Na, wer hat ihn noch nicht gelesen… keine Angst. Hier kommt nochmals eine Erinnerung an unsere ganz besondere Veranstaltung! Und ein weiterer Künstler hat sich noch mit eingefunden!
Was geschieht, wenn ein Bild zu sprechen beginnt - und zwar durch einen Menschen, den dessen Schöpfer niemals vorher getroffen hat?
Die Idee setzt bei einer ungewöhnlichen Form des künstlerischen Dialogs an. Vereinzelte Gruppen von Künstlern und Literaten treten miteinander in Beziehung, ohne sich tatsächlich zu begegnen. Wie einst die Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ unterschiedliche Positionen, Ausdrucksformen und Wahrnehmungen zusammenführte, entsteht hier ein künstlerischer Dialog: nicht zwischen anwesenden Personen, sondern zwischen Werken, Wahrnehmungen und Worten.
Gemalte Bilder werden den Literaten zur Verfügung gestellt. Sie betrachten, was vor ihnen liegt, und entwickeln daraus eigene Texte, Gedanken oder Gedichte. Dabei geht es nicht darum, das Bild zu erklären oder seine vermeintlich „richtige“ Bedeutung zu entschlüsseln. Vielmehr entsteht eine persönliche Interpretation: Was könnte dieses Bild einem Betrachter sagen? Welche Stimmung, Erinnerung oder Geschichte löst es aus? Welche Gedanken werden sichtbar, wenn man sich dem Gemälde nicht analytisch, sonder sprachlich nähert?
Die Lyriker und Künstler kennen einander nicht. Der Künstler weiß nicht, welcher Autor sein Bild gewählt hat. Der Autor wiederum weiß nichts über die ursprünglichen Absichten des Künstlers. So entsteht eine eigentümliche Spannung zwischen Absicht und Wahrnehmung. Der Künstler gibt ein Bild in die Welt und der Lyriker verwandelt es in Sprache. Aus Farbe wird Klang und aus einem Bild wird ein Gedicht - eine Verdichtung, ein Perspektivgewinn: Ein Werk wird nicht nur betrachtet, sondern durch einen fremden Blick neu erfunden.
Erst mit der Veröffentlichung entsteht der Performancemoment: Der Lyriker tritt vor das erwählte Werk, liest seine Gedanken, seinen Text oder sein Gedicht vor. In diesem Moment begegnen sich zum ersten Mal Bild und Sprache körperlich und unmittelbar im Raum.
Und hier entsteht eine zusätzliche Spannung: Nicht der Künstler bestimmt allein, was sein Bild bedeutet. Nicht der Autor bestimmt allein, was sein Text aussagt. Erst im Blick des Gegenübers entsteht die neue Bedeutung. Wenn das Bild zu Worten wird, verändert es sich. Und wenn die Worte wieder auf das Bild zurückfallen, sehen wir es möglicherweise zum ersten Mal anders.
Künstlerinnen und Künstler, Lyrikerinnen und Lyriker zwischen 16 und 85 Jahren, aus Thüringen und Hessen, Mitglieder aus unserem Kunstverein und dem Kunstverein Eisenach e. V. haben sich auf diese spannende Reise begeben und auch sie sind schon in knisternder Spannung, was dieses künstlerische Experiment bringt und freuen sich auf die vielen interessierten und neugierigen Besucher. Ich möchte es nicht versäumen und hier nun die Mitwirkenden namentlich erwähnen:
Maik Beyer, Tina Eißner, Jana Freiberg, Sigrid Hahn, Silvia Landefeld, Christopher Lyer, Hans Dieter (Hady) Müller, Carl Georg Otto, Arne Panke, Denise Reichenbach, Karin Reinwein, Joshua Ries, Rüdiger Schäfer, Dr. Kathrein Schellenberg, Sophia Singer, Ines Stützel, Gisela Verges, Veronika Wagner, Harry Weghenkel, Julia Witzel, Lilith, Wünscher, Christine Zöller.
Ich kann es kaum erwarten, um zu erfahren, welche „Paare“ sich gefunden haben.
Der künstlerische Dialog wird von der Musik alter Meister stimmungsvoll begleitet. Die „Fidelrunde Bundweis’“ wird mit ihrer Musik der Renaissance-Epoche und des Frühbarocks, in unterschiedlichster Vokal- und Instrumentalbesetzung, dieses Zwiegespräch der Farben und Worte den perfekten musikalischen Rahmen verleihen.
Nun noch die große Frage… Wann und wo findet diese künstlerische Begegnung statt?
Am 06. September 2026 um 18.00 Uhr in der Metallbauwerkstatt Thomas Phieler, Im Kleegarten 5 in Gerstungen. Denn eine so ungewöhnliche Veranstaltung schreit nach einem ungewöhnliche Performanceort.
Sabine Quaas