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Neue Werra-Zeitung
Ausgabe 14/2026
Nichtamtlicher Teil
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Chronologische Liste der Amtsträger im Amt u. in der Diözese Gerstungen

Gerstunger Amtsbeschreibung von 1700 - Deckblatt

C. Bernhardt

Chronologische Liste der Amtsträger im Amt u. in der Diözese Gerstungen

1. Vorbemerkung

Vor einiger Zeit hatte ich an gleichger Stelle eine "Zeitfolge der Landesherren, zu deren Herrschaftsgebiet die Region um Gerstungen gehörte", veröffentlicht [1] (s. auch in [5]). Dabei war es gelungen, eine lückenlose Herrschaftszugehörigkeit über etwa 1280 Jahre bis heute in 5 Abschnitten aufzuzeigen:

1.

744 - 1402:

Besitz des Klosters Fulda.

2.

1402 - 1482:

Besitz der Thüringer Landgrafen (mit zeitweisen Weiterverkäufen).

3.

1482 - 1547:

Besitz der Ernestinischen Kurfürsten von Sachsen.

4.

1547 - 1920:

Besitz d. Ernestinischen Herzöge von Sachsen (Thüring. Kleinstaaten).

5.

Nach 1920:

Zugehörigkeiten in moderner Zeit zur Weimarer Republik bis 1933, zum Nazireich bis 1945, zur DDR bis 1989 und seitdem zur Bundesrepublik Deutschland.

Von Anfang an war vorgesehen, diesem Herrscherverzeichnis eine Liste der Gerstunger Amtmänner, eine Liste der Pfarrer sowie eine Liste der Bürgermeister und der Lehrer nachfolgen zu lassen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass dafür noch umfangreiche Recherchearbeiten nachzuholen waren. Meine Zeit als aktiver Heimatforscher hat leider nicht ausgereicht, um alle diese Vorhaben in kompletter Form abzuschließen. So ist nur die Liste der Amtmänner und die der Gerstunger Pfarrer im Wesentlichen fertiggestellt, die der Bürgermeister und der Lehrer blieben bisher auf der Strecke. Derartige Zusammenstellungen liegen nur für das Amtsdorf Neustädt vor [5].

2. Amtmänner und Amtschösser seit 1403

Die frühe Geschichte Gerstungens ist in zahlreichen Veröffentlichungen dargestellt (s. z.B. in [3], [8] und [9]). Danach gehörte Ort und Burg seit 744 dem Benektikdinerkloster Fulda. Erst im Jahre 1311 richtete der Fuldaer Fürst-Abt Heinrich V. Graf von Weilnau in Gerstungen ein zentrales Verwaltungszentrum mit einem Vogt oder Amtmann (Schösser) ein. Ihre Namen in dieser frühen Zeit sind allerdings nicht bekannt. Die nachfolgende Liste beginnt mit dem Jahr 1403. Ein Jahr zuvor hatte der Fuldaer Abt Johannes I von Merlau das Gebiet an den Thüringer Landgrafen Balthasar (*1336,†1406) verkauft.

Im 15. Jahrhundert und zeitweise auch noch im 16. Jahrundert war das Gebiet des Amtes in der Regel ganz oder teilweise verkauft bzw. verpfändet, als Lehen vergeben oder in vogtmäßiger Verwaltung. Diese Ereignisse werden hier im Einzelnen nicht aufgeführt. Besitzer oder Verwalter waren in der Regel bis um 1540 ausschließlich Mitglieder adliger Familien. Erst nach der Reformation wurde die Stelle des obersten kommunalen Verwaltungsbeamten in Gerstungen auch mit nichtadligen Personen besetzt. Welche genaue Amtsbezeichnung sie in dieser Eigenschaft führten, ist in der Literatur oft nicht präzise angegeben.

Die Angaben ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind ebenfalls etwas unsicher, weil meist nicht eindeutig unterschieden wird, was Berufs- und was Tätigkeitsbezeichnungen sind. So bleibt oft ein Rest an Ungewissheit, wer Chef des Gerstunger Amtes in welchem Zeitraum war. Auch hat man im 19. Jahhundert zwei Zuständigkeitsbereiche eingerichtet: einen für Finanzen (Rechnungs-/Rentamtmann) und einen für die Gerichtsbarkeit (Justizamtmann/Amtsrichter). Die Bedeutung des Tätigkeitsbegriffs Amtskommissar ist ebenfalls unklar.

 

 

Amtmänner in Gerstungen

Die Datensammlung ist sicherlich noch lückenhaft, vor allem hinsichtlich biogafischer Angaben. So weiß man in der Regel nichts über die Herkunft der Amtmänner, nur selten einmal ist das Geburtsjahr und das Sterbejahr bekannt. Ähnliches gilt für die Dauer der Amtszeit, so müssen wir uns in der Regel mit den Jahreszahlen ihrer namentlichen Erwähnung zufrieden geben. Auch haben wir den Verlust großer Mengen von Archivgut zu beklagen, die während des zweiten Weltkrieges vom Weimarer Staatsarchiv in Bad Sulza ausgelagert waren und dort vernichtet wurden. Die Quellenlage ist also dadurch geprägt, dass die Namen der Amtmänner aus den unterschiedlichsten kleineren Texten und Aktenmaterialien stammen. Sie werden hier im Einzelnen nicht mitgeteilt, sondern es werden nur pauschal einige heimatgeschichtlichen Arbeiten angeführt, die diese speziellen Nachweise enthalten (s. Quellen [2] bis [12]). Das gleiche gilt für erwähnenswerte Ereignisse in ihrer Amtszeit.

