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Hermsdorfer Amtsblatt
Ausgabe 4/2021
Nichtamtlicher Teil
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Verein für Regional- und Technikgeschichte e.V. Hermsdorf

Bild: Telegraphen-Isolator vom Bürgeler „Esel“ (Foto W. Böttger)

Langstabisolatoren, ausgestellt zur Messe 1951

Piezo Aerosolerzeuger, Hescho 1951

Ein wahrlich „königlicher“ Fund

Kürzlich entdeckte unser Vereinsmitglied Dr. Dieter Grützmann in Stadtroda eingangs der Weihertalstraße auf einem Schutthaufen einen wohlbehaltenen Telegraphen-Isolator vom Typ RM 2 (Reichs-Modell), gemarkt mit einem blauen Zepter in Unterglasur. Mit dieser Marke ist das Objekt eindeutig der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin zuzuordnen, und zwar mit dem Kopfzeichen „N“ dem Produktionsjahr 1913. War es doch die KPM, die 1849 auf Anforderung der Telegraphenbauanstalt Siemens & Halske den ersten Porzellanisolator für die Telegraphie überhaupt schuf und auch in seiner Weiterentwicklung produzierte. Erst ab 1866 war es dann der damals in Berlin ansässigen Manufaktur von H. Schomburg & Söhne erlaubt, als privates Unternehmen ins „Porzellanisolatoren-Geschäft“ einzusteigen. Mit der Reichsgründung 1871 wurden dann diese Telegraphenisolatoren in drei verschiedenen Größen (RM 1-3) verbindlich im Deutschen Reich eingeführt. In dieses Geschäft trat die Porzellanfabrik Hermsdorf-Klosterlausnitz bekanntlich erst ab 1892 ein.

Von regionalem Interesse ist nun der Fakt, dass im vergangenen Jahr ein befreundete Jenaer Isolatorensammler an der ehemaligen Bahnstrecke des „Esel“ westlich Bürgel einen ebensolchen Isolator, jedoch Größe RM 1, fand, der mit grünem Ring der Telegraphenlinie der Deutschen Reichsbahn zuzuordnen ist und mit blauem Zepter und Kopfzeichen „K“ eindeutig auf das Produktionsjahr 1910 der KPM hinweist (Bild).

Diese beiden wertvollen Funde sind ein anschaulicher Beleg dafür, dass renommierte Geschirrporzellan-Produzenten je nach Auftragslage in ihrem traditionellen Geschäft zeitweise auch Isolatoren und andere keramische Isolationsmaterialien fertigten, nicht zuletzt auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen, denn mit diesem Sortiment an kleinteiliger Ware war eine bessere Ausnutzung des Ofenraumes gewährleistet.

Fazit: derartige Funde sind stumme Zeugen einer vergangenen industriellen Entwicklung, die es zu bewahren gilt - unser Verein sieht sich diesem Anliegen seit 30 Jahren verpflichtet.

Friedmar Kerbe