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Hermsdorfer Amtsblatt
Ausgabe 12/2018
Nichtamtlicher Teil (NaT)
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Ev.-Luth. Kirchgemeinde Hermsdorf

Ein Mosaikstein der Kirchenmusik - Rückblick auf die 34. Musikalische Woche der St.-Salvator-Kirche Hermsdorf

„Alle Jahre wieder“ - so beginnt ein Weihnachtslied, so auch mit der Musikalischen Woche der Advent als eine Zeit der Vorbereitung, der Erwartung auf das Weihnachtsfest und zugleich der Beginn eines neuen Kirchenjahres.

Auch in diesem Jahr wurde die traditionelle Musikalische Woche in der St.-Salvator-Kirche wiederum zu einem Erlebnis der besonderen Art für alle, die sich für kirchenmusikalische Darbietungen interessieren. Der Bogen spannte sich von der Vokalmusik mit dem Männerensemble „Octavians“ aus Jena zur Einstimmung auf den Advent hin zum festlichen Abschlusskonzert am Vorabend des zweiten Adventes. Dazwischen lagen Veranstaltungen und Zusammenkünfte, die für Viele etwas boten und in denen über allem die Atmosphäre der vorweihnachtlichen Tage lag.

Mit den „Octavians“ war ein Ensemble allererster Güte zu erleben. Sie gehören zu den bekanntesten Vokalensembles Deutschlands, sind mehrfacher Preisträger und national wie international viel unterwegs. Für Heiterkeit sorgte in einer Moderationspause diese Äußerung eines der Sänger: sie wüssten nicht, warum sie so lange immer an Hermsdorf vorbei gefahren seien, wo doch ein so interessantes Publikum zu erleben sei! - Gibt es da vielleicht einmal ein Wiedersehen und Wiederhören?

Mit ihrem Programm „Ein Stern geht auf“ war es eine gelungene Einstimmung auf die Musikalische Woche, vor allem in den Advent.

Die Homogenität der Stimmen - davon allein drei Countertenöre (Männerstimmen in Alt- bis zur Sopranstimmlage) - boten Klangerlebnisse, die besonders die weihnachtlichen Lieder in stimmungsvoller Brillanz die Zuhörer erreichten. Begeisterter Beifall mit Zugabe beschloss diesen Abend.

Stimmungsvoll ging es zum Weihnachtsliedersingen am Mittwoch zu. Die Veeh-Harfen-Gruppe mit Conny Will an der Spitze, zauberten mit ihrem Saitenspiel Klänge des Adventes und der Weihnacht in den Raum – nicht nur als solistische Darbietung, vielmehr als Begleitung des gemeinsamen Gesanges.

Der Donnerstagnachmittag war wiederum reserviert für das Kindertheater. Das Ehepaar Möbus aus Berlin interpretierte auf ihre Weise das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“.

Stimmung pur bei der sehr gut besuchten Aufführung. Langes Anstehen vor dem Einlass hat es wohl in dieser Form noch nicht gegeben.

Mit Spannung verfolgten die vielen Kinder die Abenteuer der kleinen Nixe. Offensichtlich saß auch ein ganz fachkundiges Mädchen mit im Raum, die das Märchen bis ins Detail kennt. Ihre Äußerung „Ist doch alles Quatsch!“ mitten hinein in die Stille, sorgte für allgemeine Heiterkeit bei Klein und Groß.

Freitagabend: er war auch diesmal reserviert für Matthias Eisenberg mit seiner Interpretation von Orgelwerken, insbesonders seiner Improvisationen zu Weihnachts-liedern.

Every Zabel bei seinem Dankeschön: „Lieber Matthias, es ist schon erstaunlich, was du aus meiner Orgel rausholst!“ Und das war nicht ohne, denn bis zum Ausklang der Zugabe hat er mit vollem Einsatz und seines vitalen Tastendruckes alle Facetten des Instrumentes ausgereizt. Ein ganz tolles Klangerlebnis. Der lang anhaltende Beifall war wohl der beste Beweis.

„Uns ist ein Kind geboren“, so die Überschrift zum festlichen Abschlusskonzert am Samstagabend. Every Zabel ließ Komponisten vom 17. bis ins 21. Jahrhundert zu Wort kommen: Händel, Bach, Praetorius, Gounod, Christian Scheel sowie Jacob de Haan waren mit Werken von ihnen zugegen.

Ein besonderes Erlebnis war die Premiere, sozusagen eine Welturaufführung, von „König mild vertreibt die Finsternis“ von Christian Scheel (*1981). Every Zabel bat ihn einmal, eine Komposition zu schreiben, in dem die beiden sehr bekannten Lieder „Tochter Zion“ und „Es ist ein Ros entsprungen“ miteinander verwoben sind. Dazu u.a. Every Zabel: „…Für den Chor dienten die bekannten Sätze von Händel und Praetorius als Vorlage. Beteiligt sein sollten die vier Gesangssolisten und im Orchester 2 Flöten, 2 Oboen, Fagott, Trompete, Streicher und Orgel. Heute erklingt zum ersten Mal das Stück „König mild vertreibt die Finsternis“. Den Namen hat es aus der 3. Strophe von „Tochter Zion“ in der es heißt: „Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!“ und der 3. Strophe von „Es ist ein Ros entsprungen“ wo es lautet: „Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine vertreibt's die Finsternis“. Grandios das Ergebnis!

Eine weitere Premiere gab es an diesem Abend: ein Projektorchester der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar bildete erstmals die instrumentale Basis für die Solisten und dem Ökumenischen Chor Hermsdorf. „Und das ist schön“ - so Johannes Franck, Pfarrer i.R., in seiner Begrüßung.

Es war ein sehr gelungenes Zusammenspiel. Die Solisten aus Leipzig und Dresden, Teresa Suschke-Kaden, Sopran, Monika Zens, Alt, Oliver Kaden, Tenor, Georg Finger, Bass, waren schon oft in Hermsdorf und interpretierten ihre Parts gefühlvoll mit Können. Mit dem „Benedictus“ von Jacob de Haan wurde an das Festkonzert zum 40-jährigen Jubiläum des Ökumenischen Chores im vergangenen Mai erinnert.

Das Lied „Tochter Zion“ als zweite Zugabe beendete das bemerkenswerte Konzert mit einer Vielzahl von Akteuren, nämlich den Zuhörern in der übervollen Kirche, die mit ihrem Gesang einen großen gemeinsamen Chor bildeten.

Es war eine sehr gute Leistung von Every Zabel mit dem Abschlusskonzert, wussten doch Manche, dass er mit dem Wissen einer bevorstehenden wichtigen Operation trotzdem auf das Dirigentenpodest gestiegen ist. Alles Gute für Ihn - und „Danke!“

Der Kenner der Musikalischen Wochen wird vielleicht eine Rubrik vermissen, die stets mit Bestandteil von Angeboten war: die „Geselligen (Senioren)Tänze zur Weihnachtszeit“ im Rathaus. Ganz einfach: in diesem Jahr gab es mit dem 25-jährigen Bestehen vom Arbeitskreis Seniorentanz „Hermsdorfer Kreuz“ einen Grund zum Feiern, nämlich mit einem Tanzfest bereits schon am 30. November (siehe auch nebenstehenden Beitrag) Herzlichen Glückwunsch!

Ludwig Krafczyk

(Fotos & Text)