Der ehemalige Sportverein Walschleben bestand aus verschiedenen Sektionen. Heute möchte ich Ihnen aus der Projektarbeit von 1967 die Sektion Reiten vorstellen. 1967 bekamen die zwei damaligen Walschleber Schülerinnen der 8. Klasse im Deutschunterricht den Auftrag eine Aufstellung über die Entwicklung des Sports in Walschleben anzufertigen. Man befragte dazu ehemalige aktive Sportler.
Ein herzliches Dankeschön an Trautchen Günther und Renate Huck für die Bereitstellung der Jahresprojektarbeit.
1886 wurde in Walschleben der „Alte Reitverein" gegründet. Der damalige Vorsitzende war Herr Becher. Um die Jahrhundertwende schlief diese schöne Sportart vollkommen ein. Nach dem ersten Weltkrieg (1918) wurde sie wieder neu ins Leben gerufen. Der Vorsitzende war Albin Bärwolf. Reitlehrer August Schröder und Schriftführer Luis Heergeist.
Dem Verein konnten nur Reiter beitreten, die eigene Pferde besaßen. Zu den Reiterfesten wurden die Pferde festlich geputzt. Es wurden nur Reiterspiele und Fahrkunst gezeigt, da das Hindernisspringen noch nicht so aktuell war. Die Reiterfeste und das Training fanden auf dem Salzplätzchen* statt. 1933 wurden die Reitvereine durch die Hitlerregierung verboten. Die Reiter mussten der SA beitreten. Sie mussten alle gleiche Arbeit in gleichen Uniformen verrichten. Das gefiel den meisten nicht. So kam es zur Auflösung des Reitervereins in Walschleben.
1945 wurde der Reitsport durch die GST wieder neu aufgenommen. Kurze Zeit danach trat der Walschleber Reitverein dem Deutschen Turn- und Sportbund bei. Pferde wurden den Reitern von der LPG zu Verfügung gestellt. Reitlehrer war Otto Köbis.
Seit 1920 der alte Sportplatz* gebaut wurde, fanden jeden Sonnabend ein Training von zwei Stunden statt. Die Walschleber Reiter nahmen an vielen Turnieren in Erfurt teil. Durch ihre guten Pferde waren sie sehr bekannt. Der Verein stellte auch ein Pferd für den ASK Berlin*, das zwei Siege erzielte. 1926 nahmen auch Walschleber Reiter am 2000 m Bauernrennen auf dem Boxberg bei Gotha teil, wo sie die ersten Plätze belegten.
| 1. Platz | Paul Friedrich mit Püppchen |
| 2. Platz | August Bärwolf mit Draufgänger |
| 3. Platz | Otto Köbis mit Roland |
Der Reiterverein hatte ungefähr 30 Mitglieder. Viele gaben diese Sportart auf, weil an sie zu hohe Anforderungen gestellt wurden. Die besten Dressurreiter des Vereins sind Jochen Köbis, Helmut Hoyer und Jürgen Hartung. 12 LPG Pferde und 13 eigene Pferde stehen zu Verfügung. Früher konnten nur die bessergestellten Bürger dem Reitverein beitreten. Heute kann jeder der Lust und Liebe zu dieser Sportart hat, sich daran beteiligen. Nach dem ersten Weltkrieg besaß Walschleben eine eigene Voltigiergruppe. Diese konnte sich aber nicht lange halten. Im Sommer 1967 fand in unserem Ort nach sehr langer Zeit, mit großem Erfolg, ein Reiterfest statt. Die Beteiligung und die Besucherzahlen waren über allen Erwartungen.
Salzplätzchen - war früher am heutigen Lindenhof und an der Lindenstraße. Kaufleute hielten hier auf dem Weg nach Erfurt ihre Ware feil. Alter Sportplatz - heutiges Gelände des Kindergartens. ASK Berlin - fungierte als zentraler Sportclub der Nationalen Volksarmee (NVA).
Thüringer Allgemeine Zeitung, 4. Juni 1933
Der Reit- und Fahrverein Walschleben ist wohl einer der eifrigste und auch erfolgreichste Verein des Bundes ländlicher Reit- und Fahrverein Thüringens. Er verfügt über eine Reihe bewährter und begeisterter Führer, die sich selbstlos in den Dienst des edlen Reitsports stellen (...). Aber das Können der Walschleber Reiter ist schwer erkämpft, sauer erarbeitet (…). Bei den Vorführungen muss man berücksichtigen, dass die Pferde den ganzen Tag über, und besonders jetzt in dieser Jahreszeit - ja sozusagen einen „Beruf" haben und schwer arbeiten müssen.
Thüringer Landeszeitung, 23. Mai 1952
Mit einem Reit-, Sprung-, und Fahrturnier der BSG Empor, Sektion Pferdesport am 24. und 25. Mai in Walschleben werden in diesem Jahr erstmalig die Kreismeisterschaften durchgeführt. Insgesamt sind 130 Meldungen eingegangen (…).
Sind Sie weiter interessiert? In der nächsten Ausgabe folgt ein Zeitzeugenbericht eines ehemaligen Mitglieds des Reitervereins.
Um das Vereinsregister mit Daten zu füllen, benötige Ich die Hilfe und Auskünfte von den Vorsitzenden der noch bestehenden Vereine und Genossenschaften. Sehr gern würde Ich auch mit Mitgliedern ehemaliger Vereine ins Gespräch kommen. Gesucht werden Zeitdokumente, Bilder, Fotos und Zeitungsauschnitte.
Lissa Niemand
(Telefonnummer 036201/60297)