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Neue Werra-Zeitung
Ausgabe 17/2026
Nichtamtlicher Teil
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Auf Spurensuche in der Untersuhler Mühlengeschichte

Anlässlich der 629-Jahrfeier von Untersuhl hat Stefan Löwe vom Jugend- und Kulturverein Untersuhl zur Mühlengeschichte des Ortes geforscht. Um die dabei gewonnenen Erkenntnisse zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat er eine vierteilige Beitragsreihe zur Heimatgeschichte für die Werrazeitung verfasst. In dieser Ausgabe veröffentlichen wir den ersten Teil. Freuen Sie sich auf interessante Einblicke in ein bedeutendes Stück Untersuhler Ortsgeschichte.

 

 

Teil 1: Die Rodemühle (Rohmühle / Rothemühle / Rote Mühle)

Die Rodemühle - im Volksmund auch Rohmühle und später Rote Mühle genannt - scheint vermutlich die älteste und bedeutendste der vier Untersuhler Mühlen gewesen zu sein. Sie lag nördlich des Ortes, dicht an der hessischen Grenze. Ihren Namen erhielt sie wahrscheinlich durch die dort vorgenommenen Rodungen. Ein Beleg für diese These wurde jedoch nicht gefunden.

Die Rodemühle wurde als oberschlächtige Getreide- und Schneidmühle betrieben. Neben dem Mahlen von Korn diente sie auch der Holzbearbeitung. Nach Überlieferungen wurde später sogar eine Dreschmaschine durch die Wasserkraft betrieben.

Die Ursprünge der Mühle reichen vermutlich bis in das 16. Jahrhundert zurück. Bereits um 1580 wird das Gebiet um die Mühle als „Gut des Lorenzens Curt“ bezeichnet. Über mehrere Generationen blieb die Mühle im Besitz der Familie Lorenz. Den Dreißigjährigen Krieg scheint die Rodemühle einigermaßen überstanden zu haben, denn vom Besitzer Caspar Lorentz wird der Zins in voller Höhe abverlangt.

Nach dem Aussterben der Familie Lorenz um 1700 wechselte die Mühle mehrfach den Besitzer. Zu ihnen gehörten unter anderem Simon Hohmann, Christoph Ackermann (Umbenennung zur Rothen Mühle), Johann Ludwig Landefeld, Johann Adam Ewald, Christoph Knoth, Conrad Knieriem und Johann Adam Ewald. Viele dieser Besitzer hatten jedoch wenig Glück: Krankheiten, frühe Todesfälle und familiäre Schicksalsschläge prägten diese Zeit.

Erst ab 1848 begann eine erfolgreichere Zeit. Christian Leonhard Schneider, ein Sohn aus der Aumühle, erwarb die Rodemühle und führte sie gemeinsam mit seinem Schwager Johann Georg Vincent Stein aus Dankmarshausen zu neuem Aufschwung. In den folgenden Generationen blieb die Mühle mit der Familie Schneider verbunden. Der letzte Müller war Heinrich Schneider, ein Bruder von Berthold Schneider, den viele ältere Einwohner von Untersuhl noch aus seinem ehemaligen Lebensmittelladen kennen. Heinrich Schneider führte den Mühlenbetrieb bis in die 1950er-Jahre fort.

Mit der Industrialisierung verloren kleine Wassermühlen zunehmend ihre Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte die Lage an der innerdeutschen Grenze die Situation zusätzlich. Nach dem Tod von Gerda Schneider, der Witwe des letzten Müllers, endete schließlich auch das Schicksal der Rodemühle. In den Jahren 1986/87 wurde das Gebäude durch die Produktionsgenossenschaft des Handwerks Werratal mit Unterstützung sogenannter „Grenzhelfer“ aufgrund der unmittelbaren Grenznähe abgerissen.

Auch wenn von der Rodemühle heute kaum noch bauliche Spuren vorhanden sind, bleibt ihre Geschichte ein Teil des kulturellen Erbes von Untersuhl. Anlässlich der 629-Jahrfeier von Untersuhl wurde mit Unterstützung der Ehrenamtsstiftung Thüringen ein digital geführter Wanderweg mit sechs Stationen entwickelt, der zur aktiven Naherholung einlädt.

 

 

Über den abgedruckten QR-Code gelangen Sie direkt zur webbasierten App und können den Weg auf eigene Faust erkunden.

Der Jugend- und Kulturverein Untersuhl wünscht viel Freude und spannende Entdeckungen beim Erkunden unserer Heimat.