Olga und Emil Stedefeld, oo 1896
Unser Marktflecken wurde in der viele Jahrhunderte bekannten Geschichte von einer erheblichen Anzahl von Lehn- und Rittergütern mitgestaltet.
Bei Recherchen zur Namensgebung des Ortes wurde anfänglich an große Güter gedacht [so Dr. Köber, 1901-1967], doch der Name Großengottern lässt sich nicht mit großen Gütern für die Namensgebung in Verbindung bringen, zumal es mehrere Güter gab, an der Zahl, sieben, deren Grundfläche nicht so groß war wie in anderen Orten - in denen meist nur ein oder zwei dieser „Guts-Barone" ansässig waren.
Das bisherige Wissen zu den Gütern in Großengottern basiert vorwiegend auf Überlieferungen und den Recherchen aus den Kirchenbüchern, die besonders Otto Matthies in seiner Schrift „Geschichte der früheren Güter in Großengottern …" publizierte.[1] Es gibt in heimischen Archiven kaum Akten zu den in Großengottern früher ansässigen Rittergütern (Stadtarchiv Bad Langensalza - GG gehörte in alter Zeit bis zum Jahr 1953 zum Amt/ Kreis Langensalza, und das Archiv vom Landratsamt Mühlhausen, dort befindet sich auch das ehemalige Gemeindearchiv Großengotterns).
Als mit den Recherchen zur Neuauflage der Häuserchronik im vergangenem Jahr begonnen wurde, musste wieder Kontakt mit dem Staatsarchiv Wernigerode genommen werden, wie schon vor einem viertel Jahrhundert für die Erstauflage der HC.
Hierbei stellte sich heraus, dass im selbigen Archiv ein bisher unbekannter und demzufolge noch nicht zu Recherchen genutzter Bestand von rund 60 Aktenordnern über die Gotterschen Güter vorhanden sind! Ein fast unüberschaubarer Bestand!!!
Das bedeutet die Geschichte der Güter des Marktfleckens Großengottern/ Bischofsgottern kann und muss neu geschrieben werden, um die zu gewinnenden Erkenntnisse der bisher unbekannten Akten, mit den bisherigen Kenntnisse zu erhärten bzw. neue Kenntnisse hinzufügen bzw. revidieren.
Was die Häuserchronik betrifft, das Manuskript von Artur Görlach von 1938 bezieht sich nur auf die Häuser von Großengottern und weist die Gebäude der ehemaligen Güter erst mit der Eingemeindung der vorher selbständigen Gutsbezirke auf. So haben diese Gebäude in der Häuserchronik ihren Anfang erst im 19. Jahrhundert (s. u. a. Lfd. Nr. 30, 31 [Wahlgut], 298 [Berlepsches Gütlein], 307 u. 340 [Seebachsche Backhäuser], 426 [Jahnus/ Müllerisches Gut], …, …).[2]
Angaben zu den Gütern in der Publikation von 1999 wurden vom Herausgeber zusätzlich mit einbezogen und stütze sich auf unterschiedlichste Quellen die in den Anmerkungen benannt sind.
Für die Zweitauflage der HC, deren Bearbeitung dem Ende zugeht und nur noch auf die Angaben der restlichen Hauseigentümer wartet, sind zusätzlich die Angaben zu den Gottorfschen Rittergütern einbezogen, die Dr. Köber in seinem Manuskript aufgezeichnet hat.
Das letzte offiziell vorhandene Rittergut von den ursprünglich sieben Gütern, war das „im Schloss", auch Hornhardtsches Rittergut genannt, dessen Restaurierung durch die Gemeinde und den damaligen Förderverein mit dem langjährigem verdienstvollen Bürgermeister Thomas Karnofka an der Spitze, zu einem besonderen kulturellem Kleinod des Ortes geworden ist.
Die letzten Eigentümer des als Rittergut bezeichneten Objektes waren Emil Stedefeld und Frau Olga, geb. Schröder, die Eigentümer des Hornhadtschen Ritterguts (Lfd. Nr. 188 der HC) und des Schloßgartens.
Ein schönes historisches Bild dieses Paares konnte in die Neuauflage mit einbezogen werden.
Der Bearbeiter der HC (unten Unterzeichneter) kannte die auf dem Bild junge hübsche „Rittergutsbesitzerin" Frau Olga Stedefeld, aus den 50er Jahren d. v. Jh., als alte Dame.[3] Frau Olga Stedefeld, ist als Mäzen der St. Martini-Kirche bekannt (Stifterin der Bleiglasfenster im Altarraum), wie auch ihr einziger Sohn, Hugo Stedefeld, der kinderlos in den USA als Arzt verstarb (Fort Lauterdale/Florida) und einen Teil seines monetären Nachlasses der St. Martini-Kirche hinterließ.
Hugo Stedefeld studierte als junger Mann Medizin und ging in den 20er-Jahren nach Yokohama/Japan. Seine Reise dorthin ging auf dem Landweg mit der Transsibirischen Eisenbahn, er benötigte damals für die Eisenbahnfahrt von Deutschland über Moskau nach Wladiwostok ca. zwei Wochen.
Um nochmal auf die Neuauflage der Häuserchronik zu sprechen zu kommen.
Im Wesentlichen sind die Recherchen abgeschlossen, es fehlen noch viele Angaben der derzeitigen Hauseigentümer.
Einen Teil der ausgefüllten Fragebögen sind beim Bearbeiter durch Post und Email dankend eingegangen und auch dankend beantwortet worden. Auch die Abgabe der Fragebögen bei der Gemeinde oder direkt bei Herrn Thomas Schneider erfolgte komplikationslos und wurde freudig im Manuskript vermerkt.
Ich bitte nochmals
alle die sich an der „Aktion HC" beteiligen möchten
und den Fragebogen noch nicht ausgefüllt haben, dies zu tun und auf irgendeinem der Wege (Post, Mail, Gemeinde) zu mir kommen zu lassen.
Bitte geben Sie nach Möglichkeit auch das Jahr der Besitzübergaben an.
Mit herzlichen Grüßen
Euer Gotterscher Gemeindehistoriker PJK
| [1] | Siehe dazu Beiträge zur Chronik von GG, Bd. VIII. |
| [2] | Mit dem endgültigen Übergang des Amtes Langensalza zum Königreich Preußen 1818 (nach dem Wiener Kongress) gab es eine Neuordnung in der Verwaltung und die bisherige Gerichtbarkeit, die bisher in einigen Fällen beim Gutsherrn lag (in GG nicht), ging die Gerichtbarkeit und Justiz an das Amt Langensalza über. |
| [3] | Seine Beiträge zur Chronik von GG, Bd. V. S.156. |