Blick vom Ende der Oststraße in Richtung West, zur einstigen östlichen Ortsgrenze
Der Hoeg war und ist ein beachtenswert markanter Teil der Gemarkung von Großengottern, der auch die Bezeichnung Hopfenberg trägt, dessen Name wiederum auf die frühere Bedeutung des Anbaus von Hopfen für die heimische Brautradition in dieser besonderen Feldmark hinweist.[1]
Ursprünglich bis vor wenigen Jahrzehnten ein Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, heute z.T. mit Neubauten als neuer Ortsteil am östlichen Dorfrand, dem Wohnbaugebiet „Am Hoeg“, als feine neue Wohngegend, nach der friedlichen Revolution dem Ende der deutschen Teilung ab 1997 aus dem Boden gewachsen. Es entstanden die „Oststraße“ [31 Bauplätze], die „Kroisbacher Straße“ [10 Bp.], die „Hohe Wende“ [25 Bp.] und „Zum Hopfenberg“ [21 Bp.], mit fast 90 ursprünglich geplanten Baugrundstücken, die in den letzten 20 Jahren den neuen ansehnlichen Ortsteil entstehen ließ.
Das besondere eines Hoegs; in vielen Gemarkungen unserer Heimat findet man sie, in Gebieten von den Hörselbergen bei Eisenach, bis über Halle an der Saale, weit über den Thüringer Raum hinaus.
Es handelt sich dabei meist um den höchsten Punkt, besser, den höchsten breitflächigen Hügel, wie er auch in unserer Gemarkung lang ausdehnend, leicht ansteigend gegen Norden, und am höchsten Punkt, steil abfallend. Bei uns in die flache Unstrut-Aue, plötzlich endend.
Am nördlichen Fuß des Hoegs fließt der Stetten, ein künstlicher Wasserlauf (ein Graben), der das Wasser einiger Quellen der Unstrut-Niederung der Gotterschen Flurteile Landwehr und Baumgarten, seit Urzeiten sammelt und in dem Suthbach der Unstrut zufließt.
Der Hoeg hatte in der vorgeschichtlichen Zeit, vor der Christianisierung eine besondere Bedeutung, oft eine Dingstätte oder ähnliches und soll durch Menschenhand gestaltet worden sein.
Über den Hoeg zu Großengottern findet man in der Schützchronik[2] zwei Erwähnungen, die eine im Zusammenhang mit der Christianisierung Thüringens durch Bonifacius im 8. Jahrhundert und hier gibt es wieder die Verbindung von Bonifacius zur Heiligen Walpurga, der Schutzheiligen unserer oberen Kirche, auf die aber in diesem Zusammenhang nicht tiefer einzugehen ist.[3] Doch soll der Chronist H. Schütz zum Hoeg zitiert werden:
„In jener Zeit wurde das Bistum Erfurt und das Kloster Ohrdruf als Mittelpunkt des Bekehrungswerkes des Volkes zum Christentum gegründet und sollen die sogenannten Höks, die man im ganzen Lande vom Hörselberg und Hainich im Südwesten bis zur Goldenen Aue und bis in die Gegend von Halle fast in jeder Flur, meist unweit der Dorfgrenze, findet, einst heidnische Opferstätten gewesen sein; auch unser „Hök“ gehört hierzu. Als Zeit der Einführung des Christentums wird das Jahr 736 (vor seiner [Bonifacius]dritten Reise nach Rom) angenommen.
Für eine kulturgeschichtliche Erforschung der Urbewohner des Landes dürften diese meist künstlichen Erdhügel kostbares Material darbieten.“[4]
Spätestens beim Lesen des letzten Satzes müssten alle die eine Baustelle am Hoeg haben aufhorchen und das Ausheben ihrer Baustelle besonders beobachten ob Funde an Steinen, Knochen, Scherben und ähnlichem historisch interessant sein können.
Es ist zu vermuten, dass durch das Thüringer Landesamt für Denkmalschutz oder eine ähnliche Behörde dieser Sachverhalt vor Beginn der Bauarbeiten eine Rolle spielte und beachtet wurde, bin aber nicht informiert ob es Funde gab.
Da wäre gleich die Frage an die einstigen Bauwerber am Hoeg anzuschließen. Gab es dazu archäologische Funde? Es sollte in die Neuauflage der HC mit einbezogen werden!
Die andere Erwähnung des Hoegs in der Schützchronik bezieht sich auf den Standort im Zusammenhang mit dem Anschluss des Amtes Langensalza an das Königreich Preußen am 3. August 1815 mit der Huldigung, und dem Friedensfest vom 16. Januar 1816.[5] Dazu verzeichnet H. Schütz:
„Abends waren mehrere Häuser erleuchtet, auf der Waidmühle zwei Pechfackeln und auf dem Höke Freudenfeuer angezündet und dauerte die Festlichkeit bis spät in die Nacht.“[6]
Wissenschaftliche Recherchen zu Ursprung und Geschichte der Hoegs scheinen bisher nicht tiefgründig erfolgt zu sein. Eine Netzabfrage ergab nicht allzu viel, nicht mehr als Schütz es für den Gotterschen Hoeg in seinen Aufzeichnungen hinterlassen hat.
Eine Zusammenfassung aus den Angaben der Netzrecherche besagt vereinfacht, es handelt sich bei den einzelnen Flurbezeichnungen mit der Angabe Hoeg „meist [um] markante topographische Erhebungen, Hügel oder Kuppen“.
