Die Theatergruppe KunstGENuss hat mit der Inszenierung von „Alice im Wunderland“ ihre nunmehr 31. Spielzeit erfolgreich absolviert. Was bleibt sind Erinnerungen an drei besondere Aufführungs-Wochenenden, die Schönes, aber auch Trauriges mit sich brachten.
„Theater ist schon lange eine große Leidenschaft von mir. Nachdem ich drei Jahre Erfahrung bei den Theaternasen des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums gesammelt hatte, war das Schauspiel zu einem festen Teil meines Alltags geworden. Im Sommer 2025 begrüßte mich allerdings ein Saal voller neuer und fremder Leute. Das war für mich, die doch eher eine zurückhaltende Person ist, eine große Herausforderung.“ So beschreibt Nele Baumgärtner ihren Einstieg bei der Theatergruppe Gerstungen.
„Rückblickend kann ich nur von Glück reden, dass ich in eine so herzliche und nette Gruppe gefunden habe. Bereits am ersten Probentag schaffte ich es, Gespräche aufzubauen. Die Vereinsmitglieder empfingen mich mit offenen Armen, auch wenn ich altersbedingt etwas aus dem Rahmen fiel. Alle anderen waren entweder signifikant jünger als ich oder bereits erwachsen, wo ich mich mit meinen siebzehn Jahren etwas fehl am Platz fühlte. Doch je mehr Zeit verstrich, desto mehr gliederte ich mich in die Gruppe ein. Zwischen spielerischem Aufwärmen und intensiven Proben fand ich einen Ort, an den ich hingehörte.“
Das Probenseminar in Eisenach blieb ihr dabei in besonders guter Erinnerung, denn diese Tage waren für Nele, aber auch für das Stück unglaublich produktiv: „Wir schafften es an diesem Wochenende für unsere Szenen ein solides Grundgerüst aufzubauen, an dem nun nur noch gefeilt werden musste. Außerdem fand ich zum ersten Mal einen richtigen Zugang zu meinen Rollen, der mir half, diese viel besser spielen zu können.“
Bei ihrem KunstGENuss-Debüt übernahm Nele gleich zwei anspruchsvolle Rollen. In der Inszenierung von „Alice im Wunderland“ war sie als Dodo, dem Anführer der schwimmenden Tiergruppe, und als hochnäsige Karte Nummer 5 zu sehen.
So intensiv, wie Nele ihre erste Spielzeit bei der Theatergruppe Gerstungen e.V. erlebte, so besonders war diese auch. Mit der Aufführung von „Alice im Wunderland“ setzten die Darsteller, aber auch die zahlreichen Helfer vor und hinter den Kulissen, einen weiteren Meilenstein in der Vereinsgeschichte, der in Erinnerung bleiben wird. „Die Herstellung und Organisation der Kostüme und Requisiten war mit einem immensen Aufwand verbunden. Der Gedanke dahinter war, alles bei Alice in Anlehnung an den viktorianischen Stil zu gestalten – da gibt es wenig von der Stange.“, erklärt die Gesamtleiterin Jana Freiberg. „Unter der Leitung von Astrid Grasse wurden ein Jahr lang Requisiten angefertigt, Silvia Stein und Heidi Gernand waren maßgeblich für die Schneiderarbeiten verantwortlich.“ Das war aber noch lange nicht alles, denn auch der Bühnenbau und die Technik waren bei diesem Stück besonders umfangreich. „Dank Roland Beyer und Ronny Skeries konnten wir am Ende auf vier professionell gefertigten Hauptbühnen spielen, die noch dazu super ausgeleuchtet waren. Zusammen mit weiteren Effekten, wie dem Nebel, schafften wir vor allem bei der Samstagabend-Vorstellung eine ganz phantastische Stimmung. Da fühlte sich so mancher Zuschauer wie im echten Wunderland.“
Natürlich durfte bei Alice auch das Catering nicht fehlen. Das Team um Manuela Woth kümmerte sich wie gewohnt um das Wohl der Zuschauer, die von Wochenende zu Wochenende mehr wurden. „In diesem Jahr konnte unser Publikum aber nicht nur Speisen und Getränke erwerben, sondern auch Ballons.“, merkt Jana Freiberg an. Mit einem Wunsch versehen und mit Helium gefüllt, ließ die Grinsekatze die Ballons im Rahmen der Inszenierung steigen. So mancher Ballon legte dabei eine beachtliche Strecke zurück: bereits nach dem Premierenwochenende erreichten die Theatergruppe Grüße aus dem über 1.000 Kilometer entfernten Stropkov-Bokša in der Slowakei, wo einer der Ballons gelandet war.
Neben all dieser Euphorie und den positiven Momenten, ereignete sich während der Spielzeit aber auch etwas, das niemand kommen sah und was auch heute noch unbegreiflich ist: Siegfried, der den Herzkönig spielte, und von allen nur „Sigi“ genannt wurde, verstarb plötzlich. Wie sollte es nun weitergehen: die Spielzeit abbrechen oder weitermachen? So wie die gesamte Inszenierung eine Teamarbeit ist, wurde auch diese Entscheidung gemeinschaftlich getroffen. „Wir haben den Entschluss wirklich nicht leichtfertig gefasst, immerhin war der plötzliche Verlust eines unserer ältesten Vereinsmitglieder für uns alle ein Schock – das gesamte Ensemble war von Trauer erfüllt. Doch nach langen Überlegungen und tiefgründigen Gesprächen stand für uns fest: wir spielen in Gedenken an unseren Sigi weiter.“, erklärt Jana Freiberg.
Am Ende blickt die Theatergruppe Gerstungen auf eine Spielzeit zurück, die von heißen Temperaturen, Besucherrekorden und stillen Momenten geprägt war. Ein abschließender Dank geht an die folgenden Helfer und Institutionen: Gemeinde Gerstungen, Bürgerbüro Gerstungen, Bibliotheken Gerstungen sowie Marksuhl, Freiwillige Feuerwehr Gerstungen, Gemeindewerke Gerstungen, Katharina Dötterl, Firma Salzmann, Metallbau Thomas Phieler, Blumenschmiede Carmen Höhn, Petra und Harald Krause, Familie Matthias Golle, Marco Fischer sowie seinem Team vom Wartburgradio, Heinz Haupt und Annette Brand.
In Gedenken an unser treues Vereinsmitglied Siegfried Hutschreuther endet die Saison 2026. Voller Demut blicken wir nun dem entgegen, was uns 2027 erwartet: ein musikalisches Stück, das an verschiedenen Orten in Gerstungen gezeigt wird.
Anika Weber
Schriftführerin