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Hermsdorfer Amtsblatt
Ausgabe 7/2020
Nichtamtlicher Teil (NaT)
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Aus dem Stadtarchiv Hermsdorf

Wir möchten weiter aus dem Ereignisbericht von Herrn Wolfgang Hühn zum 75. Jahrestages zum Kriegsende berichten. Nachfolgend einige Auszüge:

„Im Jahr 1945 kamen die ersten Flüchtlinge nach Hermsdorf, es waren wohl überwiegend Breslauer. Bereits 2-3 Jahre vorher kamen Kinder von Verwandten von Hermsdorf nach hier, wohnten bei ihnen und besuchten die Schule. Es waren Kinder meist aus dem Ruhrgebiet, auch Saargebiet und Norddeutschland.“

„So kamen die März- und Apriltage heran, die wohl schwersten Tage für Hermsdorf in seiner Geschichte.“

„Die sogenannte Flugtätigkeit um Hermsdorf herum - sicher auch wegen des Autobahnkreuzes und den total veränderten Frontlagen - nahm immer mehr zu und wurde in den letzten Märztagen schließlich zu einer ewigen Plage für die Einwohner. Die sogenannten Tiefflieger hatten Hermsdorf und Umgebung zu einem Hauptfluggebiet gemacht. So erlebten die Hermsdorfer und hier besonders die Bewohner der Kirchenholzsiedlung den ersten Tieffliegerangriff. Ob wohl - wie gesagt - schon rege Fliegertätigkeit herrschte und auch hier und da schon Fahrzeuge auf den Straßen mit Bordwaffen beschossen wurden, fielen am 5. April 1945 das erste Mal Bomben. Es war wohlvormittags gegen 11.00 Uhr, als 2 - 3 Jabos (Jagdbomber) mehrere Bomben abwarfen. Das Dach des Hauses Helmut Pflänzel wurde fast vollkommen zerstört und die anderen Dächer der umliegenden Häuser wie das von Hans Puchta, von Beyers u.s.w. wurden mehr oder weniger beschädigt. Die Häuser konnten eine Zeit lang nicht bewohnt werden.“

„Konnten in den Tagen vor dem 5. April 1945 die Einwohner noch im Wesentlichen ungehindert die Straßen betreten, wurde das nach dem 6. April immer schwieriger. Von morgens 7.00 Uhr bis abends 19.00 Uhr und teilweise später waren jetzt ständig Tiefflieger in der Nähe und kreisten am Himmel, bis sie irgendwo ein Fahrzeug erspäht hatten, dass sie dann solange anflogen und beschossen, bis es brannte. Besonders schlimm um Hermsdorf herum war der 8. April, ein Sonntag. Ich weiß noch, es war ein herrlicher Sommertag. Die Luft war erfüllt von stetigen Motorengedröhn von Flugzeugen. Von Ferne hörte man Flak schießen. Im Süden standen dann riesige schwarze Rauchwolken am Himmel. Das Benzinlager bei Münchenbernsdorf war angegriffen worden, stand in Flammen. Einwohner Hermsdorfs, die in anderen umliegenden Dörfern etwas zu erledigen hatten und auf Umwegen dorthin gelangten, erzählten davon, dass der Wald von deutschen Soldaten nur so wimmelte.

Sie waren offensichtlich auf dem Rückzug. Das Betreten der Straßen am Tage war offensichtlich zu einer ständigen Gefahr geworden, weil die Tiefflieger in derartig großer Anzahl am Himmel waren, dass einzelne Flugzeuge auf Einzelpersonen und Einzelfahrzeuge Jagt machten, sie beschossen. Ein Begräbnis am Tage durchzuführen war nicht denkbar, vollkommen unmöglich. Einkäufe, wenn überhaupt, wurden in der Regel nur in den frühen Morgen- und Abendstunden erledigt.“

Fortsetzung folgt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Wolfgang Hühn für die Bereitstellung dieser unwiederbringlichen Schriftstücke.