Auch die einschlägige Literatur zur Thüringer Geschichte sagt wenig aus, weder bei Ernst Kaiser[7] noch bei Martin Wähler[8] taucht der Begriff Hoeg u.ä. auf.
Für den Unstrut Hainich Kreis werden Haussömmern nachgewiesen, „wobei letzterer oft als Dingstätte (altem Gerichtsplatz) gedeutet wird“ wie auch Westerengel, dort ist "Der Hök" als „Grabhügel … verzeichnet“.
Schön wäre es, zur Gestaltung der Häuserchronik für die Immobilien des Wohnbaugebiets „Am Hoeg“ interessante Informationen zum Hausbau einfügen zu können, die vielleicht auch besondere Funde des Bauaushubs aufzeigen.
Der Schreiber dieser Zeilen war als Schuljunge selbst Zeuge, als 1955 beim Bauaushub der heutigen Immobilie -Am Hoeg Nr. 6- mehrere Höckergräber aus der frühen Bronzezeit (etwa 3500 Jahre alt) gefunden wurden, die Gegenstand historischer Untersuchungen wurden mit wissenschaftlicher Dokumentation.[9]
Da bittet und appelliert der Bearbeiter und Gemeindehistoriker an eventuell „FÜNDIGE“ um Zusendungen von Informationen zu solchen archäologischen Funden.
Und nochmal die Bitte:
Jeder der noch keine Angaben zu seiner Immobilie getätigt hat, sollte die gewünschten Angaben noch senden, bzw. beim Bürgermeister abgeben.
Je mehr heutige Eigentümer sich beteiligen, um so aussagekräftiger wird die HÄUSERCHRONIK für nachfolgende Generationen über unsere Zeit hinaus!
Der Redaktionsschluss (10. Mai) rückt immer näher. An diesem Tag endet auch die Vorbestellung der Häuserchronik zum Subskriptionspreis von 44,50 €uro.
Bücher ohne Vorbestellung (in geringer Zahl) werden für 49,50 € abgegeben.
Aus Kostengründen können nicht viel mehr Bücher gedruckt werden als Vorbestellungen vorliegen. Nur die Vorbestellung sichert ein Buch zu erwerben!
Das Buch wird ca. 380 Seiten umfassen, von denen etwa 270 Seiten farbig gestaltet sind mit über 310 Bildern (farbig und s/w). Die Fülle der farbigen Seiten, die den Druckpreis erheblich nach oben drückten, ergab sich durch teilweise farbige Schrift (neben schwarz auch rot und blau) zur besonderen Kennzeichnung unterschiedlicher Merkmale der Daten und Informationen.
Weitere Mitteilungen zur HC erfolgen zu gegebener Zeit. Wenn alles so verläuft wie es die Planung vorsieht, wird die Neuauflage zum 360. Jahrmarktfest vorliegen und zu einem noch zu bestimmenden Termin in der Woche vor Jahrmarkt an die Interessenten kommen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr/ Euer Gotterscher Gemeindehistoriker
Peter Klippstein,
99096 Erfurt, Herderstr. 35
| [1] | Großengottern/ Bischofsgottern hatte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Brauhaus (siehe Lfd. Nr. 122 der HC), mit einem von der Gemeinde beauftragtem Braumeister, in dem die Hauseigentümer ihr eigenes Bier brauten, das auch zum Verkauf angeboten werden konnte. |
| [2] | Schütz, H.: Zur Geschichte des Kreises Langensalza, Beitrag zur Heimatgeschichte, Heft 5 GG, Langensalza um 1933 (kurz- Schützchronik) |
| [3] | Mehr dazu im Zusammenhang mit Walpurgas Reise nach Thüringen durch den Hainich und zur Kirche St. W. zu GG. Der Walpurgistag, der 1. Mai, war ein besonderer Tag unserer Vorfahren, ein Feier- und Gerichtstag von besonderer Bedeutung. Einer der wichtigsten Tage im Jahresablauf. |
| [4] | Schützchronik S. 447. |
| [5] | Das Amt Langensalza, wurde, wie weitere Ämter des Thüringer Kreises des Königreichs Sachsen nach dem Wiener Kongress als Regierungsbezirk Erfurt dem Königreich Preußen eingegliedert. Diese Zuordnung zu Preußen endete im Sommer 1944 mit der Angliederung zum Land Thüringen, das schon 1920 gegründet wurde. |
| [6] | Schützchronik S. 322. (Die Kuppe des Hoegs könnte als vortrefflicher Platz für die allerorts wieder zur Tradition werdenden Osterfeuer genutzt werden, das wäre eine Stelle die leuchtend weit über GG von anderen Orten sichtbar wäre). |
| [7] | Kaiser, Ernst (*1885, +1961): Landeskunde von Thüringen, Erfurt 1933. |
| [8] | Wähler, Martin (*1889, +1953): Thüringische Volkskunde, Jena 1940. |
| [9] | Das Skelett einer männlichen Person im Alter von ca. 40 Jahren wurde am 14.09.1955 bei Bauarbeiten am Hoeg, auf der Baustelle von Armin Hoffmann, heute „Am Hoeg“, Haus-Nr. 6 gefunden (vier Hockergräber insgesamt) also eine Begräbnisstätte. |