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Hermsdorfer Amtsblatt
Ausgabe 5/2021
Nichtamtlicher Teil
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Verein für Regional- und Technikgeschichte e.V. Hermsdorf

Karl Krahl (16. Mai 1921 - 27. November 1995)

Verleihung der Ehrendoktor-Würde am 23. März 1982 durch den Rektor der TH Ilmenau (Bilder: Kerbe privat)

Karl Krahl zum 100. Geburtstag

Er kam 1947 aus dem Sudetenland nach Hermsdorf - Keram.-Ing. Karl Krahl, Absolvent der „Deutschen Staatsfachschule für Keramik und verwandte Kunstgewerbe“ in Teplitz-Schönau, einer der weltweit ältesten Keramik-Fachschulen. In seinem fast 20-jährigen Wirken in den Keramischen Werken Hermsdorf prägte er nachhaltig das Werk und den Ort. Aufsteigend vom Laborleiter, „Hauptkeramiker“, Technischen Direktor und gleichzeitig erstem Stellvertreter des Werkleiters KWH initiierte Karl Krahl „Großprojekte“, zu denen die Großstück-Strangpresse VP 1600, die KME-3-Taktstraße als Startbasis der Hermsdorfer Mikroelektronik, die Gründung des Betriebes Sintermetalle, die Fertigungsaufnahme der Ferrite, das Hochspannungs-Freiluft-Versuchsfeld und die Gründung der Ingenieurschule für Keramik in Hermsdorf zählen. Dabei bestimmte er den beruflichen Werdegang von so manchem Jungingenieur.

Und Karl Krahl konnte Mitarbeiter mobilisieren, was sich besonders beim Projekt „DOC“ (Dokumentation of China) zeigte. Es stand die Aufgabe von Projektierung, Aufbau und Inbetriebnahme einer Fabrik für Kondensatoren und Ferrite in der Volksrepublik China. Von den Ingenieuren bis hin zu den Schreibkräften wurde im zweiten Arbeitsverhältnis das Projekt erfolgreich gestemmt und vor Ort realisiert.

Ab 1965 für ca. 3 Jahre als Werkdirektor des Halbleiterwerks Frankfurt/Oder übernahm K. Krahl 1968 das Direktorat des VE Wissenschaflich-Technischer Betrieb Keramik in Meißen (WTK). Und auch hier galt es ein Großprojekt zu bewältigen: erstmals in der DDR mit dem VEB Porzellanfabrik „Graf Henneberg“ Ilmenau einen Porzellanbetrieb mit einem durchgängigen technologischen Konzept bei weitestgehender Automatisierung zu realisieren.

Für eine würdige Anerkennung seines Schaffens stehen besonders die Berufung in den Forschungsrat der DDR (1962-1967), eine Ehrung mit dem Nationalpreis der DDR und schließlich 1982 die Verleihung eines Dr.-Ing. e.h. durch die Technische Universität Ilmenau.

Karl Krahl - eine Lebensgeschichte, „die doch nicht länger lebt als der Letzte, der sich ihrer noch erinnert!“ Und wenn in Hermsdorf noch Zeitzeugen beim Überschreiten der Eisenbahnbrücke in der Naumburger Straße sich der „Krahls-Schlucht“ bewusst werden, dann zeugt das von einem dankbaren Erinnern an „Karlchen“ Krahl - eine Erinnerung, die wachzuhalten Verpflichtung unseres Vereins sei!

Friedmar Kerbe