historisch
As stiéht ne aéle Lenge schan baél fenfhönnert Joér,
dr Flaénser es vérgassén an siéne Kennre goér.
De Lenge weel aérzehle üés längst vergangénér Ziét,
an waér se weel verstiéhé én Friehjoér zorr‘e giéht.
En Friehjoér do aérzehlt sé an Abbénd ons dé Maér:
„Es worr e Barsch, a jonger - s’es schaén lange haér -
Dar hoét de Brüét verloésen, es en de wiéte Walt,
an wi é komb nan weddér, do worr sé tuét an kaélt.“
Dr Barsch worr siéhre trüwwérsch an gung alléne nüés,
lugg schtönnelang én Waéle an hièlte seech do üés.
Nochn numb é äéne Lenge an flaénzt so off ehr Groéb,
an hoét g’denkt mät Traénen si häélsch Guét an Hoéb.
Dr Lengebaém es g’woéchsén an bliéhte vaéle Moél,
a és als Fräédénzäéchén erschtaén üés Traénenquoél.
An giéht a jongés Bärschchén én Lenz värrbié bi Nacht,
do rufft’s: „Giéh né vaén Mächné, wi’s gärré hoét g’macht!“
… das Schreiben hat jetzt aber gedauert!
Sicher genauso lange saß vor 92 Jahren unser Großbreitenbacher Dichter Fritz Schlott und verfasste diese zum Nachdenken und Schmunzeln animierenden Zeilen. Die im Gedicht nötig gewordene Pflanze ist im Übrigen noch heute an Ort und Stelle und symbolisiert eines der Wahrzeichen unseres Heimatortes.
Konnten Sie den Text lesen und verstehen? Ja, die Bräétmicher Mundart ist leider sehr in Vergessenheit geraten! Schade eigentlich! Ein längerer Besuch bei unserer Mundartkennerin - der „Otto`s Liesbeth“ - brachte mir einen kleinen Einblick in die Historie unserer Sprache.
Zudem gab es zu einer Vielzahl an alten Fotos unseres Heimatortes Erklärungen zu vergangener Zeit. Wahnsinnig interessant.
Einen riesengroßen Anteil an der Möglichkeit, die Großbreitenbacher Mundart lebendig zu halten hatte unser Bürger Max Nauber! Er verfasste im Jahre 1957 unter Mithilfe seines Freundes Fritz Geilfuß ein „Wörterbuch Bräetmicher Mundart“. Sehr lustig zu lesen, oder „lostch“, hätte man früher gesagt.
Ich zitiere:
„Warum ist unsere Mundart so schwer nachzuahmen und nachzuschreiben? Sie benutzt einen Zwischenlaut, der durch keinen Buchstaben unseres Alphabets gekennzeichnet werden kann.
Wenn man das Wort „säe„ ganz einfach ausspricht und nur das „ä„ betont, dann hört man diesen, einem Seufzer ähnlichen Zwischenlaut am Ende des Wortes. Mundartlich bedeutet dieses Wort aber „sage„, und so hat das Wort „nähe„ nichts mit einer Nähnadel zu tun, sondern es bedeutet „nein„. Im Wörterbuch ist dieser Zwischenlaut durch „é„ kenntlich gemacht.“
Mit dieser Erkenntnis dürfen Sie nun gern Fritz Schlotts` Gedicht noch einmal lesen. Ganz anders, gelle?
Mundartworte wie Trottoar, Hüttsché oder Wäcké sind Ihnen sicher geläufig, aber was ist denn eine Tüwwé, ein Brommert, eine Müwwré und ein Ern?
„Oén lostchstén“ fand ich jedoch die Aufreihung von über 160 Familienspitznamen, die die Zugehörigkeit bei gleichem Zunamen erklärte. Ohne aktuell von betroffenen Familien zu wissen und diese ungewollt anzusprechen, gab es doch solch feine Beinamen wie Hieloorsch, Schtink oder Witschewatsche. Aber auch Mister und Napoleon waren vertreten.
Damit hier nun nicht nur Schriftwerk zu lesen ist, finden Sie im gezeigten historischen Bild den Blick Richtung Johannisturm mit dem damaligen „Gasthaus zur Quelle“ oder beim „Bittél“
Bliébn sé gsönnt!
Dr Bàrrmäéster
Matthias Gruhn