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Heiligenstadt Anzeiger
Ausgabe 16/2023
Kulturelles
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Lyrik-Zimmer im Literaturmuseum „Theodor Storm“

Lyrik-Zimmer im Literaturmuseum „Theodor Storm“. Die Idee der Neugestaltung hatte Daniela Scheele, wissenschaftliche Volontärin.

Daniela Scheele hatte die Idee - Angebot wird sehr gut angenommen

Auf dem Tisch im Heine-Zimmer - unter diesem Namen ist es bekannt - des Literaturmuseums „Theodor Storm“ liegen zwei Ausdrucke mit je einem Gedicht von Heinrich Heine und von Theodor Storm.

Heines Gedicht „Die Heimkehr“ stammt aus seinem „Buch der Lieder“.

Nacht liegt auf den fremden Wegen,

Krankes Herz und müde Glieder;

Ach, da fließt, wie stiller Segen,

Süßer Mond dein Licht hernieder.

Süßer Mond mit deinen Strahlen

Scheuchest du das nächtge Grauen;

Es zerrinnen meine Qualen,

Und die Augen übertauen.

Geboren wurde der Dichter am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf; er starb am 17. Februar 1856 in Paris. Bekanntlich wird in Heiligenstadt daran erinnert, dass er im Juni 1825, aus Göttingen von der Universität kommend, seinen Übertritt zur evangelischen-lutherischen Religion vollzog. Harry Heine, jüdischer Herkunft, hoffte, mit diesem Schritt seine Chancen der Anerkennung als Jurist zu erhöhen. Er promovierte zum Dr. der Rechte im Juli 1825. Die Taufe fand nicht in der evangelischen St. Martin Kirche statt, sondern in der Wohnung des Superintendenten am Knickhagen.

Theodor Storm schrieb sein Gedicht „Schlaflos“ am 22. Mai 1857; im September 1856 war er nach Heiligenstadt gezogen. Er wurde am 14. September 1817 in Husum geboren und starb am 4. Juli 1888 in Hademarschen.

Aus Träumen in Ängsten bin ich erwacht;

Was singt doch die Lerche so tief in der Nacht!

Der Tag ist gegangen, der Morgen ist fern,

Aufs Kissen hernieder scheinen die Stern‘.

Und immer hör ich den Lerchengesang;

O Stimme des Tages, mein Herz ist bang.

Im Jahr 2022 hatte Daniela Scheele, wissenschaftliche Volontärin, eine Idee, für die sie auch Museumsleiter Dr. Gideon Haut und Monika Potrykus, Vorsitzende des Stormvereins, sofort begeistern konnte: Die Umgestaltung des Heine-Zimmers in ein Lyrik-Zimmer für Kinder und Erwachsene. Dort sollten die kleinen und großen Besucherinnen und Besucher sich nicht nur umschauen, sondern sich auch selbst kreativ betätigen können. „Ein Raum für museumspädagogische Zwecke“ lautete das Ziel. Daniela Scheeles Überlegungen: Gruppen, Schulklassen, Familien und Einzelpersonen finden hier Möglichkeiten, sich mit den Gedichten zu befassen, aus den vorliegenden Texten auf deren Grundlage neue entstehen zu lassen. Doch hielt sie es im Hinblick auf die Umwelt für wichtig, hierfür kein Papier anzubieten, auf das geschrieben wird. Auf der Suche nach einer dauerhaften Lösung entschied sie sich deshalb für Holz. Zusammen mit Monika Potrykus suchte sie die Tischlerei der Eichsfelder Werkstätten in Heiligenstadt auf und fand Verbündete. Kleine Hölzer wurden gefertigt, zur Unterscheidung aus verschiedenen Holzarten. Beschriftet wurden sie mit sämtlichen Worten, aus denen die beiden Gedichte bestehen. Jedes Holzteil wurde mit einem Magnetstreifen versehen, damit alle, die gern mitmachen möchten, auf insgesamt drei an der Wand befestigten Tafeln die Gedichte nachgestalten können. Wer will, kann der Fantasie freien Lauf lassen und eigene Texte legen. “Es muss sich nicht reimen“, ermuntert die Museumsmitarbeiterin alle, die sich eventuell noch nicht trauen. „Dein Gedicht in Heines und Storms Worten“ sind die Tafeln überschrieben.

Im Sommer 2023 war alles fertig, die ersten Museumsgäste fanden sich im Lyrik-Zimmer ein, legten Zeile für Zeile oder auch neue Texte, fanden das Angebot gut. Sogar Kinder, die noch gar nicht lesen gelernt haben, machen mit. So haben sich Mädchen und Jungen im Kindergartenalter dafür entschieden, aus den vorhandenen Holzteilen kleine Bilder zu erschaffen, beispielsweise Blumen. Nach den Sommerferien, mit Beginn des neuen Schuljahres, stiegen die Besucherzahlen so richtig an. Da kamen ganze Schulklassen, denn das neue Angebot wird gern für den Deutschunterricht genutzt.

Neue Überlegung: Ein Fotoalbum

Daniela Scheele hat schon eine weitere Idee, denkt bereits über ein zukünftiges Vorhaben nach. Bisher ist es so, dass immer dann, wenn die nächsten Interessierten kommen, die von den vorigen Besucherinnen und Besuchern gelegten Textzeilen wieder entfernt werden müssen. Wie wäre es, dies die Überlegung der Museumsmitarbeiterin, die jeweils neuen Werke zu fotografieren und in einem Fotoalbum festzuhalten. Alle, die sich beteiligen möchten, hätten dann Gelegenheit, sich das Album anzuschauen und sich zu informieren, was andere vor ihnen schon erschaffen haben. Auch für das Team des Literaturmuseums selbst wäre das eine gute Möglichkeit, ab und zu Bilanz zu ziehen, wie gut das Angebot im Lyrik-Zimmer angenommen wird.

Text und Foto: Christine Bose