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Hermsdorfer Amtsblatt
Ausgabe 9/2021
Nichtamtlicher Teil
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Verein für Regional- und Technikgeschichte e.V. Hermsdorf

Schalttafel und Hochspannungsspulen

Mastfuß-Isolatoren

80 Jahre 40-kW-Großmess-Sender

Vor 80 Jahren, man schrieb den Juli 1941, ging in Hermsdorf in der HESCHO der 40-kW-Großmess-Sender in Betrieb. Er wurde gemeinsam mit der Firma Rohde & Schwarz München entwickelt und gebaut. Es waren die Jahre einer forcierten Entwicklung keramischer Sondermassen in der HESCHO, für die exemplarisch die Werkstoffe Calit, Calan und Ultracalit stehen, deren Namen abgeleitet waren vom Stadtnamen „Kahla“, dem Sitz des Mutterkonzerns, der Porzellanfabrik Kahla AG. Anfang der 1930er Jahre führte diese Entwicklung in der Porzellanfabrik Hermsdorf zum Aufbau leistungsfähiger Produktionsbereiche für Calit und Kondensatoren zwecks Versorgung der aufstrebenden Funk-, Hochfrequenz- und Rundfunkindustrie. Dafür musste Neuland beschritten werden bezüglich Messtechnik für elektrische Kennwerte keramischer Werkstoffe, kombiniert im Hochspannungs- und Hochfrequenzbereich. Bevorzugte Prüfobjekte für diesen Sender waren bis 1990 Mastfuß-Isolatoren für Sendemasten und Hochleistungskondensatoren.

Anfang der 1990er Jahre wurde die Prüfanlage in der Originalräumlichkeit, die als „Faradayscher Käfig“ ausgebildet ist, unserem Verein übereignet und als Technisches Schauobjekt in den Bestand schutzwürdiger Objekte Thüringens aufgenommen.

Vereinsziel ist es, den Sender zu warten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Angeboten werden Führungen, besonders alljährlich zu den Tagen des offenen Denkmals bzw. Thüringer Porzellans, mit technikhistorischen Erläuterungen und Demonstration von Isolator-Überschlägen mittels einer 100-kV-Wechselspannungsanlage.

Aus Anlass der 75-jährigen Wiederkehr der Inbetriebnahme des Senders veranstaltete der Verein gemeinsam mit der Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH im Juli 2016 eine Festveranstaltung, in deren Verlauf am Gebäude des ehemaligen HF-Labors in der Eisenberger Strasse eine Gedenktafel enthüllt wurde, gefertigt aus Original-Volkstedter Porzellan, auf der in goldenen Lettern auf die Existenz dieses einmaligen historischen Schauobjekts verwiesen wird, gleichsam als Einladung zur unbedingten Besichtigung.

Friedmar Kerbe