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Gemeinsames Amts- und Mitteilungsblatt der Städte Gefell und Hirschberg
Ausgabe 8/2026
Nichtamtlicher Teil
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Gerlinger Alterswehr auf Partnerschaftsbesuch in Gefell

In den letzten Tagen machten sich mehrere Mitglieder der Alterswehr, ehemalige Feuerwehrmänner und Bürgermeister a.D. Georg Brenner, mit ihren Ehefrauen auf den Weg in die Gerlinger Partnerstadt Gefell.

Vom Ersten Beigeordneten der Stadt Gefell und Stadtbrandmeister Mark Militzer wurden wir beim dortigen Freibad herzlich willkommen geheißen. Schwimmmeister Käsebier und seine designierte Nachfolgerin stellten uns dieses attraktive Naturfreibad vor, das allerdings an diesem Tag wg. des noch frischen Wetters kaum frequentiert war. Trotz des Aufwands im städtischen Haushalt möchte die Stadt Gefell auf diese beliebte Gesundheits- und Freizeiteinrichtung nicht verzichten.

Es schloss sich ein Besuch im Gefeller Rathaus an, bei dem wir auch von Bürgermeister Marcel Zapf und den Mitarbeiter*innen in der Stadtverwaltung herzlich begrüßt wurden. Vom Bürgermeister erfuhren wir, dass Gefell mit ca. 2.400 Einwohnern, verteilt auf 9 Ortsteile, über eine Gemarkungsfläche von ca. 50 Quadratkilometern verfügt, ein Vielfaches der Gerlinger Gemarkung. Entsprechend vielfältig, aber auch im Vergleich zu Gerlingen unterschiedlich, sind die Herausforderungen, die die dortige Kommunalpolitik zu bewältigen hat. Zum 1. Januar 2027 ist ein Zusammenschluss mit Hirschberg, wohin die Matthäuskirche und der Posaunenchor schon zur Zeit vor der Wende freundschaftliche Kontakte pflegen, beschlossen. Gespannt darf man die damit verbundenen Veränderungen in der neuen Großgemeinde in der Kommunalpolitik und in der Stadtführung erwarten.

Ein kurzer Spaziergang führte uns dann zur Kirche „Unserer lieben Frau“ in der Stadtmitte. Dort erfuhren wir, dass die Gerlinger Freunde, u.a. der ehem. Stadtrat und Steinmetz Gerhard Ludmann, tatkräftig bei der Renovierung dieser ehrwürdigen Kirche, die schon im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt ist, mitgewirkt haben.

Spannend und sehr informativ war dann der Besuch im attraktiven Gefeller Feuerwehrhaus. Wehrführer Michael Militzer stimmte uns mit einem toll gemachten Imagefilm (www.feuerwehr-gefell.de) auf die Aufgaben der Ehrenamtlichen ein. Insgesamt sind in Gefell mehr als 100 ehrenamtliche Feuerwehrmänner und -frauen bei der Wehr, verteilt auf 6 Wachen, wovon Gefell die Größte stellt. Bei einem Rundgang im Haus konnten wir sehen, dass die Digitalisierung auf allerneuestem Niveau ist, insbesondere auch für die Wehrangehörigen selbst, die mit Transpondern zur Ortung und Erfassung der Einsatzaktivitäten ausgerüstet sind.

Der Höhepunkt war aber die Vorführung des Einsatzwagens Drohne. Im gesamten Saale-Orla-Kreis und im südlichen Thüringen wird dieses Spezialfahrzeug zur Unterstützung der örtlichen Einsatzleitung bei Schadensereignissen, im Katastrophenfall und bei Großveranstaltungen eingesetzt. Wir konnten zahlreiche Einsatzbilder sehen und erkennen, wie wichtig und wertvoll der Drohneneinsatz für die Einsatzkräfte sein kann. Trotz strömendem Regen ließ Drohnenführer Stefan Vödisch dann die Drohne in den Gefeller Himmel aufsteigen. 80 m über dem Feuerwehrhaus hatten wir einen totalen Rundblick über Gefell und die Umgebung. Mit dem 200fachen Zoom lässt sich sogar das Nummernschild und die Beschriftung eines in der Stadtmitte geparkten Firmenwagens ablesen - wir waren mehr als beeindruckt!

