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Neue Werra-Zeitung
Ausgabe 11/2026
Nichtamtlicher Teil
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Theatergruppe Gerstungen

Gesichter des Wunderlands

Was wären Alice und ihre Begleiter ins Erwachsenwerden ohne Farbe, kreativen Kopfputz oder Frisuren und Make-up? Wahrscheinlich nur fade, graue und schmucklose Figuren. Um genau diese Elemente der Verwandlung geht es hier. Annette Glaser gibt im Folgenden einen kleinen Einblick in das Handwerk unserer Damen in der Maske, die Zauberer mit Puder und Pinsel:

„Die Maske mag der kleinste Teil des Theaters sein, ist aber nicht minder bedeutsam. Kreativität ist hier, genau wie in den anderen Abteilungen, absolut wichtig. Ich bin seit dem zweiten Theaterstück - „Lebe mit Menschen“ - ein Teil unserer bunten, vielfältigen Truppe. Waren unsere Stücke anfangs vom Aufwand her eher einfach gestrickt, so wuchsen wir von Jahr zu Jahr an unseren Aufgaben. Wir waren von Mal zu Mal gespannt, was wohl für neue Herausforderungen auf uns zukamen. Jedes Stück wurde anspruchsvoller und aufregender.“ beschreibt Annette die Entwicklung von KunstGENuss.

„In den ersten Jahren war das Bad von unserer Chefin Jana Dreh- und Angelpunkt der Maske. Wenn auch räumlich recht beengt, hatten wir doch fließend Wasser vor Ort, was im Vergleich zu unserem späteren und bis jetzt bestehenden Domizil absolut luxuriös war. Seit dieser Zeit haben wir unser Wasser, was ja unabdingbar wichtig ist, aus der Küche des Jugendclubs und seit einiger Zeit von der Toilette holen müssen - auch für unseren Kaffee…. Trotz dieser nicht wirklich schönen Umstände gelingt es uns immer wieder, die Darsteller in ihre Rollen zu verwandeln.“ freut sie sich.

 

 

„Mittlerweile gehöre ich schon über 20 Jahre dem Masken-Team an und bin nach wie vor gespannt, was es als Nächstes an bildnerischen Aufgaben gibt. Je näher der Tag der Premiere rückt, umso mehr fängt es an zu kribbeln. Etwa ein bis zwei Wochen vor der Premiere gibt es ein Probeschminken, wo jeder Darsteller in seiner Maske fotografiert wird, damit wir als Maskenbildner wissen, wie wer aussehen muss. Meistens bleibt es dann auch dabei, allerdings sind Änderungen vorbehalten, denn unsere Chefin hat gerne - auch wenn es kurz vor knapp ist - den einen oder anderen „Geistesblitz“. Das kann uns schon mal zum Wahnsinn treiben. Aber, da es ja ausschließlich zum Nutzen des Stückes ist, nehmen wir das natürlich mit einem Augenzwinkern hin.

Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, das heißt wir helfen uns gegenseitig, auch wenn es mal „artfremd“ ist und es hart auf hart kommt. Denn: „The show must go on“. Sind dann alle Maskenstühle leer, stellen wir uns im Flur zum großen Kreis auf. Etwas Magisches liegt dann in der Luft - das Knistern kann man förmlich spüren. Unsere Chefin schwört uns auf die Vorstellung ein und wir wünschen uns gegenseitig „toi, toi, toi“. Danach bleibt nur noch zu sagen: „Let the show begin!“

Mit diesen Worten endet die Beschreibung von Annette Glaser. Doch wie verhält sich das Ganze beim diesjährigen Stück „Alice im Wunderland“? Hierzu äußert der Kopf der Inszenierung, Jana Freiberg, die folgenden Gedanken:

„Wenn wir von Maske sprechen, reden wir immer von der Verdeckung der eigentlichen Identität. Dem Schauspieler wird es in dem Moment, mit seiner Lave ermöglicht, besser in die Rolle einzutauchen. Die Darstellung findet zusammen mit dem Kostüm so ihre Komplementierung - Sophia Singer ist nunmehr Alice. Im Wunderland gibt es viele Charaktere. Hier trifft Alice auf die Welt der Erwachsenen. Es gibt hier keine Menschen. Schwester Tilli lässt sie zurück in der realen Welt und begibt sich auf eine Traumreise.“ erläutert die Regisseurin.

„In diesem Wunderland wohnen lustige Traumgestalten, die alle irgendwie mit Merkmalen von Erwachsenen ausgestattet sind. Genaugenommen sind sie Charaktere von Erwachsenen. So wird dem Zuschauer, gerade durch die Maskerade, klar, welchen Typus Mensch er hier vorfindet oder besser welchen Mentor, Trainer, Lehrer, Berater, Erzieher, Tippgeber.

Der Autor Lewis Carroll, selbst Mathematiktutor und Dozent am Chris-Church-College der Universität Oxford, wollte durch Alice einen Gegenentwurf zu viktorianischen Erziehungsmodellen schaffen. Das Wunderland bricht mit allen Normen und Regeln der Etikette. Alice ist frei in ihrer Wahl von Handlung und Sein. Sie darf auswählen, wem sie Vertrauen schenken möchte, wer ihr Wegbeleiter ins Erwachsenwerden sein darf. Dabei kommt es nicht selten zur Entlarvung der Erwachsenen. Demaskiert fühlt sich da vielleicht auch der ein oder andere gereifte Betrachter des Stückes. Uns werden Erziehungserfahrungen und Erzogensein gespiegelt. Wir, die wir jedoch früher auch einmal Kinder waren und heute Maskenträger sind?“

Jana Freiberg erklärt weiter: „Lewis Carroll lässt uns in seiner Traumlandschaft, zusammen mit Alice, hin- und herspringen in Ereignissen, Orten und Charakteren. Es gibt keinen konkreten Handlungsstrang, es erscheint alles wie Nonsens und doch wird uns vielleicht bewusst, dass es genau diese Leichtigkeit des Unerklärbaren ist, was Kindheit und Jugend für uns alle offenhält. Das auch, wenn wir uns manches beim Heranwachsen nicht erklären können, alles doch einen Sinn ergibt, wenn man genauer, tiefer und länger hinschaut.

Selbst heute, als Mutter eines 14-jährigen Sohnes, wird mir klar, dass es etwas Wunderbares ist - die Jugend. Und auch durch unser beider Weiterwachsen kommt es das ein oder andere Mal zum Fallenlassen meiner schon getragenen Masken.“ mit dieser Metapher beendet die ausgebildete Theaterpädagogin ihre Ausführungen.

 

 

Nun bleibt abschließend, Sie herzlich zu diesem besonderen Stück einzuladen. Kommen Sie mit uns auf eine fantastische Reise der Herzen. Erleben Sie unser großartiges Ensemble - farbenfroh und facettenreich.

„Alice im Wunderland“ ist am 13. und 14. Juni, am 20. und 21. Juni sowie am 27. und 28. Juni im Schlosshof Gerstungen zu sehen. Karten sind ab sofort im Bürgerbüro und in der Bibliothek Gerstungen erhältlich. Das Stück ist für Kinder, Eltern und Großeltern als empfehlenswert eingestuft!

Annette Glaser, Jana Freiberg, Sabine Quaas und Anika Zitzmann

Theatergruppe Gerstungen e. V.