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Die Gera-Aue
Ausgabe 8/2026
Institutionen, Vereine und Verbände
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Zum ehrenden Gedenken an Lothar Möller

Für diesen Beitrag wurden die Erinnerungen von Lothar Möller an die Sektion Boxen der BSG Empor Walschleben aufgezeichnet.

Herr Reinhardt, der damalige Direktor unserer Zuckerfabrik in Walschleben, war der Trainer unserer Boxgruppe. Die Trainingsstunden fanden zweimal wöchentlich von 20 bis 22 Uhr statt - zuerst in der Turnhalle Lindenhof und später in der Kantine der Zuckerfabrik.

Wir waren stolz darauf, dazuzugehören und diesen Sport ausüben zu dürfen. Ich war beim Eintritt im Jahr 1951 ein leidenschaftlicher, aber auch der jüngste Teilnehmer. Körperlich war ich noch nicht so ausgereift wie die anderen, ein Leichtgewicht. Ich war so stolz, dass ich mit dabei sein durfte! Klare, strenge Regeln, Leichtathletik, Lauf- und Krafttraining, Liegestütze und vieles mehr bestimmten unsere Trainingszeit. Ein Boxring wurde aus Seilen gezogen, und schon konnten unsere Übungsrunden stattfinden. Der Spruch von Herrn Reinhardt war immer: „Wer raucht, bleibt außen vor, den brauchen wir nicht.“ Er sorgte für die Trainingsmaterialien, Boxhandschuhe und Kleidung. Jeder von uns erhielt zu Weihnachten eine Tüte Zucker als Geschenk - für uns eine große Auszeichnung und für die Mütter eine Riesenfreude.

Auch wenn ich keine großen sportlichen Erfolge hatte, konnten andere mehr Siege verzeichnen. Andere Vereine waren nicht unbedingt unsere Konkurrenten, sondern nur kleine Rivalen, und wenn, dann nur während der Wettkämpfe. Zu vielen Vereinen hatten wir freundschaftliche Beziehungen. Damals hatte die Zuckerfabrik schon zwei PKWs, sodass wir auch nach Erfurt zum Training gefahren sind. Zu den Wettkämpfen und Abendveranstaltungen fuhr uns ein LKW, der mit Bänken bestückt war. Nicht nur wir als Teilnehmer, auch Eltern, Freunde und Interessierte durften mitfahren. Zu den Wettkämpfen nach Elxleben sind wir im Dauerlauf gelaufen - das war gleichzeitig das Training.

Haben sich Vereine, egal welche, in Walschleben getroffen, ist Willi Schneemann im Dorf bei den Landwirten vorstellig geworden und hat um Naturalspenden gebeten. Damit hat man die Gäste bewirtet. Besonders die Vereine aus der Stadt freuten sich auf die gute Verpflegung. Jede sportliche Veranstaltung, egal welcher Sektion, war immer ausverkauft. Die Leute freuten sich… es war ein Treffpunkt und ein absoluter Höhepunkt im Dorfleben.

Jedes Vereinsleben im Ort hatte um 1950 seine feste Vereinsgaststätte:

Fußball / Reiten:

Gaststätte „Weintraube“

Handball:

ehemals „Die Grotte“, heute Gemeindehaus

Turnen:

Gaststätte „Lindenhof“

Boxen:

Kantine der Zuckerfabrik

Herr Reinhardt war ein sehr bodenständiger Mensch. Er hatte ein Herz für junge Leute. Sein Ziel war es, jedem Sportler Weichen für die Zukunft zu stellen. Ganz bewusst hat er in der Zuckerfabrik Lehrwerkstätten eingerichtet. Die Jugendlichen konnten hier einen Beruf erlernen und gleichzeitig im Ort arbeiten. Es war für viele eine sehr schwere Zeit, da viele Familien ihre Väter im Krieg verloren hatten. Die Mütter waren alleinerziehend und mussten allein für die Familie sorgen. Es waren auch sehr viele Umsiedlerkinder mit in den Sektionen. Wir haben uns alle immer sehr wohlgefühlt und die Eltern waren stolz auf uns, wenn wir unsere Leistungen bei Wettkämpfen zeigen konnten. 1954 musste unser Trainer aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Leider fand sich damals kein Nachfolger.