Beisetzungen in Eisfelder Kirchen - eines der vielen interessanten Themen, auf die man bei der Arbeit an der Stadtchronik stößt und die zu speziellen Nachforschungen anregen.
In zwei Eisfelder Kirchen fanden im Laufe der Jahrhunderte Beisetzungen statt - prominente Persönlichkeiten, Militärs, aber auch viele Kinder. Die sterblichen Überreste von 24 Personen sollen alleine in der Dreifaltigkeitskirche ruhen. Folgende 16 Namen davon konnten bisher ermittelt werden (in Klammern das Beisetzungsjahr): Ulrich von Dinstedt, letzter katholischer und erster evangelischer Pfarrer in Eisfeld (1525), Amtskastner Michael Latermann (1639), Amtskastner Felix Rauschart (1645), die Frau des Hofmeisters von Mühlstroh (1683), das Kind Christoph Friedrich von Hendrich (1699), 1 Monat altes Kind Maria Elisabeth von Hendrich (1701), 11 Tage altes Kind Eva Dorothea von Hendrich (1702), 6 Jahre alte Baroness Gottliebe Anna Barbara Stockhorner von Starein (1703), 26 Wochen altes Kind Karl Ludwig von Hendrich (1707), Amtmann und Vater der vier vor ihm beigesetzten Kinder Ernst Friedrich von Hendrich (1708), Superintendent Michael Kob (1717), Witthumshofmeister Johann Selzer von Elbingen (1738), kurz nach der Geburt gestorbenes Kind Christian Friedrich Ludwig von Bibra (1740), Superintendent Johann Werner Krauß (1772), Amtmann Johann Georg Habermann (1775) und Superintendent Johann Salomo Fehmel (1791). Diese Beisetzungen waren sehr unterschiedlich ausgestaltet. Meistens aber fanden sie spät abends im Fackelschein statt und mit Glockengeläut. Tragisches lässt sich alleine schon aus den Namen ablesen, so der Tod der vier Kinder der Familie von Hendrich und ihres Vaters in so kurzer Zeit. Tragisches lassen aber auch die Eintragungen in den kirchlichen Sterberegistern erkennen. So starb z.B. der Witthumshofmeister Johann Selzer von Elbingen am 8. August 1738 im Eisfelder Schloss an der Mittagstafel der Herzogin Sophie Albertine infolge eines Schlaganfalls. Die Herzogin hatte hier von 1728 bis 1741 ihren Witwensitz. Eine besonders gruselige Geschichte erzählte man sich über Generationen in der Eisfelder Familie Otto: Noch während des 30-jährigen Krieges öffneten Soldaten das Grab des 1639 beigesetzten Amtskastners Michael Latermann und durchwühlten es in der Hoffnung, Kleinodien darin zu finden. Der in der Nähe der Kirche wohnende Schlosser und Uhrensteller Jacob Otto schloß das Grab wieder und bedeckte es mit dem Grabstein. Als er wenig später nach dem Stellen der Turmuhr in der Dämmerung durch die Kirche schritt, trat ihm ein Mann entgegen in der Gestalt des Michael Latermann und reichte ihm die Hand, als wollte er sich für den Liebesdienst bedanken. Jacob Otto war über diese Erscheinung so erschrocken und entsetzt, daß er kurze Zeit später verstarb.
Auch in dem sehr kleinen Innenraum der Gottesackerkirche auf dem heutigen Alten Friedhof fanden Beisetzungen statt. Hierzu konnten bisher folgende Namen ermittelt werden: Superintendent Wolfgang Wachtel (1561), Kind Anna Cordula von Stein (1638), Kind Anna Catharina von Stein (1639), Amtskastner Antonius Eckard (1650), 2-jähriges Kind Hieronymus Bechmann (1669), Superintendent David Zang (1682), Fähndrich von Pelau (1689), Stadt-Hauptmann Heinrich Wilhelm Hufeisen (1691), 8 Tage altes Kind Franz Otto Albrecht von Velderndorff (1701) und Superintendent Carl Friedrich Diezel (1726). Erstaunlich ist, daß die Superintendenten Nicolaus Kindt (1549) und Justus Jonas (1555) auf dem Gottesacker außerhalb der Kirche bestattet worden sind.
