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Amtsblatt der Gemeinde Geratal
Ausgabe 14/2026
Nichtamtlicher Teil
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„Schteener for de Kirchn“

So zunächst auf „Gersch“ - hochdeutsch und ausführlich: Der evangelische Geraberger Kirchenchor „Melodiata“ und die „A-Band“ luden für den 27. Juni in die Geraberger Bartholomäuskirche ein zum 3. „Mauerkonzert“, um Geld zu sammeln für die Restaurierung unserer bröckelnden Pfarrhofmauer in der Ortsmitte. Daniel Beer, unser Tontechniker-Fachmann in der Kirche, hatte schon am Vortag wegen der gegenwärtigen Hitzerekorde große Bedenken für ausreichend Publikum. Auch ich machte mich auf, setzte mich als altgedienter Baupfleger des Geraberger Gemeindekirchenrates in die hinteren Bankreihen, war gespannt und erfreut über ca.100 wackere und hitzefeste Besucher und Akteure.

Was ich sah und hörte ging mir sehr zu Herzen. Yvonne Mehnert dirigierte 18 Sängerinnen und Sänger der „Melodiata“. Sie sangen fast ausschließlich neuzeitliches Liedgut. Das Schlusslied verstärkten noch 4 der jüngsten Schulkinder. Markus Mehnert brillierte wie immer begleitend am E-Piano. Anspruchvolle Querflötenstücke spielten Alina und im Duett auch mit Matilda mit rhythmischer Untermalung von Justus am Schlagzeug. Mara unterstützte den Chor auf der Klarinette. Zwei größere Blöcke mit - sagen wir - mit „kirchlicher Popmusik“ waren der „A-Band“ mit eigenen Texten vom Architekten und Frontmann Erdmann J. Steffani vorbehalten: Es spielten eine Bassgitarre, eine E-Gitarre, das E-Piano und ein Schlagzeug - Musik auch für die älteren Ohren.

Aber nicht nur die Musiken wurden als spendenaktivierende Elemente eingesetzt, sondern auch tiefsinnigere Gedanken in der Moderation und dem Vortragen von Steingeschichten, z.B. vom Kiesel, der schließlich doch zu seinem Selbstbewusstsein und zur eigenen Kraft zurückfindet. Die tragenden und zusammenhaltenden Kräfte der Steine wurden als Allegorie für unsere Kirchengemeinde herangezogen (Ramona Witting). Das gemischt alte und junge Publikum dankte jeweils mit reichlich Applaus. Waffelbacken und Softeis vor der Kirchentür und vor und nach dem Event versüßten denen noch die Plaudereien, die es sich so gut sein ließen.

Zwei Lieder gingen mir besonders ins Ohr: Das tröstliche „Manchmal ist alles einfach gut“ und „Gib die Hoffnung niemals auf“. Abschließend rieselten von der obersten Empore - nein, keine Kieselsteine - sondern zum Schmetterlingslied noch flirrende Schmetterlinge aus Papier herab. „Die ziehen wirklich alle Register“ - flüsterte meine Banknachbarin.

Und was empfand der alte Baupfleger nach seinen immerhin 38 Dienstjahren? Davon waren 13 noch in der DDR-Wirklichkeit platziert, inklusive Großtaten unter „erschwerten Bedingungen“, wie der Glockenstuhlumbau und Umhängen der Glocken „mit Feierabendbrigade“ vor dem Einbau eines von unserer Partnergemeinde Metzingen-Neuhausen gespendeten elektrischen Läutewerkes im Jahre 1986. Neubeschiefern des nördlichen Kirchendaches noch mit Holzleitergerüst (1982)! Dann aber ging es mit großem Elan gleich 1990 weiter: Dachziegelkauf in Herzogenaurach noch für übrig gebliebenes DDR-Geld aus der Gemeindekasse, Konstruktion der hölzernen Mauerkrone, Anfertigen derselben, Ziegelaufsetzen und Verschmieren des maroden Mauerwerkes mit immerhin 9 ABM-Kräften! 1992 - Abriss der baufälligen Pfarrscheune durch die Feuerwehr. 1993 - Neubeschiefern des restlichen Kirchendaches, später auch des Kirchturmes. Anschließend und vor unserer Geraberger 750-Jahrfeier in 1996: Erneuerung der Gesamtelektrik und malermäßige Instandsetzung des Kirchenschiffes. Ja, es waren doch gesegnete Großtaten in guter Gemeinschaft mit geschickten Handwerkern, einsatzfreudigen Gemeindemitgliedern, zupackenden Pfarrern und in guter Abstimmung mit allen unseren Bürgermeistern. Unsere Einsätze nannten wir übrigens auch „Subbotnik“. Zuversicht und Gottvertrauen halfen uns sehr, und erfüllen mich heute noch mit Dankbarkeit. Darum ist es mir auch nicht bange um unsere Pfarrhofmauer - sie soll ihren Platz in der Ortsmitte behalten dürfen, auch weiterhin umkrenzend die Events für alle Bürger unserer Region.

Über die nächste Großtat nach meiner Amtzeit, den Umbau des über 300 Jahre alten Pfarrhauses zum „Kirchengemeindezentrum“ und dessen Einweihung im Mai 2010 kann man nachlesen im „Geratalanzeiger Archiv“ ( Nr.10/21.Woche vom 26.5.2010 auf Seite 9.)

Nach der Wende habe ich 36 mal eigenhändig den großen Adventskranz gewunden - gerne würde ich auch den 37-sten wieder winden dürfen. Gott befohlen!

Dr.K.Bödrich - der alte Geraberger Baupfleger.