In geselliger Runde und mit schmackhafter Verpflegung klang der 1. Besuchstag im Alten Spritzenhaus in der Stadtmitte aus. Ein anerkennenswertes Beispiel ehrenamtlicher Gemeinschaftsarbeit. Vom Feuerwehrverein Gefell wurde das Haus vor der Spitzhacke bewahrt und in vielen Arbeitsstunden zum Gemeinschaftshaus ausgebaut. Die Mitglieder des Feuerwehrvereins, Bürger*innen der Stadt, unterstützen mit ihrem Mitgliedsbeitrag und ihrem Vereinseinsatz die Arbeit der Aktiven und tragen zum gesellschaftlichen Leben in der Stadt bei. Nachahmenswert auch bei uns in Gerlingen? Wir sollten darüber nachdenken!

Der 2. Besuchstag brachte uns einen Besuch bei der Gefeller Firma Microtech. Kriegsbedingt war das Unternehmen in den 1940er Jahren aus Berlin nach Gefell gekommen. In höchster Qualität und mit kreativer Ingenieurskunst baut das Unternehmen Mikrophone, die auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Beliebt und begehrt dienen sie nicht nur der Musikwelt, sondern z.B. auch auf der Geräuschmessanlage von BMW in München. Aushängeschild sind die 2 Mikrophonstäbe am Rednerpult, die jedem aus den Übertragungen aus dem Deutschen Bundestag bekannt sind. In vielen Parlamentssälen überall auf der Welt sind diese Mikrophonstäbe zu sehen - achten Sie mal darauf - sie kommen aus unserer Partnerstadt! Auch Gerlingen besitzt eines für die Stadthalle!

Der Nachmittag gehörte dann der deutsch-deutschen Geschichte. Dem Ortsteil Mödlareuth widerfuhr nach dem 2. Weltkrieg das gleiche Schicksal wie Berlin. Durch einen Bach geteilt in Ost und West, amerikanische und sowjetische Besatzungszone, DDR und BRD, Thüringen und Bayern, ausgestattet mit Mauer, Selbstschussanlagen, Grenzzäunen und Grenztürmen mussten die Menschen erleben, was die „Zonengrenze“ bedeutete. Unfassbar ist die Kreativität, die Menschen aufbringen können, um Andere auszugrenzen und Freiheit zu rauben, bis zur Tötung.

Im Deutsch-Deutschen Museum ist die Geschichte des geteilten Deutschlands hervorragend aufgearbeitet und didaktisch anschaulich dargestellt. Ergänzend gibt es Führungen im Freibereich, wo die „Grenzsicherungen“ im Original nachempfunden werden können. Wir bekamen eine mit 3-D-Brillen unterstütze Führung, die uns tief in die damaligen Verhältnisse mitgenommen und uns auch emotional sehr berührt hat. Mit unseren Freunden aus Gefell, die uns begleitet haben, sind wir einig: der Besuch dieses Museums ist nicht nur empfehlenswert, es ist ein Muss für Jeden, über alle Generationen hinweg und ein ganz besonderes Angebot an die Jüngeren. Und wir haben mitgenommen, wie wichtig und wertvoll es ist, sich jederzeit für Frieden, Freiheit, Toleranz, Wertschätzung und Menschlichkeit einzusetzen.

Bevor wir dann am nächsten Tag wieder nach Gerlingen zurückgefahren sind, haben uns die Gefeller Freunde noch eine Schifffahrt auf dem Saale Stausee organisiert. Mit 28 km Länge und einer Breite von fast 1km ist er der größte Stausee Deutschlands. Beeindruckend sind die Natur rund um die angestaute Saale, aber auch präsent die Freizeit- und Freizeitnutzung rund um die Talsperre.

Aus Gefell mitgenommen haben wir die Herzlichkeit und Freundschaft aus den zahlreichen Begegnungen. Mitgebracht haben wir die Grüße der Stadt und der Feuerwehr an alle Gerlinger*innen und die herzliche Einladung zum Besuch in der dortigen Region. Und den Auftrag bei der Feuerwehr und in Gerlingen für die stetige Fortsetzung und Festigung der Städtepartnerschaft zu werben.

 

 

 

 

Text und Bilder G. Brenner