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Eisfelder Amtsblatt
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil
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Wissenswertes - Neues rings um den „Grünen Baum“

Wenn man Eisfelder fragt, wo der „Grüne Baum“ gestanden hat, dann werden die selbstsicher grinsen, denn sie wissen natürlich, dass es bei dieser Frage nicht um einem irgendwann gepflanzten Baum geht, sondern um das attraktive Restaurant und Hotel, das dort stand, wo sich heute in Eisfeld die EDEKA-Kaufhalle und deren großer Parkplatz befinden. Das ist, für die Neuzeit gesehen, durchaus richtig, aber die wenigsten der schlauen Eisfelder wissen, wann und wo der „Grüne Baum“ entstanden ist und wo er jahrhundertelang gestanden hat. Leider konnte bisher noch keine ausführliche und einigermaßen komplette Chronik des „Grünen Baums“ gefunden werden, also bleibt uns nichts anderes übrig, als dessen Geschichte mit lauter kleinen Puzzle-Teilen aus den verschiedensten Quellen zusammenzubasteln.

Eine zentrale Rolle spielt dabei eine in Bad Salzungen gedruckte Postkarte, die ein Gemälde des Eisfelder Apothekers Ernst Friedrich Strasser mit dem Auszug der Eisfelder Bürgerwehr in der Zeit um 1813 zeigt. So der Text auf der Adressenseite der Postkarte. Glücklicherweise hat mich unser Museumsleiter Heiko Haine auf zwei Fehler in diesem Text hingewiesen, zumal das Museum „Otto Ludwig“ Eisfeld über zwei Pastellbilder mit eben dieser Marktplatzszene verfügt. Zum einen lautet der Name des Malers nicht Strasser, sondern Stassner, und zum anderen ist die Frontseite auf einem der beiden Bilder datiert mit „Eisfeld anno 1808“.

So sah also unser Marktplatz vor dem großen Stadtbrand von 1822 aus. Die Gebäude von links gesehen: Das Rathaus mit der oberen Einfahrt zur Wagen- und Viehwaage, daneben das Wohnhaus des Stadthauptmanns Habermann, dessen Brandfläche zu der des Rathauses genommen wird, um die Hauptfront des Rathauses zum Markt wenden zu können., dahinter das heutige Wohn- und Geschäftshaus von Martin Bock, neben einem kurzen Stück Stadtmauer (Feuermauer) die heutige Bonbonniere der Familie Kampfhenkel, in der Mitte der Gasthof „Zum grünen Baum“, deutlich erkennbar durch das Bäumchen über der Toreinfahrt und den Ausleger, der ebenfalls einen grünen Baum zeigt; und daneben die heutige Marktapotheke, die auch um 1808 schon eine Apotheke war. Rechts daneben die Obere Pforte als Mauerdurchlass, dann das Bedientenhaus des Schlosses, in dem heute in einem Neubau die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv untergebracht sind. Im Gebäude ganz rechts der Gasthof „Zum roten Ochsen“, der davor 1674/75 „Zum goldenen Ring“, 1759 „Zum grünen Kranz“, 1809 „Zum roten Ochsen“ und ab 1842 „Zum deutschen Haus“ hieß. Abgebrannt sind 1822 alle Gebäude von links bis einschließlich der Apotheke.

Nach unserem gegenwärtigen Erkenntnisstand erhielt Johann Nicol Rephan, Magister der Theologie und Vikar der Eisfelder Kirche, einige Jahre vor 1663 die Konzession für eine Schankstätte am Markt, die er 1663 kurz vor seinem Tod ausbauen liess. Um 1660 erhielten die Schankstätten und Gasthöfe in Eisfeld ihre Namen, so spätestens 1663 auch der „Grüne Baum“. Rephan folgten als Gastwirte, Schankwirte oder Besitzer des „Grünen Baums“ vermutlich der Schlosser Johann Georg Hahn (Lebenszeit 1680-1740), um 1714 Herr Lorentz Albrecht von Heßberg, um 1720 der Eisfelder Bürger Nicolaus Eck, etwa 1744 -1754 der Metzger und Gastwirt Johann Heinrich Thau und 1754-1769 der Metzger und bis 1758 Gastwirt Johann Thau. 1757 holte sich dessen Töchterlein Elisabeth Margaretha Thau aus Wallendorf bei Neuhaus am Rennweg den Metzger Johann Christoph Kiesewetter, Sohn des dortigen Metzgers Johann Georg Kiesewetter, heiratete 1757 Johann Christoph, der 1758 den „Grünen Baum“ als Gastwirt übernahm und bis 1787 führte. Ab 1769 war Johann Christoph Kiesewetter Besitzer des halben Hauses, die andere Hälfte gehörte Johann Thaus Witwe. 1787-1809 war Johann Christoph Kiesewetters Sohn Johann Ludwig Kiesewetter Gastwirt im „Grünen Baum“ (+ 22.02.1809).

Ab 1805 führte der „Grüne Baum“ die Hausnummer 30 (die Wohnhäuser in Eisfeld wurden damals durchnummeriert von 1 bis 352). 1816-1819 war Lorenz Reich Gastwirt im „Grünen Baum“, und von 1819 bis 1822 war Bürgermeister Christoph Otto der neue Besitzer des Hauses Nr. 30. Am 2. Juni 1822 kaufte Johann Paul Griebel die Konzession des Gasthofs „Zum grünen Baum“ und transferierte sie sofort auf sein gerade gekauftes Haus Nr.112 vor dem Coburger Tor, das bisher seit mindestens 1769 die Schankstätte „Zum goldenen Hirsch“ beherbergt hatte, die nun in das sog. „Luftloch“ an der Breiten Gasse umziehen musste.

Welches Glück - am 7. Juli 1822 bricht in Eisfeld ein großer Brand aus, der 127 Wohnhäuser mit zahlreichen Hinter- und Nebengebäuden, 7 öffentliche Gebäude, 2 Malzdarren und 5 Scheunen vernichtet, darunter das Haus Nr. 30 am Markt, den bisherigen Standort des „Grünen Baums“. Beim Wiederaufbau nach dem Stadtbrand erhielt der „Grüne Baum“ an seinem neuen Standort die Nr. 105. Die Familien Griebel und Truckenbrodt bauten den „Grünen Baum“ immer weiter aus zum modernen Hotel mit einem vornehmen Restaurant, Garagen für die Autos der Gäste, einer eigenen Brauerei am Eichbergweg und eigener Landwirtschaft. 2006 endete die Geschichte des „Grünen Baum“ mit dem Abriss des gesamten Objekts.

Klaus Pfrenger 08.07.2026

(zur besseren Erkenntnis in rot geschrieben der erweiterte bzw. korrigierte Text nach dem Hinweis von Heiko Haine) - Klaus Pfrenger 13.07.2026