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Neue Werra-Zeitung
Ausgabe 10/2026
Nichtamtlicher Teil
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Kurzes Lebensglück im Marksuhler Schloss

Miniaturbildnis Elisabeth. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Inv.-Nr. Mi199.

Liebe und Leiden der Herzogin Elisabeth

Dr. phil. habil. Frank-Bernhard Müller (Leipzig)

Elisabeth, geborene Gräfin von Mansfeld-Hinterort, war die erste und jung verstorbene Gemahlin Herzog Johann Ernsts von Sachsen-Coburg(-Eisenach) (1566-1638). Sie wurde am 4. April 1566 in Eisleben geboren. Ihre Mutter Margareta (1534-1596) aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg war 1559 mit Graf Johann I. (Hans) von Mansfeld-Hinterort (um 1530?-1567) den für ihn zweiten Ehebund eingegangen.

Als fünftes von sechs Kindern geboren, sind biografische Nachrichten über ihre Kindheit und Jugend rar. Vom Eislebener Pfarrer Conrad Porta wissen wir, dass Elisabeth 1569 zu ihrer Tante Sophia nach Breitungen kam: Die kinderlose Sophia, verheiratete Gräfin von Henneberg, nahm die Tochter ihrer kinderreichen ältesten Schwester Margareta zur Erziehung auf. Elisabeth wurde „jung gen Frawen Breitingen (Frauenbreitungen) gethan und alda erzogen“ berichtet der Chronist Spangenberg. Die konkreten Beweggründe sind unbekannt, doch war die „Nachwuchsverteilung“ auf verwandte Haushalte ein gängiges Mittel familiärer Unterstützung und Vernetzung.

Auf Sophias Witwensitz Schloss Herrenbreitungen lernten sich Elisabeth und Johann Ernst am 8. Dezember 1589 kennen. Briefe an die Eltern am 18. Januar 1590 bekunden des Herzogs Gefühle und Absichten. Für Elisabeth empfinde er „besondere lust, lieb und zunaigunge“. Gegen die überraschende Verlobung war der elterliche Widerstand erheblich, die Hochzeitsvorbereitungen von handfesten politischen Kabalen geprägt. Noch vor der Heiratserlaubnis Kaiser Rudolfs II. fand am 23./24. November 1591 in Wiener Neustadt in Österreich die Trauung statt. Die Kosten der fürstlichen Hochzeitsfeier betrugen 203 Gulden. (Abb.)

 

Zurück in Thüringen, erwies sich die Wohnungssuche als schwierig. An Geldsorgen scheiterte die Herrichtung von Schloss Creuzburg zur von Johann Ernst bevorzugten Residenz. Nach anderthalbjährigem Aufenthalt in Burgbreitungen bezog das junge Paar das Marksuhler Schloss. Am 23. Mai 1592 schreibt Johann Ernst seinem Vater Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen, dass er mit seiner „geliebten Gemahlin nach Dienstag nach Exaudi“ (9. Mai) den neuen Wohnsitz bezogen habe. Eine „Hof- und Hausordnung“ (19. Februar 1593) regelt das Leben im kleinen Residenzschloss.

Es sind gut vier Jahre vergangen, da erwartet Elisabeth ihr erstes Kind. In den Gottesdiensten wird für eine glückliche Niederkunft gebetet, sechs Wochen vor der Entbindung empfängt Elisabeth das heilige Abendmal. Alle Bitten und Gebete erfüllen sich nicht. Die Geburt am 8. April 1596, Gründonnerstag, verlief dramatisch, ja tragisch. Elisabeths Kind, notgetauft auf den Namen Johann Friedrich V., verstarb nach wenigen Stunden. Die dreißigjährige Mutter folgte ihm vier Tage darauf, sie verstarb am 12. April, dem Ostermontag.

Elisabeths Tod wurde der Verwandtschaft im Herrschaftsbereich unmittelbar kundgetan. Der überlieferte Schriftverkehr (Notifikationen, Kondolenzschreiben) gibt umfassende Auskünfte. Ungedrucktes Material birgt aussagekräftige Quellen (spezifische Rechnungen). Über ein Dutzend Dokumente vermittelt ein umfassendes Bild der Vorgänge um den Tod und die Bestattung Elisabeths und ihres Knaben.

44 Gulden sind bei der Überführung der herzoglichen Leichen am 8. Mai von Marksuhl nach Creuzburg ausgeteilt worden. Am 10. Mai 1596 wurden Mutter und Sohn in Zinnsärgen (90 Gulden) in der Nikolaikirche neben dem Altar beigesetzt. In Eisleben, Elisabeths Geburtsstadt, hatten am 2. Sonntag nach Ostern (25. April) zu Elisabeths Tod die Glocken geläutet.

Vier zum Druck gebrachte Predigten fragten: Wie konnte Elisabeth recht glauben, christlich leben und seliglich sterben? Die erste Predigt (7. Mai) schmückt ein anspruchsvoller Holzschnitt mit einem Bildnis der Verstorbenen. In der vierten Predigt im Creuzburger Trauergottesdienst (10. Mai) erfährt man, dass Elisabeths Mutter nicht an der Beisetzung teilnahm. Seit Ende März 1596 weilte sie zur ärztlichen Behandlung in Marburg bei Maria, der jüngsten Schwester Elisabeths. Weshalb nun die Beerdigung in Creuzburg? Die Vereinbarung aller Beteiligten, die Verstorbenen nach Coburg zu überführen, scheiterte. Ungebührliches Geleitgeld, Unsicherheiten auf den Straßen und Probleme beim Geleitschutz sprachen dagegen. So entschied sich Johann Ernst für Creuzburg. Der verschollene Ehevertrag hatte sicher diesbezügliche Regularien festgeschrieben. Sie scheinen nun eingelöst. Spätere Nachrichten, dass „Elisabeth den 10. Maji zu Creutzburg auf ihrem Leibgedinge begraben worden“ sei, legen dies nahe.

Elisabeths Grabstätte gerät in Vergessenheit: „Die Grabstätte ist nicht mehr zu finden, wahrscheinlich durch Brand 1765 zerstört oder bei dem Wiederaufbau 1785/86 ganz beseitigt“ stellt das Verzeichnis der Wettiner Grabstätten 1897 fest. Unvermutet stieß man am 29. Juli 1932 bei Grabungsarbeiten auf die verschollen geglaubte Grablege. Die Grabungsakten im Landeskirchenarchiv Eisenach erzählen in über 30 Dokumenten von den Sarginschriften, den Gutachten und dem Leihvertrag zum herzoglichen Goldgeschmeide, vom Creuzburger Pfarrer Otto Günther.

Die Erinnerung an Herzogin Elisabeth war durch die lange Zeit nie ganz ausgelöscht, aber doch verdeckt. Seit dem 10. Mai 2020 hilft eine Gedenkplatte, diese Geschichte zu vergegenwärtigen.