3. Pfarrer und andere kirchliche Amtsträger

Frühe vorreformatorische kirchliche Nachrichten über Gerstungen

Um 1155:

Entstehung des Codex Eberhardi [11]. Das ist die älteste Nachricht über kirchliches Leben im Gerstunger Amtsgebiet und enthält den Hinweis auf 2 Kirchen (und 7 Mühlen).

1282

besitzt das Eisenacher Benediktinerinnenkloster St. Nicolai das Patronat über "die Pfarr und eine Capel zu Gerstungen und Richolfisdorff" [5], [12].

1316

wird in der Ersterwähnungsurkunde von Neustädt/Werra [5] der Zeuge Rudigerus de Nuvestete, Priester in der Vikarei des Klosters St. Nicolai zu Eisenach genannt.

Um 1446

"Kolmitzsche Stiftung" an die Gerstunger Vikarei und Übergang des Patronats auf die hessische Familie von Kolmitzsch [5], [9].

1506

wurde ein Subsidienregister erstellt [10], [5], darin wird für Gerstungen von zwei Altären, "St.Katharina" und "Heilige drei Könige", gesprochen, auch die Namen einiger Vikare und Priester werden genannt.

1528

Im Visitationsprotokoll: Absetzung des papsttreuen Vikars und Reformationsgegners Peter Möller, Auflösung der Vikarei und Bildung einer neuen evangelischer Pfarrei in Gerstungen und weiterer Pfarreien in der ganzen Parochie [3], [5].

In vorreformatorischer Zeit gab es keine exakte Übereinstimmung der kirchlichen Gliederung mit der weltlichen Herrschaftsstruktur. Besonders deutlich wird das in dem Subsidienregister von 1506 [10],[5]. Regelmäßige Kirchenbücher gab es in dieser Region erst etwa 100 Jahre nach der Reformation (in Gerstungen erst ab 1647 erhalten). So müssen wir für diese frühe Zeit auf andere Quellen zurückgreifen (Urkunden/Regesten, Zinsbücher u.a.). Die relevanten Quellen sind alle in meinen früheren Arbeiten im Detail aufgeführt (s. z.B. in [5] oder [9]), so dass sie hier in der Regel nur pauschal angegeben werden.

In nachreformatorischer Zeit haben wir als wichtige Quellen die Protokolle der ab 1528 im 5-Jahres-Abstand im Eisenacher Raum durchgeführten Kirchenvisitationen zur Verfügung [7], in deren Folge es schließlich zur Bildung des Eisenacher Oberconsistoriums kam. Außerdem sei auf die große Anzahl der erhaltenen Kirchenbücher seit dem 17. Jahrhundert hingewiesen, in denen die Pfarrer immer als Chronisten auftreten.

Bei Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Quellen wurden durchweg die Angaben in den Gerstunger Kirchen- und Zinsbüchern als die authentischen weiterverwendet. Insgesamt zählt man 39 Gerstunger Pfarrer bis heute.

Pfarrer in Gerstungen

Quellen

[1]

C. Bernhardt: Zeitfolge der Landesherren für die Region bzw. das Amt Gerstungen. Neue Werrazeitung (2014) H.16, S.19 - 23.

[2]

Staatshandbücher des Großherzogtums SWE von 1757 bis 1913.

[3]

H. O. Stölten: Urkunden, Urkundennachweise und Notizen zur Geschichte von Gerstungen. Handschriftl. Manuskript 1924, Standort: WTM Gerstungen.

[4]

Fredy Richter: Sämtliche Berichte und Erzählungen über Gerstungens Vergangenheit.

[5]

C. Bernhardt: Kirchenchronik der Gemeinden Neustädt und Sallmannshausen. Eigenverl. Freiberg 2013

[6]

B. Möller u.a.: Thüringer Pfarrerbuch. Bd.3: Großherzogtum SWE, Landesteil Eisenach. Neustadt/Aisch, 2000.

[7]

H.O. Stölten: Zum Aufbau der evangelischen Landeskirche. Luginsland - Blätter für Heimat- kunde. Wochenbeilage der Eisenacher Zeitung. 16-teilige Aufsatzfolge, Jahrgang1925,

[8]

Autorenkoll.: 1250 Jahre Gerstungen, ein Handbuch. Ringgau-Datterode 1993.

[9]

C. Bernhardt: Gerstungen zur Zeit der Reformation. In: G. Rösing: Festschrift zur 1275 Wiederkehr der Ersterwähnung von Gerstungen. Gerstungen 2019.

[10]

E. Bünz: Das Mainzer Subsidienregister für Thüringen von 1506. Köln, Weimar, Wien 2005.

[11]

Heinr. Meyer zu Ermgassen (Herausgb.): Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Marburg Bd.1: 1995, Bd.2: 1996, Bd.3: 2007.

[12]

D. Drude, F.-B. Müller: Spurensuche. Matthaeus Gericke im Amt Gerstungen. Eigenverlag Gerstungen, 2019.