gegossene sog. „Stämmglöcklein“, hat man wohl rechtzeitig in Sicherheit gebracht und es schon im Herbst/Winter 1634 zunächst auf den Rathausturm und später auf den wiederhergerichteten Kirchturm gebracht. Die Glocke wird bei Taufen und zum Trauergeläut genutzt und sie läutet alleine zum Zeichen, dass man zum Begräbnis geht.

** Die Chronisten geben für die Vertreibung der Eisfelder unterschiedliches Datum an, hier sollte doch der Wortlaut des Eintrages im Kirchenregister 1632-1675 aus Seite 181 Klarheit bringen: „Den 16. (Mai) 1640 ist die gantze Stadt von keys. Volck in die Flucht nach Coburg gejagdt, den 12 Junij wieder anheimts kommen.“

1640 08.06.: Die Leiden der Bevölkerung erreichen ihren absoluten Höhepunkt: Zu den Bayern stößt noch die aus Saalfeld herangerückte kaiserliche Armee und schlägt auf dem Stelzener Berg zur Sulze hin ihr Lager auf, so dass nun ca. 70.000 Soldaten (mit vielen Hundert Pferden?) um die Stadt herum lagern. Generalfeldmarschall Pikkolomini nimmt im „Säusack“ Quartier. Erst am 10.06. marschieren beide Armeen ab. Den Schaden der Eisfelder Einwohner durch Plünderungen und Zerstörungen ermittelt man mit 44.847 Gulden (in Euro ein Millionen-Betrag), hinzu kommen Verluste von 46.909 Gulden im Amt Eisfeld. Die abziehenden kaiserlichen Völker überqueren im August den Thüringer Wald und plündern Ohrdruf aus.

1640: Zweiter Versuch der Mönche aus dem Kloster Banz, ihre alten Glocken wieder zu holen. Sie glauben diesmal an einen Erfolg, weil die bayerische Armee auf dem Stelzener Berg bei Eisfeld ein Feldlager hat. Sie tragen dem im Seusing´schen Gasthof (später „Säusack“ genannt) einquartierten Kommandanten, General Truckmüller, und dem Obristen Löwenhaupt ihr Anliegen vor. Die Offiziere erklären sich jedoch für diesen Fall als nicht zuständig und empfehlen den Mönchen, sich an die landesfürstliche Herrschaft zu wenden. Die Mönche ziehen daraufhin ab, es erfolgt ein jahrelanges Lamentieren des Klosters wegen der verlorenen Glocken.

Um 1640: In der schlimmsten Zeit des Dreißigjährigen Krieges versieht Rektor Johann Otto 8 Jahre lang unentgeltlich das Kantorat und hat 9 Jahre lang nur einen Konrektor zur Seite.

1640: Hildburghausen: Das Weltliche Hochgericht in Hildburghausen verurteilt von 1613 bis 1640 12 Menschen zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen.

1640 - 1694: Crock: Als Nachfolger von Johann Eberhart ist Johann Arnold (* 29.01.1619 in Meißelbach) 54 Jahre lang Lehrer in Crock. Er wird am 04.03.1694 in Crock begraben. Dem alten Schulmeister wird 1692 sein Sohn Johann Nicol Arnold als Lehrer zur Seite gestellt, dieser war vorher Lehrer in Schmiedefeld. Nach dem Tod des Vaters übernimmt er dessen Lehrerstelle und führt dieses Amt aus bis 1720. Er stirbt am 12. Mai 1720 in Crock.

1641 12.01.: Eisfeld wird von 200 Reitern des Herzogs Bernhard, die in Hildburghausen und Schleusingen einquartiert sind, fünfmal geplündert. Im Land ist weiter große Unruhe. Straßenraub, Diebstähle, ständige Durchzüge und Kontributionen steigern die Hoffnungslosigkeit ins Unerträgliche.

Klaus Pfrenger

24.01.2026