sicherlich haben Sie gestern die Sirenen gehört. Anlass dafür war der bundesweite Warntag, an dem in ganz Deutschland die verschiedenen Warnsysteme für den Ernstfall erprobt wurden. Neben den Sirenen gehören dazu unter anderem Cell Broadcast, Radio und Fernsehen sowie die Warn-Apps NINA und KATWARN.
Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen eine solche Warn-App bereits auf dem Smartphone. Wie wichtig diese digitalen Warnmöglichkeiten auch für uns hier vor Ort sein können, haben Ereignisse in unserer Region in der jüngeren Vergangenheit mehrfach gezeigt: Beim großen Waldbrand in Illingen wurde die Bevölkerung beispielsweise über NINA und KATWARN vor der starken Rauchentwicklung gewarnt und dazu aufgefordert, das Waldgebiet weiträumig zu meiden. Auch als davor Rauchschwaden eines Brandereignisses in Belgien bis ins Saarland zogen, wurden über die Warnsysteme Informationen und konkrete Verhaltensempfehlungen verbreitet - etwa vorsorglich Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch bei größeren Bränden und anderen örtlichen Gefahrenlagen können solche Warnungen innerhalb kurzer Zeit wichtige Informationen direkt auf das Smartphone bringen.
Ich möchte Ihnen deshalb ans Herz legen, sich mit den verschiedenen Warnmöglichkeiten vertraut zu machen. Warn-Apps wie NINA und KATWARN können beispielsweise frühzeitig über Gefahrenlagen informieren und wichtige Verhaltensempfehlungen geben. Auch Cell Broadcast ermöglicht Warnmeldungen direkt auf geeignete Mobiltelefone, ohne dass dafür eine App installiert werden muss. Gleichzeitig bleiben Sirenen, Rundfunk und weitere Informationswege wichtige Bestandteile eines möglichst breit aufgestellten Warnsystems. Denn gerade in einer Krisensituation dürfen wir uns nicht auf einen einzigen Kommunikationsweg verlassen.
Vorsorge bedeutet aber nicht nur, die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. Eine Kommune muss im Krisenfall auch selbst handlungsfähig bleiben.
Genau damit haben wir uns bereits am Montag im Rahmen einer Fortbildung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur zivilen Verteidigung und zum Krisenmanagement beschäftigt. Solche Fortbildungen helfen uns dabei, bestehende Abläufe zu hinterfragen, Verantwortlichkeiten zu schärfen und uns auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten. Dabei geht es nicht darum, Ängste zu schüren, sondern darum, vorbereitet zu sein. Eine handlungsfähige Verwaltung und klare Strukturen sind wesentliche Bausteine eines funktionierenden Bevölkerungsschutzes.
Krisen können ganz unterschiedliche Ursachen haben: Naturereignisse, länger andauernde Stromausfälle, der Ausfall wichtiger Infrastruktur oder andere außergewöhnliche Lagen. Für uns als Gemeindeverwaltung stellt sich dabei immer die Frage: Wie können wir auch unter schwierigen Bedingungen unsere Aufgaben erfüllen? Wie funktionieren Kommunikation und Entscheidungswege? Welche Strukturen müssen vorbereitet sein, damit im Ernstfall schnell und koordiniert gehandelt werden kann?
Die Fortbildung war deshalb eine wichtige Gelegenheit, sich intensiv mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, bestehende Strukturen zu betrachten und den Blick dafür zu schärfen, wo weitere Vorbereitungen notwendig sind. Gute Krisenvorsorge beginnt lange bevor eine Krise eintritt.
Wie konkret Vorsorge auf kommunaler Ebene aussehen kann, zeigte sich ebenfalls am gestrigen Donnerstag. Am Abend fand in der Lindenstube Stennweiler unser interaktiver Workshop zur Starkregen- und Hochwasservorsorge statt.
Extremwetterereignisse können auch Schiffweiler treffen. Deshalb arbeiten wir bereits seit längerer Zeit daran, mögliche Gefahrenstellen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu entwickeln.
Nach dem Auftakt im September vergangenen Jahres wurden erste Ergebnisse bei gemeinsamen Ortsbegehungen überprüft und anschließend überarbeitet. Beim Workshop in der Lindenstube Stennweiler wurden nun die Modellergebnisse und Starkregengefahrenkarten vorgestellt. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ging es anschließend in die konkrete Arbeit: Risiken wurden anhand der Karten diskutiert und in Ortsteil-Gruppen mögliche Maßnahmen und Lösungsansätze erarbeitet. Neben baulichen und konzeptionellen Möglichkeiten spielte dabei auch der Bevölkerungsschutz eine wichtige Rolle. Fachlich begleitet wurde der Abend durch die Fichtner Water & Transportation GmbH.
Für mich ist diese Beteiligung besonders wichtig. Die Menschen vor Ort kennen ihre Straßen, Grundstücke und ihr unmittelbares Umfeld oftmals am besten. Dieses Wissen mit der fachlichen Analyse zusammenzubringen, ist eine wichtige Grundlage dafür, sinnvolle und möglichst wirksame Maßnahmen zu entwickeln.
Der Warntag, die Fortbildung zum Krisenmanagement und unser Starkregen-Workshop haben in dieser Woche auf ganz unterschiedliche Weise dasselbe Thema in den Mittelpunkt gerückt: vorbereitet zu sein.
Wir können nicht verhindern, dass außergewöhnliche Situationen oder Extremwetterereignisse eintreten. Aber wir können uns damit beschäftigen, bevor sie eintreten. Wir können Warnwege kennen, Abläufe vorbereiten, mögliche Schwachstellen erkennen und gemeinsam daran arbeiten, Risiken zu reduzieren.
Denn gute Vorsorge schafft im Ernstfall etwas ganz Entscheidendes: die Fähigkeit, besonnen und handlungsfähig zu bleiben.