Gänsehaut pur - mit diesen beiden Worten kann diese Veranstaltung beschrieben werden. Gänsehaut nicht nur wegen der angenehmen Kühle in der Kirche, nein Gänsehaut erzeugten die tiefen Worte von Rose Ausländer und die wunderbare Stimme von Gisela Verges.
Maik Beyer hat die Lyrikerin nach ihrer Lesung kurz beiseite genommen und nach ihren Eindrücken gefragt:
Gisela fühlte sich nach der Lesung erleichtert, da die Gedanken ihrer Stimme galten, hält sie durch? Das Zeitmanagement musste gut geplant werden. Die Recherchearbeit zu dieser Lesung war sehr umfangreich. Wie will man aus über 3000 Gedichten auswählen? Man liest ein Wort oder eine Zeile und das Gedicht hat es einem sofort angetan und dann das nächste oder nein, lieber doch das aus dem anderen Buch.
Gisela fiel die Entscheidung nicht leicht, aber es wurden die richtigen Werke herausgefiltert, auch solche, die einem die Tränen in die Augen treiben. Auf die Frage, ob es ein Gedicht gab, das ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, kam die Antwort doch sehr schnell: „Noch bist du da“.
Rose Ausländer spricht in diesem Werk jeden Einzelnen von uns an. Und gerade die letzten Textzeilen „Sei was du bist, gib was du hast“ würde Gisela Verges so annehmen und als Leitmotiv für das Leben nehmen, keine Rolle spielen, sondern ganz du selbst sein.
Gisela war überrascht, dass es wenige Werke über die grausamen Dinge gab, die Rose Ausländer erlebt hatte. Giselas Gedanken dazu waren, dass Rose Ausländer, wie viele andere Juden, die überlebt haben, sich vielleicht geschämt haben, dass sie überlebt haben und es viele andere nicht. Das klingt manchmal so in den Gedichten nach.
Für Rose Ausländer war „das Wort“ wichtig, es ist das Element einer Sprache, ihrer Sprache und es war ihr Ausdrucksmittel; die Sprache war ihre Heimat, darin hat sie sich wiedergefunden, weil es ihre Heimat nicht mehr gab.
In den Zeilen, die das Positive oder auch das Versöhnliche beschreiben, darin erkannte sich Gisela auch ein bisschen wieder, das hat sie besonders angesprochen. Trotzdem vergleicht sie sich nicht mit Rose Ausländer.
Diese Vernissagelesung ist etwas Neues: Wenn man ein Gedicht vorgelesen bekommt, ist es immer noch etwas anderes, als wenn man es ausgehängt sieht. In dem Vorlesen steckt eine Haltung, ein Verstehen, ein Farbe bekennen.
Überzeugen sie sich gerne selbst von der Ausstellung. Diese ist noch bis zum 06. August in der Katharinenkirche zu besichtigen.
Maik Beyer, Gisela Verges und Sabine Quaas