Etienne Wiegand aus Gebesee fährt zum Traktortreffen in Andisleben seinen knallroten Dutra aus.
Werner Posner (83) auf seinem Kramer Diesel (87)
Mitfahrgelegenheit
Auf alles vorbereitet, falls es mal länger dauert
Zurücktreten bitte: Enrico Gropp dirigiert, aber nicht den Fanfarenzug
Es riecht, je nach Alter der Nase, nach Urzeit, Geschichte oder Kindheit. Es liegt permanent ein mehr oder minder ölgetränkter Zweitakt-Duft in der Luft. Das Klangbild ist eher uneinheitlich. Als sich der Fahrzeugkorso des 25. Andislebener Oldtimer-Traktorentreffens am Vorabend des 1. Mai in Bewegung setzt, reicht das Spektrum von fröhlichem Knattern bis zu sonorem Blubbern.
Früher war es wilder
Längst und schon seit Jahren haben sich auch Moped- und Motorrad-Oldies unter die historischen und neueren Traktoren der Marken, Lanz-Bulldog, Kramer, Deutz, Dutra, ZT, Hanomag und andere gemischt.
Zugelassen sind Traktoren bis Baujahr 1985 oder selbst gebaute, dazu Oldtimer-Motorräder und -mopeds.
Trabants sind sowieso dabei. Diesmal sind es zwei. An der hinteren Seitenscheibe des einen prangt stolz ein Hinweis: Kulturgut. Die umhäkelte Klopapierrolle auf der Hutablage ist für die Einstufung schon ein unverzichtbares, weil stilbildendes Detail.
Der Gemeinde-Multicar und ein W50 „stehen Spalier“.
„Das Traktortreffen gibt es eigentlich schon viel länger“, weiß Bürgermeister Hans Vollrath. Er steht kurz vor dem Start der Jubiläumsauflage in orangefarbener Signalweste mitten auf dem Festplatz. Es ist das 25. Traktorentreffen dieser Art in Andisleben. Vollrath ist nicht nur im Orga-Team. Er ist mit einem 1968er Deutz auch Teilnehmer.
Mit seiner Aussage will er nicht unterstreichen, dass es zwischendurch mal eine Corona-Pause gegeben hat. Das Spektakel hat eine weiter zurückreichende Vorgeschichte. Es sei am Anfang, zu Wende-Zeiten, einmal ein Rennen gewesen, erzählt er. Kein offizielles, eher ein Spaß. Keines mit Massenstart, aber schon eines mit Zeitnahme und Walkie-Talkie-Koordinierung. Von Andisleben habe es nach Walschleben geführt.
„Irgendwann ist die Polizei uns draufgekommen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Seitdem beschränken sie sich in Andisleben auf die Schau und den Korso zum Festplatz. Und die Polizei ist dabei.
In die Veranstalterrolle teilen sich die Freiwillige Feuerwehr und der Feuerwehrverein, die Kirmesgesellschaft und der Gemeinderat.
Knallroter Blickfang
Signalrot frisch lackiert war der Dutra D4K/B, im Jahr 1968 produziert in Ungarn für Schweden, ein absoluter Blickfang. Er gehört seit dem letzten Sommer Etienne Wiegand. Der Gebesee ist ausgewiesener Sammler. Er hat vier Dutras und vier Lanz „im Stall“.
Auch Werner Posner ist aus Gebesee nach Andisleben gekommen. Sein Kramer Diesel, Baujahr 1939, ein Schlepper mit Mähbalken, sei ein „Allesschaffer“, erzählt der 83-Jährige. Seit 1991 gehört der Traktor ihm und hat gute Dienste geleistet.
Enrico Gropps Signalweste ist neongelb. Der Bürgermeisterstellvertreter ordnet die Abläufe, weist Stand- und Startplätze zu und dirigiert die am Straßenrand stehenden Zuschauer. Nach dem Maibaumsetzen und einem kleinen Platzkonzert mit dem Fanfarenzug aus Hochheim geht es auf Dorfrunde zu Maifeuer und Freiluftdisko.
Über 900 Gäste haben auch dem Entzünden des Maifeuers beigewohnt. Die danach bei Thüringer Bratspezialitäten und Thüringer Bier sich stärken konnten.
Wir danken der Funke Medien Thüringen und dem Journalisten Armin Burghardt für die auszugsweise Veröffentlichung des Artikels (erschienen am 2. Mai in TA, Ausgabe Sömmerda )
Hans Vollrath
Bürgermeister