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Amtsblatt der Gemeinde Geratal
Ausgabe 19/2026
Nichtamtlicher Teil
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Zum Apfelfest nach Lahnau

In unserer Geraberger Partnergemeinde Lahnau, Ortsteil Waldgirmes, findet alljährlich im Spätsommer das „Apfelfest“ statt, das ursprünglich von der Gemeinschaft der Ortsvereine Waldgirmes aus der Taufe gehoben wurde. Dieses lokale Volksfest nahmen die Lahnauer in diesem Sommer zum Anlaß, sich dazu auch Gäste aus ihrer Partnergemeinde Geraberg einzuladen, und Ortsbürgermeister Detlef Bräuning reichte die Einladung im Amtsblatt an unsere Bürger weiter. Es fand sich daraufhin eine Schar Interessierter zusammen, so dass zwei Kleinbusse und noch drei PKWs, gut besetzt, am 6. September so um die Frühstückszeit die Fahrt in Richtung Lahnau aufnahmen. Ein Lob den privaten Sponsoren, Familie Lips, für ihre Kleinbusbereitstellung und -fahrt, sowie für die anteilige Fahrtkostenübernahme der Mitreisenden.

Wir fuhren bei herrlichem Wetter von Mitte Deutschland, nach Mitte Deutschland von Ost nach West, von Thüringen nach Hessen, die rund 230 km. Nach einer schönen Sommerfestteilnahme landeten wir dann wieder vor Einbruch der Dunkelheit wohlbehalten im Geratal.

Das Apfelfest, mit dem Kirchgang am Vormittag gestartet, erwartete uns zur Mittagstunde auf dem Hof des Heimatmuseums, wo das Lahnauer Blasorchester schon fröhlich aufspielte. Das Fest war schon gut angelaufen, an Ausschank und Buden florierte es schon. So konnten wir auf den reservierten Sitzgarnituren inmitten der Menge unseren Platz finden. Ein guter Erbseneintopf stand fürs Volk und Jedermann mit oder ohne Wurst bereit, und wir nahmen die herzliche Einladung gerne und dankend an. Natürlich war dazu auch alles im Angebot, was von dem gepressten Apfelsaft roh oder veredelt oder vergoren möglich war. Und die „Musi“ spielte unermüdlich durch bis zur Kaffestunde um drei.

Nach unserem Eintreffen traten sie gemeinsam ans Mikrofon, der groß gewachsene Lahnauer Bürgermeister Christian Walendius, und unser auch stimmgewaltiger Geraberger Ortsbürgermeister Detlef Bräuning, um die große Gästeschar und die Ehrengäste an diesem herrlichen Sommertag herzlich willkommen zu heißen. Lob und Dank galt den Organisatoren und dem Ehrenamt! Vor allem erfuhr der Gemeinschaftssinn und der gesellschaftliche Zusammenhalt seine wohlverdiente Würdigung und Herausstellung. Es war wohl auch für uns ein Wohlfühlmoment in der Gemeinschaft.

Nur der kleine Teil unseres Reisetrüppchens war schon ein- oder mehrmals in Lahnau, denn schließlich verging ja immerhin schon ein halbes Menschenleben seit der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages. Christian Walendius ist in dieser Zeit ja auch schon der fünfte Lahnauer Bürgermeister im Amt! Am lebendigen Weiterleben dieser Partnerschaft in dieser langen Zeit haben einerseits die regelmäßigen Bauhof- und Feuerwehrbesuche, wie auch der unermüdliche Einsatz des Lahnauer Partnerschaftsbeauftragten Klaus Köger, gewissermaßen als „universaler Geratalkenner“, und zum dritten die häufigen Besuche aus der „Lahnauer Regierung“ zu herausgehobenen Anlässen im Geratal wesentlich beigetragen. Meine eigenen Anteile an der langen freundschaftlichen Verbindung konnte man in so manchen Amtsblättchen nachlesen, gleichsam als „protokollarischen Senf obendrauf.“

Sehr bemerkenswert, dass es unserem jetzigen Ortsbürgermeister Detlef Bräuning gelang, durch seinen aktiven Einsatz in Geraberg dem Partnerschaftsgeschehen wieder Schwung zu verleihen. Sein Streben, die Verbindungen über die Vereine zu beleben, wird an seinem eigenen Beispiel der Sportfischer sehr sichtbar. Und das war beim Fest an den spontanen Einzelbegegnungen nicht zu übersehen.

Auch der von der Masche gefallene Kontaktfaden zwischen Sängern und Sängern wurde wieder aufgenommen, und man versprach beiderseits wohlwollende Prüfung für die Zukunft. Gleiches verabredeten unser „Heimatverein“ mit dem entsprechenden Lahnauer Verein für den Dezemberbesuch hier in Geraberg.

Natürlich war ich als betagter Mitreisender nach langer Besucherpause darüber hoch erfreut, dass man mich aus verschiedenen Richtungen noch namentlich begrüßte. Das erfreute das Herz, auch wie ich mich schon beim Einbiegen nach Lahnau gut und vertraut angekommen fühlte. Na und erst noch die mir dargereichte leckere Buttercremtorte an der schattigen Kaffeetafel der Frauen von der „Sängervereinigung und dem Heimat- und Geschichtsverein“ - ein Schmaus! Für mich fand sich so das Private gut im Kommunalen wieder, im herrlichen Spätsommertag, während nebenan, in Sachsen-Anhalt, an der Wahlurne um Deutschlands Zukunft gerungen wurde.

Auf dem Fest dominierte natürlich das „gesetzte Alter“. Und die Jugend? Auch mitten drin, als emsige Bedienung die Burschenschaft, und, abzulesen am großen T-Shirt-Aufdruck „Mädchenschaft Sonnenschein“. Na, wenn das nichts ist! Ich glaube, als hoch betagter Senior: Ja, wir haben doch noch Zukunft! Das waren meine Gedanken bei der abendlichen Rückfahrt durch die waldreiche hessische Landschaft, wo die Anzahl der Windräder inzwischen zwar deutlich zugenommen hat, aber sie verloren sich angenehm in meinem Bild bei dem Gedanken, was sie uns doch schon für Nutzen gebracht haben und wie unentbehrlich sie uns noch sein werden. Auch das Leder der Schuhe ist am Verschwinden und so tragen heute auch die alten Leute bunte Stoffschuhe - ohne zu murren.

Was für ein schöner Partnerschaftsausflug!

Dr. Klaus Bödrich aus Geraberg