Titel Logo
Amtsblatt der Gemeinde Geratal
Ausgabe 19/2026
Nichtamtlicher Teil
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Der Wasserturm vom Bahnhof Plaue

Elgersburg, 17. August 2026

Wie so oft beschäftigen Ereignisse oder Dinge in unserem Leben die Menschen erst, wenn sie vorbei sind. Genauso ist es mit dem Wasserturm am Bahnhof Plaue/Thüringen. Nach kurzen Gerüchten zu seiner Zukunft, viel er an nur einem Tag Ende Juni 2026.

Ja, er war eines der Wahrzeichen der Stadt Plaue /Thüringen. Bis zum Schluss gefiel das kunstvolle Klinkerbauwerk dem Betrachter. Stellen wir uns noch ein intaktes Dach und den sauber gestrichenen Holzaufbau vor dann staunen wir über das was unsere Vorfahren in den 1880er Jahren geschaffen haben. Doch nun der Reihe nach. Als Ilmenau im August 1879 von Arnstadt her Bahnanschluss erhielt hatte Plaue endlich seinen eigenen Bahnhof. Die große Zeit begann als die Preußische Staatsbahn im August 1884 die Fernbahn Berlin - Stuttgart mit dem berühmten Brandleitetunnel eröffnete. Nun war Plaue an die weite Welt angeschlossen. In dieser Zeit entstand die „Wasserstation“ in Form des Wasserturms im Stil der damaligen Zeit. Anfangs wurde er mit Quellwasser aus dem Gebiet der Rheinsberge gespeist. Mit dem Höhepunkt im Deutschen Eisenbahnwesen, in den 1930er Jahren wurde die Lütschetalsperre speziell als Wasserreservat für die Reichsbahndirektion Erfurt gebaut. Bis Zum Rangierbahnhof Erfurt floss das weiche kalkfreie Kesselspeisewasser für die Dampfloks.

Wassertürme gab es in vielen Ausführungen und Größen. Neben wahren Kunstwerken entstanden einfache Betonbehälter wie in Gräfenrode hinter dem ehemaligen Stellwerk. Nach 1890 erstellte die KPEV Vorgaben für den Bau dieser Einrichtungen.

Große Wassertürme wurden für die Trinkwasserversorgung von Städten errichtet. Der weithin sichtbare Wasserturm in Arnstadt ist ein Beispiel dafür. Heute sind in ihm Comfort Wohnungen entstanden.

Das Prinzip ist immer das Gleiche. Über eine Steigleitung muss das Wasser in einen Hochbehälter im Inneren des Turmes fliesen oder gepumpt werden. Die meist genieteten Stahlbehälter hatten ein Volumen von 100 bis 800 m/3 je nach Größe der Bahnhöfe. Um die Ausflussmenge zu erreichen war der Auslauf des Hochbehälters mindestens 10 m über der Schienenoberkante festzulegen. Über die Fallleitung ging das Waser zum Wasserkran. Diese standen unmittelbar am jeweiligen Gleis. Plaue hatte zwei Stück. Einen neben dem Turm für das Ferngleis und einen hinter der Unterführung für die Ilmenauer Strecke. Durch das Rohr des Wasserkranes, Durchmesser cirka 28 cm brausten bis zu 10m/3 pro Minute in die Tender der Loks. Die großen Loks der D Züge, meist eine BR 39

mussten in etwa 3 Minute ihren Wasservorrat ergänzt hatten!! Es war immer eine sportliche Angelegenheit für das Lokpersonal. Mit viel Geschick musste der Lokführer genau neben dem Auslauf die Maschine samt Zug zum Halten bringen. Noch im Fahren sprang der Heizer ab, entriegelte den Kran, öffnete das Ventil und nach einer Dusche über den Tender war dieser voll. Nach dem Festlegen des Auslegers durch den Heizer ging es mit schnellem Schritt zur Lok und beim Griff nach der Leiter zum Führerstand fuhr der Zug bereits mit lautem Auspuffschlag an.

Der Fahrplan war Gesetz!

Am Fuß des Turmes war ein einfacher Ofen platziert. Die aufsteigende Wärme verhinderte das Einfrieren des Auslaufes bei Frost. Einige dieser Bauwerke stehen heute unter Denkmalschutz, der in Plaue war es nicht.

Schon Ende der 1960iger Jahre verschwand der Wasserkran am Bahnsteig 1, der an der Ilmenauer Strecke, Bahnsteig 3 erst 1978. Die Fundamente mit Ablaufbecken sind beide heute noch vorhanden.

Es ist müßig jetzt über die Erhaltung des Turmes zu spekulieren. Fakt ist, dass er 2026 in einem sehr schlechten Zustand war und mehr und mehr zum Schandfleck wurde. Zweimal wollten Privatpersonen ihn in der Vergangenheit kaufen. Warum das nicht geklappt hat ist mir nicht bekannt.

Unausweichlich musste die Entscheidung zum Abriss fallen. Erstaunlich ist, dass es dann schnell ging. Nach zwei Tagen war er ebenerdig abgetragen. In absehbarer Zeit werden die schon lange nicht mehr benötigten zwei Stellwerke verschwinden. Dann sind die letzten Zeugen alter Eisenbahn im Bahnhof Plaue verschwunden.

Stefan Wespa