Dr. Regina Fasold, Literaturwissenschaftlerin und Museumsleiterin von 2003 bis 2018, stellte ihr neuestes zweibändiges Werk vor: „Theodor Storm und seine Eltern“, einen kommentierten Briefwechsel.
Im Jahre 1907 hat Storm-Tochter Gertrud Briefe ihres Vaters Theodor Storm in Buchform veröffentlicht. Allerdings nicht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Darauf verwies am 25. Oktober 2023 Dr. Gideon Haut, Leiter des Literaturmuseums „Theodor Storm“. Herzlich begrüßte er Dr. Regina Fasold. Sie hatte das Haus von 2003 bis zu ihrem Ruhestand 2018 geleitet. Aus der Lausitz war sie nicht nur angereist, weil sie sich Heiligenstadt und dem Museum immer noch verbunden fühlt und sich sehr gern an Ort und Stelle über Neues informiert. Die Literaturwissenschaftlerin stellte ihr neuestes Werk vor - und kein einziger Platz war frei geblieben.
Bereits im Jahr 2009 war in der Reihe „Der Briefeschreiber Theodor Storm“ des Erich-Schmidt-Verlages ihr Buch „Theodor Storm - Constanze Storm“ erschienen, dass den Untertitel trägt „Briefwechsel. Kritische Ausgabe“. Für die zweibändige Ausgabe, mit der am Oktober-Abend die Besucherinnen und Besucher bekannt gemacht wurden, hat sie jahrelang geforscht, außer in Heiligenstadt auch in Husum, Kiel, Leipzig, Berlin. Der Titel: „Theodor Storm und seine Eltern. Theodor und Constanze Storm - Lucie und Johann Casimir Storm. Briefwechsel 1852/53 - 1864. Kritische Ausgabe.“
„Goldschatz und Kleinod“
Das betrifft die Zeit des Dichters und Juristen während seines Potsdamer Exils und die Heiligenstädter Jahre von 1856 bis 1864. Die Herausgabe wurde gefördert aus Mitteln des Theodor-Storm-Preises der Stadt Husum und der Bürgermeister-Wolters-Stiftung Heiligenstadt.
In Heiligenstadt sei sie, so Dr. Regina Fasold, Bürgermeister Thomas Spielmann und Anne Hey, Leiterin des Stadtarchivs, zu besonderem Dank für die Unterstützung verpflichtet. Dietrich Seifert bezeichnete in seinem Ehrenamt als Theodor Storm das neueste Buch als „Goldschatz und Kleinod“. Als Erste Beigeordnete gratulierte Ute Althaus der Autorin und sprach den Wunsch aus, dem wohl alle zustimmen konnten: „Bleiben Sie unserer Stadt gewogen.“ Cathleen Köchy hatte die musikalische Umrahmung übernommen. Dr. Gideon Haut betonte: „Dr. Regina Fasold hat schon ihre Dissertation zu Storm geschrieben und wurde als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Storm-Forschung 2022 zur Würdigung ihres Lebenswerkes mit dem Theodor-Storm-Preis der Stadt Husum geehrt.“
Briefe als Zeugnisse des Berufs- und Familienlebens und der gesellschaftlichen Verhältnisse
Ihr neuestes Werk umfasse - das führte er an - über neunzig Briefe des Dichters, darüber hinaus Briefe seiner Frau, seiner Mutter und seines Vaters. Die Briefe stellten für die Eltern an der Nordseeküste eine Verbindung her zu ihrem Sohn, bekamen sie doch zu Zeiten, als handgeschriebene Briefe zur Übermittlung von Nachrichten dienten, damit die Möglichkeit, aus der Ferne an dessen Familienleben teilzunehmen. Theodor äußert sich zu den damals herrschenden politischen Verhältnissen, zu seinen beruflichen Aufgaben, die er in Heiligenstadt bekanntlich als Kreisrichter wahrzunehmen hatte und berichtete aus dem Alltag mit Frau Constanze und den Kindern. Er schrieb von Geldsorgen, die ihn plagten. Doch umfassen die beiden Bände viel mehr als allein die Briefe. Die Autorin kommentiert und erläutert die politischen, gesellschaftlichen, historischen und literaturgeschichtlichen Hintergründe sowie die familiären Verhältnisse. Und da sind auch solche privaten Ereignisse wichtig, wie sie Theodor Storm seinen Eltern mitteilte und die seine Kinder betrafen: Hans und Karl mussten zum Zahnarzt, Karl hatte einen Knopf verschluckt und Liesbeth war in den Fluss gestürzt, in die Leine.
Text und Foto: Christine Bose