Die Porzellansammlung des Eisfelder Museums zählt zu den Facettenreichsten in ganz Thüringen, denn kaum ein anderes Museum mag die Bandbreite der Produkte der Thüringer Porzellanindustrie so abzubilden, die von Geschirr- und figürlichem Porzellan bis hin zu technischen Erzeugnissen reichen. Heute verschwindet das Thüringer Porzellan fast in der Bedeutungslosigkeit, sind doch von den einst 878 Betrieben (die Zahl bezieht sich auf das Jahr 1895), die in Thüringen Porzellan herstellten und bemalten, nur noch 4 Betriebe übrig. Limbach und Wallendorf gelten dabei bis heute als eine der Wiegen des Thüringer Porzellans.
Der Beruf des Modelleurs war in der traditionsreichen thüringischen Porzellanindustrie sehr angesehen und dort eine Anstellung zu bekommen war in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stets ein Glücksfall. Die Zeichen- und Modellierschulen, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. in unserer Region entstanden, lieferten gut ausgebildete Fachkräfte: Bossierer, Modelleure und Maler. Einen dieser besonderen Modelleure wollen wir Ihnen heute wieder in Erinnerung rufen: Werner Winkler aus Gräfenthal. Werner Winklers Talent wurde durch eine solide Ausbildung an der Zeichen-, Mal- und Modellierschule Lichtein den 1920er Jahren gefördert. Zu dieser Zeit dürfte die Schule auch in „Staatliche Keramische Fachschule in Lichte" umbenannt worden sein. Die qualifizierte Ausbildung unter der Leitung von Otto Thiem (1918- 1931) konnte dem angehenden jungen Modelleur ein gutes Rüstzeug mit auf den Weg geben. Zu Werner Winklers Lehrern gehörte auch der Zeichenlehrer und spätere Leiter der Schule, Hermann Willenberg.1927 erhielt er seinen Abschluss als Keramik-Modelleur. 1927 - 1930 war er als Entwerfer für Reklamefiguren bei Hofmann in Bad Rodach tätig, anschließend bis 1934 arbeitete er in der Werkstatt für Grabmalkunst bei Otto Thiem in Gotha. Von 1934 - 1936 wechselte seine Tätigkeit in die Keramischen Werkstätten von Wilhelm Kagel in Garmisch-Partenkirchen, danach kehrte es nach Thüringen zurück und arbeitete in der Porzellanfabrik Carl Scheidig in Gräfenthal. Seine künstlerische Verwirklichung und Erfüllung fand Werner Winkler bei der Gestaltung von Objekten in eigener Regie, die in den 1960er Jahren große öffentliche Wertschätzung genossen. Beim figürlichen Modellieren legte Werner Winkler großen Wert auf das „Weglassen" und das Orientieren auf das Wesentliche. Für die Porzellanfabrik Wallendorf schuf Werner Winkler Anfang der 1960er Jahre die Figur „Die Museumsbesucherin". In einem hellblauen, weiß gepunktetem Kleid und mit gelber Strickjacke, steht eine Frau mit Hut und den damals typischen Museums-Filz-Pantoffeln ein kleines Büchlein haltend hingebungsvollen Blickes vor einem Museumsobjekt, das wir nicht kennen. Die Figur steht auf einem kleinen quadratischen Sockel, der gerade einmal 3 x 3 cm misst und eine Gesamthöhe von 17 cm hat. Mit minimalem „Aufwand" bringt diese Figur uns zum Schmunzeln, ein Augenblick -eingefroren für die Ewigkeit in Porzellan.
„Die Museumsbesucherin", Porzellanmanufaktur Wallendorf,
Modelleur: Werner Winkler.
Inv.-Nr. MuE. B.1.a 8325