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Neue Werra-Zeitung
Ausgabe 13/2026
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Eine Lesung der besonderen Art

Am 11. Juli 2026, 18.00 Uhr findet in der Katharinenkirche in Gerstungen eine Vernissagelesung statt - „Dennoch Rosen“ - Leben und Werk der Dichterin Rose Ausländer.

Diese tiefgründige und sensible Ausstellung wird durch die Friedensbibliothek / das Antikriegsmuseum Berlin gestellt und wer, wenn nicht die Lyrikerin Gisela Verges, wird den Worten und Werken der Rose Ausländer, mit ihrer kraftvollen und unverkennbaren Stimme, Leben einhauchen.

Die Friedensbibliothek / das Antikriegsmuseums Berlin sagt folgende Worte zur Künstlerin Rose Ausländer:

Die Dichterin wird als Rosalie Scherzer 1901 im damaligen Czernowitz/Österreich-Ungarn geboren. Heute heißt der Ort Tscherniwzi und liegt im Westen der Ukraine. Sie wächst in einer vielsprachigen Umwelt auf. Nach dem 1. Weltkrieg wird 1919 die Bukowina mit der Hauptstadt Czernowitz rumänisch und heißt ab jetzt Cernauti. Sie nimmt ein Studium auf und heiratet 1921 Ignaz Ausländer. Beide entschließen sich zur Auswanderung in die USA. Nach ihrer Scheidung kehrt sie 1931 nach Czernowitz zurück. 1939 erscheint ihr erster Gedichtband. Nach der deutschen Besetzung 1941 wird sie mit ihrer Mutter zwangsumgesiedelt in das dortige Ghetto. Sie entgeht jedoch Zwangsarbeit und Deportation und überlebte in einem Kellerversteck - unter schrecklichen Umständen. Nur mit Hilfe von Freunden verhungert sie nicht. 1944 wird das Ghetto befreit und sie geht wieder in die USA. Sie schreibt weiter Gedichte, zuerst auf englisch, dann später auf deutsch - in der Sprache der Mörder. Ab 1965 lebt sie bis zu ihrem Tod 1988 in Düsseldorf.

Sie veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände, die hohe Auflagen erreichen, und ist wohl die meist verlegte Nachkriegsdichterin in der Bundesrepublik.

Trotz ihres schweren Schicksals hat sie fast nie den Mut verloren und gegen die Angst und für die Hoffnung geschrieben:

Manchmal

Manchmal

spricht ein Baum

durch das Fenster

mir Mut zu

Manchmal

leuchtet ein Buch

als Stern

auf meinem Himmel

Manchmal

ein Mensch

den ich nicht kenne

der meine Worte

erkennt

Lauscht mit uns der sanften und doch kraftvollen Stimme von Gisela Verges, wenn sie Rose Ausländer und ihre Werke in unsere Mitte holt.

Für diejenigen, die es zeitlich nicht einrichten können… keine Angst. Die Ausstellung wird vier Wochen in der Katharinenkirche zu besichtigen sein.

Sabine Quaas