Das Kirchengrab des Johann Werner Krauß
Johann Werner Krauß III, geboren am 8. Oktober 1690 in Königsberg in Franken, wirkte von 1731 bis 1772 als Pfarrer und Superintendent in Eisfeld. Er war nicht nur einer der großen Kirchenmänner, die hier tätig waren, sondern auch ein bedeutender Historiker. Schon seine am 5. Oktober 1732 gehaltene, der Erinnerung an die totale Einäscherung der Stadt Eisfeld am 1. Oktober 1632 gewidmete "Eißfeldische Brand- und Gedächtnis-Predigt" war eher ein stadtgeschichtlicher Vortrag als eine Predigt im üblichen Sinne. Als Historiker bekannt wurde Johann Werner Krauß durch die Herausgabe seiner vierbändigen "Beyträge zur Erläuterung der Hochfürstlich Sachsen-Hildburghäusischen Kirchen-, Schul- und Landeshistorie".
Superintendent Johann Werner Krauß verstarb am 22. Mai 1772 in Eisfeld im Alter von 81 Jahren und wurde am 26. Mai in der Dreifaltigkeitskirche beigesetzt. Das Sterberegister enthält keinerlei Hinweis auf die Lage seiner Grabstätte, die immer in der Altarhalle vermutet wurde. Ein deutlicher Hinweis auf seine Grabstätte fand sich dagegen in seinem handgeschriebenen Testament von 1764: „Meine Grabstätte habe ich mir längst ausersehen in der großen Kirche unter dem Schwibbogen, neben dem Taufstein, in das leere Grab, unter dem Leichenstein, über welchen man auf die Kanzel gehet.“ Da sich laut Stuhlregister von 1745 zur Zeit der Testamentsschreibung und auch der Beisetzung der Taufstein auf dem Kapitelstuhl vor dem Schwibbogen und die Kanzel am 1. Pfeiler auf der Südseite befand, liegt diese Grabstätte im Langhaus dicht vor bzw. unter der heutigen Kanzel.
Bei der Durchsicht der im Stadtarchiv aufbewahrten Bauakten zur Restaurierung der Dreifaltigkeitskirche im Jahre 1854 wurde in der Akte 1688 auf Seite 13 ff. folgendes Protokoll des 1. Bürgermeisters Andreas Eduard Cronacher vom 10. Juli 1854 gefunden:
"Nachdem man heute angefangen hatte, die alten Steinplatten in der Altarhalle und vor derselben aufzubrechen....., hob man heute die große Platte, in welche das messingene Epitaphium (Grabtafel) des Superintendenten Werner Kraus eingelaßen ist. Man fand unmittelbar unter ihr das Gewölbe, in welchem der Genannte begraben liegt. Da.... das Gewölbe der Gruft aber höher lag als der Fußboden im Schiff der Kirche werden wird, so machte sich der Abbruch des Gewölbes nothwendig. Man brach daher dasselbe mit aller Vorsicht auf, um den Inhalt des Gewölbes nicht zu verletzen, doch fiel bei dem Geschäfte dem Maurer Langguth.....ein Stein aus der Hand und in die Grube, traf hier den Sarg, so daß von diesem ein Brett abfiel. Nachdem man die Gewölbesteine bis auf die Widerlager entfernt hatte, fand man in der schön gebauten und getünchten Gruft den noch wohl erhaltenen Sarg von Eichenholz, mit eisernen Handhaben versehen. In ihm aber lagen die Überreste des verstorbenen Superintendenten Kraus, zu dessen Anblick man kam, indem man das Deckbrett des Sarges abnahm, was auch geschehen mußte, um das abgeschlagene Brett wieder aufzufügen. Die Überreste des Beigesetzten waren zu Staub geworden, nur im Allgemeinen erkannte man die Umriße der Gestalt, allein deutlich erkennbar waren nur noch die Überbleibsel des nach Morgen (nach Osten) gewendeten Hauptes und des Buches, welches der Verstorbene in der Hand hielt. Ohne im Mindesten etwas an dem Vorgefundenen zu ändern (machte man) den Deckel von dem Sarg wieder zu und legte auf die Widerlager des Gewölbes die große Platte, aus welcher man zuvor die messingene Gedenkplatte herausnahm......... Nachdem so die Gruft wieder fest verschloßen worden war, wurde über ihr der Fußboden der Kirche geebnet und mit Platten belegt.....".
Klaus Pfrenger
08.05.2026