Im Jahre 802 wurde Eisfeld nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand als Asifeld erstmals urkundlich erwähnt. Also steht uns für das Jahr 2027 die 1225-Jahr-Feier der Ersterwähnung ins Haus. Und bei der geschichtlichen Darstellung dieses Ereignisses werden uns unweigerlich zwei Grafen begegnen - Asis und Erpho.
Wer sich ernsthaft mit der Geschichte des Heimatortes und der Region beschäftigt, findet immer wieder Neues, schon Vergessenes und Überraschendes und er stößt immer wieder auf scheinbar Unverrückbares, auf „Heilige Kühe", auf Unantastbares. Das Suchen in Archiven, die Auswertung älterer und auch neuester Fachliteratur, das Stöbern in der Hinterlassenschaft anderer Forscher und die Arbeit mit den verschiedenartigsten Quellen enthüllen manchmal Zug um Zug Fehler in der Geschichtsdarstellung, deren Behebung bei einem kleinen Stadtchronisten immer wieder gewisse Bauchschmerzen hervorrufen, wenn er die Angaben viel bedeutenderer Historiker widerlegen will oder muss. So auch bezüglich der Grafen Asis und Erpho. Eines haben wir bei der jahrzehntelangen Forschungstätigkeit gelernt: Wenn man ein Denkmal umstoßen muss, dann ist es gut, es nicht alleine zu tun!
Nehmen wir uns zunächst den Grafen Asis vor: Der Eisfelder Superintendent und Historiker Johann Werner Krauß hat in seiner 1753 herausgegebenen „Kirchen-, Schul- und Landes-Historie für die Stadt und Dioeces Eißfeld" wohl als erster angeführt, dass der Ort Asisfeld „zum Andenken seines ersten Anbauers" nach dem Grafen Asis benannt wurde..Und seither war dies für alle bekannten Stadtgeschichtsschreiber eine scheinbar unverrückbare Tatsache in der Gründungsgeschichte unserer Stadt, natürlich auch für den gegenwärtigen Stadtchronisten. Ausgehend von der allgemein anerkannten Hypothese, dass Asifeld um 790 gegründet worden ist, und mit dem Finden immer weiterer Details aus der damaligen Geschichte hatte er aber zunehmend Zweifel an der Rolle dieses Grafen Asis. Dessen Mutter Theotrat wurde im Jahre 784 geboren - alleine damit fiel Asis als Gründer der Siedlung Asifeld aus. Wohl niemand beachtete bisher das Geburtsjahr des Asis, nämlich die Jahre 801 oder 802 - und eben im Jahre 802 oder ganz, ganz wenige Jahre danach schenkte der Graf Erpho u.a. seinen Grundbesitz in Asifeld dem Kloster Fulda, und als Kleinkind zu dieser Zeit fällt Graf Asis auch als Namensgeber aus. Den Ortsnamen Asifeld hat der Sprachwissenschaftler Achim Fuchs übrigens im Jahre 2010 als „ortsnaher Weideplatz" gedeutet. Bleibt nun die Frage, ob Graf Asis wenigstens Grundbesitz in Asifeld hatte. Selbst das muß verneint werden, denn 837, kurz vor seinem Tode, er starb unverheiratet und kinderlos, schenkte er seine Besitzungen in mehreren Orten dem Kloster Fulda unter dem Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs für seine Mutter - Asifeld wurde dabei nicht mit genannt, jedoch Asiseshusen (Eishausen). Als 842 auch die Mutter starb, vermachte auch sie ihre Besitzungen dem Kloster Fulda - und wieder gab es in der Schenkungsurkunde bei den angeführten Orten keinen Hinweis auf Asifeld. Damit fällt ein Denkmal - Graf Asis hatte mit Asifeld/Eisfeld nichts, aber auch gar nichts zu tun! Und es fällt dem Stadtchronisten nicht einmal schwer, das zu behaupten, denn er hat endlich einen Mittäter für diesen Denkmalsturz gefunden: Schon 1838 bezeichnete Johann Jacob Conrad in seiner Chronik „Historische Blätter und Jahrbücher der Stadt und Diöces Eisfeld" die Angabe von Johann Werner Krauß, Graf Asis sei der Gründer und Namensgeber von Asifeld gewesen, als falsch und führte nach der Feststellung, dass die Ableitung von Asis zu Asifeld „gegen die deutsche Wortbildung streitet" genau die gleichen Argumente an, auf die unabhängig von ihm auch der Stadtchronist gestoßen war - die Geburtsjahre Theotrats und des Grafen Asis.
Nun zum zweiten Denkmal: Im Jahre 800 wurde Graf Erpho als Sohn des Grafen Megingoz geboren, gestorben ist er im Jahre 860. Wegen dieses Sterbejahres war die undatierte Erpho-Urkunde mit der Ersterwähnung von Asifeld ursprünglich auf 860 datiert worden. Nachdem Prof. E.E. Stengel diese Urkunde 1953 aber der Amtszeit des Fuldaer Abtes Radgar (802-817) zugeordnet hat und die Entstehung dieser Urkunde später im Gespräch mit dem Eisfelder Museumsleiter Ernst Dahinten ganz an den Anfang dieser Amtszeit gesetzt hatte, war diese neue Datierung wissenschaftlich allgemein anerkannt. Aber nun gab es ein Problem: Der 800 geborene und 860 gestorbene Erpho kann nicht derjenige Erpho sein, dem die Erpho-Urkunde von 802 bzw. die entsprechende Schenkung an das Kloster Fulda zuzuschreiben ist! Diese Urkunde stammt von einem älteren Grafen Erpho oder einem Erpfol/Erpfeol (ohne Grafen-Titel), der schon 783 und 800 als Zeuge in Urkunden der Emhilt, der Äbtissin des Klosters Milz, nachweisbar ist. Über die Lebensdaten und Vorfahren dieses älteren Erpho oder Erpfol konnten bisher nur bei HENZE Angaben gefunden werden - Sterbejahr 813.
Hier aber ein Zitat nach BOSL: „Der schon mehrfach genannte comes Erphol muß im Verwandtschaftskreis der Emhilt noch erörtert werden. E. SCHRÖDER hält ihn für einen Bruder Emhilts. Um dies zu behaupten muß er die von DRONKE zwischen 859 und 862 (und von DOBENECKER auf 860) gesetzte, undatierte Schenkungsurkunde des comes Erphol als falsch datiert erweisen. Die Falschdatierung ist auch nachweisbar durch die Tatsache, dass in der Urkunde Erphols (also in unserer Erpho-Urkunde) von 29 allein 14 Zeugen auftreten, die auch in den beiden Schenkungen Emhilts 783 und 800 erscheinen.
Eine weitere Textstelle von BOSL ist noch deutlicher: „Gerold ist im südlichen und nördlichen Grabfeld anzutreffen, er zeugt für die Äbtissin Emhilt und ihren Bruder Erphol …
Klaus Pfrenger
Stadtchronist in Eisfeld