mit großem Schrecken haben wir alle in den vergangenen Tagen die Schreiben zur Jahresverbrauchsabrechnung 2025 sowie zur Berechnung der Vorauszahlungen des TWZV „Hainich“ für das Jahr 2026 erhalten und gelesen.
Die darin enthaltenen Preisänderungen sind erheblich: Die Grundgebühr hat sich verdoppelt, und auch der Verbrauchspreis ist von bislang 1,77 €/m³ auf 3,65 €/m³ mehr als doppelt so hoch angesetzt worden. Viele von Ihnen haben sich daher zu Recht gefragt, ob diese drastischen Erhöhungen wirklich notwendig sind und ob dies tatsächlich ernst gemeint ist.
Leider müssen wir beide Fragen mit Ja beantworten.
Die Telefone in den Gemeindeverwaltungen sowie beim TWZV „Hainich“ haben in den vergangenen Tagen nahezu ununterbrochen geklingelt. Auch eine Vielzahl von E-Mails und Briefen ist bei uns eingegangen. Hierfür haben wir vollstes Verständnis. Bei einer derart drastischen Preiserhöhung sind Nachfragen, Sorgen und auch Unmut mehr als nachvollziehbar. Zur Entlastung des Verbandes und der handelnden Personen möchte ich anmerken, dass die Preiserhöhungen bereits weit im Vorfeld angekündigt und auch medial transparent kommuniziert wurden.
Um einige der aufkommenden Fragen bereits im Vorfeld zu beantworten, möchten wir Ihnen nachfolgend einige Informationen zur Verfügung stellen und damit die Gründe für diesen Preisschritt erläutern.
In der Vergangenheit wurde nur wenig, teils gar nicht, in das Leitungsnetz des Verbandes investiert. Dadurch konnten die Trinkwasserpreise über Jahre hinweg - teils politisch gewollt - niedrig gehalten werden. Die Folge dieser mangelnden Investitionstätigkeit ist ein stark maroder Zustand der Ortsnetze, Fernleitungen und Hochbehälter. Die Kosten für Reparaturen und die Behebung von Havarien haben in den vergangenen beiden Jahren den gesamten Kontostand des Verbandes aufgezehrt.
Anfang des Jahres 2025 gestaltete sich die Personalsituation in der Führungsetage des Verbandes durch Neuwahlen, Rücktritte und das Ende einzelner Arbeitsverhältnisse als äußerst angespannt. Nur durch das Hilfsangebot des TAZV „Notter“, die kaufmännische Betreuung zu übernehmen, konnte die Arbeitsfähigkeit des Verbandes überhaupt aufrechterhalten werden.
Nach erfolgter Einarbeitung in die Zahlen konnte in Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro der Jahresabschluss 2024 erstellt werden. Dieser machte den Ernst der Lage mehr als deutlich, da er einen Jahresfehlbetrag von über 300.000 € ausweist.
Im Laufe des III. Quartals wurde sehr schnell deutlich, dass die Kosten für Reparaturen und Havariebeseitigungen die Einnahmen des Verbandes weit überstiegen. Der Kontostand nahm zusehends ab, sodass der Verband sogar einen Kassenkredit in Anspruch nehmen musste.
Um Einnahmen zu generieren - sei es durch Kredite oder Preiserhöhungen - ist für einen Verband ein bewilligter Haushalt erforderlich. In Zusammenarbeit mit der Kommunalaufsicht des Unstrut-Hainich-Kreises wurde daher im November noch ein Haushalt für das Jahr 2025 aufgestellt, da dies von der ehemaligen Werkleitung und dem damaligen Verbandsvorsitzenden versäumt worden war.
Der Erfolgsplan für 2025 wies ein Defizit in Höhe von 650.000 € für das Jahr 2025 aus. Um zukünftig Darlehen durch die Kommunalaufsicht bewilligt zu bekommen für dringend notwendige Investitionen, ist es zwingende Voraussetzungen einen ausgeglichen Erfolgsplan vorweisen zu können. Aus diesem Grund und weil mittlerweile der bewilligte Kassenkredit nicht mehr ausgereicht hat um alle vorliegenden Rechnungen zu bezahlen, musste der TWZV „Hainich“ eine Fehlbedarfsumlage in Höhe von 650.000 € von seinen Mitgliedsgemeinden erheben. Diese enorme finanzielle Belastung, die in keinem der Gemeindeshaushalte eingeplant war, hat alle Gemeinden vor große Herausforderungen gestellt, ihre dauerhafte Leistungsfähigkeit aufrechterhalten zu können.
Die Fehlbedarfsumlage entspricht 1,60 € pro verkauften m³ Trinkwasser. Vereinfacht gesagt haben die Gemeinden damit die im Jahr 2025 notwendige Preiserhöhung auf 3,37 €/m³ getragen.
Damit eine solche Situation im Folgejahr nicht erneut eintritt und da die ursprüngliche Kalkulation aus dem Jahr 2022 war, wurde eine neue Preiskalkulation vorgenommen. Aus Dieser resultieren die jetzt erhobenen Preise.
So viel zu meinem Versuch, das Zustandekommen des aktuellen Preises zu erklären. Ich hoffe, es ist mir bestmöglich gelungen, die Hintergründe verständlich darzustellen.
Bei den zahlreichen Nachfragen der letzten Tage tauchte immer wieder eine bestimmte Frage auf: Was geschieht mit dem Zeitraum zwischen der Meldung des Zählerstandes und dem 01.01.2026, dem Zeitpunkt, an dem die Preiserhöhung in Kraft tritt? In diesem Zeitraum wurde das Wasser noch zum alten, günstigeren Preis verkauft - und hier haben Sie vollkommen Recht.
Da eine zweite Zählerablesung zum 31.12. praktisch nicht umsetzbar war, wird diese Differenz auf folgende Weise ausgeglichen: Bei der nächsten Jahresverbrauchsabrechnung werden von der verbrauchten Wassermenge 2/12 (für die Monate November und Dezember) zum alten Preis abgerechnet, der Rest dann mit 3,65 € pro m³. Dies stellt eine praktikable und rechtlich einwandfreie Lösung dar, die für alle Seiten akzeptabel sein sollte.
Bei allem verständlichen Unmut bitte ich dennoch um eine freundliche, wertschätzende und professionelle Kommunikation unter allen Beteiligten. Die aktuell handelnden Personen sind nicht für die bisherigen Probleme des Verbandes verantwortlich, sondern für deren Lösung.
Der Verbandsvorsitzende Thomas Golebniak, sein Stellvertreter Florian Bäumlein sowie die Mitarbeitenden des TAZV „Notter“, des TWZV „Hainich“ und der Gemeindeverwaltungen leisten ihre Arbeit gewissenhaft und setzen alles daran, den Verband wieder auf einen stabilen Kurs zu bringen.
Dieser stabile Kurs kann jedoch nicht in angemessener Zeit und auf Dauer im Alleingang erreicht werden. Aus diesem Grund haben die Verbandsräte beider Verbände den Plänen einer Fusion zugestimmt. Nur so können stabile Preise und vor allem ein zuverlässiges Leitungsnetz langfristig gewährleistet werden.
Abschließend möchte ich betonen, dass es sich hier um sauberes, kontrolliertes Trinkwasser handelt, welches rund um die Uhr in Ihr Haus geliefert wird. Dies ist ein sehr wertvolles Gut - vielleicht neben der Freiheit sogar das höchste Gut, das wir täglich nutzen.
Christian Konkel
Geschäftsleiter TAZV „Notter“
Interimswerkleiter TWZV „Hainich“