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Saarwellinger Nachrichten
Ausgabe 27/2020
Amtliche Mitteilungen
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Landwirtschaftskammer für das Saarland


Die freie Natur – sie darf von allen genutzt werden, von Landwirten und Erholungssuchenden!

Das Wetter ist schön, der Himmel klar, die Temperaturen angenehm. Da zieht es viele hinaus in die Natur. Besonders in Corona-Zeiten mit reduziertem „Indoor-Sportangebot“ nutzt der eine oder andere die freie Feldflur zur Erholung, sei es zu Fuß, mit dem Rad oder gar mit dem Pferd.

Nicht immer bleibt der Naturgenuss ganz ungestört: Landwirte mit Traktoren, oft auch mit Anhängern oder Anbaugeräten nutzen das Wegenetz zum Pflegen und Ernten ihrer Felder. Da wird das Ausweichen zum Hürdenlauf. Dürfen die Bauern das denn überhaupt?

Die Landwirte sind auch nicht gerade begeistert: Jogger auf Feldwegen und Hunde im Getreidebestand, Coladosen und Plastiktüten am Feldrand. Dürfen die Leute das denn überhaupt?

„Jeder darf zum Zweck der Erholung die freie Landschaft auf eigene Gefahr betreten.“ Dies ist ein allgemeiner Rechtsgrundsatz, festgeschrieben im Bundesnaturschutzgesetz. Diesen kann jede Person generell für sich in Anspruch nehmen. Erlaubt sind grundsätzlich natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigungen auf Straßen, Wegen und ungenutzten Grundstücken. Im Speziellen heißt „Betreten“ im Saarländischen Naturschutzgesetz: zu Fuß, Radfahren, Rollstuhlfahren, Spielen und Reiten.

Damit der Landwirt seiner Tätigkeit nachgehen kann und durch die Erholungssuchenden keine wirtschaftlichen Einbußen erfährt, dürfen Äcker in der Zeit zwi­schen Saat/Bestellung und Ernte, Wiesen in der Zeit des Aufwuchses und der Beweidung zwischen dem 1. April und dem 15. Oktober nicht betreten werden. So hat es der saarländische Gesetzgeber im Naturschutzgesetz verfügt. Dies gilt auch für Sonderkulturen wie Erdbeerplantagen, Spargelfelder, Obstplantagen und Weinberge. Öd- und Brachland hingegen, auch Feldraine – grasbewachsene Streifen entlang der Felder - darf man betreten.

Verboten ist die Durchfahrt auf Wegen in der freien Landschaft nur dann, wenn das Verkehrsschild 250 (weißer Kreis mit rotem Rand) „Durchfahrt verboten“ aufgestellt ist. Es gilt für Fahrzeuge aller Art, für Fahrräder genauso wie für Motorroller. Traktoren sind nicht ausge­nommen, auch wenn die Landwirte Anlieger sind. Es sei denn, ein Zusatzschild „Anlieger frei“ oder „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ erlaubt ihnen die Durchfahrt. Schie­bende Radfahrer sind übrigens rechtlich gesehen Fußgänger.

Was tun, wenn ein Landwirt mit schwerem Gerät auf eine radfahrende Familie trifft? Dort gilt wie überall das Gebot der „gegenseitigen Rücksichtnahme“:

Was man nicht will, dass man Dir tu‘, das füg´ auch keinem andern zu!

Jeder hat mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Das beinhaltet natürlich, dass Abfälle wieder mit nach Hause zu nehmen sind. Zurückgelassene Drachenschnüre zum Beispiel können sich in Maschinen verheddern und Kosten sowie Ärger verursachen.

Beim Spazierengehen zählt auch der Hundekot zu Abfällen. Wer möchte schon den Kinderwagen im Slalom um die kleinen Häufchen herumfahren oder nach einem wunderbaren Spaziergang stinkende Kinderschuhe schrubben. Hundekot im Viehfutter führt außerdem zu Infektionskrankheiten beim Vieh, die u.a. ursächlich für Fehlgeburten bei Kühen und Pferden verantwortlich sind.

Grundsätzlich müssen Hunde in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Juni angeleint sein, damit Wildtiere und Vögel ihre Jungen ungestört aufziehen können. Das saarländische Jagdgesetz lässt Ausnahmen zu, insbesondere wenn Hunde trainiert sind, „bei Fuß“ zu gehen und zu keiner Zeit ihrem Jagdinstinkt nachgehen. Weitere Regelungen zur Anleinpflicht können die jeweiligen Gemeinden per Satzung oder Allgemeinverfügung erlassen.

Ansprechpartner:

Robert Zimmer, Kammerdirektor: 06826/82895-30

Franz-Josef Eberl, Kammerpräsident: 06894/52566