Jedes Jahr wird mit der europäischen Impfwoche an die Wichtigkeit von Impfungen zur Vorsorge gegen Infektionskrankheiten erinnert. Dieses Jahr findet die europäische Impfwoche vom 26.04.2026 bis zum 02.05.2026 statt.
Bevor wir uns dem Thema Impfen widmen, beschreiben wir kurz, wie unser Immunsystem funktioniert. Zuerst kommen unsere körpereigenen Immunzellen mit Erregern in Kontakt. Wir nehmen Erreger oder Teile von Erregern auf, z. B. durch Verschlucken oder Einatmen. Als erstes werden die Fresszellen aktiv. Sie nehmen den Erreger oder Erregerteile auf und informieren die T-Helferzellen. Diese Zellen sind dafür zuständig, so schnell wie möglich zwei verschiedene Wege der Abwehr in Gang zu setzen. Einerseits beauftragen T-Helferzellen die Killerzellen, die die infizierten Fresszellen abtöten und beseitigen. Andererseits animieren die T-Helferzellen die Plasmazellen dazu passgenaue Antikörper zu produzieren, um schneller die eingedrungenen Erreger oder Erregerteile zu markieren und zu beseitigen.
Eine Impfung simuliert im Prinzip die Infektion mit einem echten Erreger dadurch, dass bewusst abgeschwächte Erreger oder Teile von abgetöteten Erregern in den Körper gebracht werden. Es gibt Impfungen, die geschluckt werden und Impfungen, die mit einer Nadel unter die Haut gebracht werden. Ob abgeschwächte Erreger oder nur Teile von abgetöteten Erregern verwendet werden und ob der Impfstoff geschluckt oder unter die Haut gespritzt werden muss, hängt vom jeweiligen Krankheitserreger ab. Manchmal gibt es mehrere Impfoptionen für einen Erreger, häufig aber nur einen konkreten Weg. Typische Beschwerden nach Impfungen, die unter die Haut gespritzt werden, sind Schmerzen an der Einstichstelle, leichtes Fieber oder Unwohlsein. Je nach Impfstoff sollte aber nach drei bis fünf Tagen die Impfreaktion vorbei sein.
Spätestens seit der Covid-Impfung sind auch mRNA-Impfstoffe ein Thema. mRNA bedeutet Messenger- oder Boten-RNA, das sind vereinfacht gesagt kleine Bauanleitungen, aus denen unsere Zellen dann verschiedene Eiweiße herstellen können. Sie kommen natürlicherweise in unseren Zellen vor. Bei einem mRNA-Impfstoff werden Bauanleitungen für Erregereiweiße in kleine Fettkügelchen verpackt und unter die Haut geimpft. Unsere körpereigenen Zellen nehmen die mRNA auf und bauen dann die Erregereiweiße nach. Die eigentlich körperfremden Erregerbestandteile werden durch unsere Abwehrzellen erkannt und es wird die gleiche Abwehrreaktion wie bei einer Infektion in Gang gesetzt. Die mRNA wird übrigens nach dem Ablesen des Bauplans direkt in der Zelle abgebaut, sie ist später nicht mehr in der Zelle vorhanden und sie wird auch nicht Teil der zelleigenen Erbsubstanz, der DNA. Sie ist quasi ein Einmalprodukt.
Seit der ersten dokumentierten Impfung 1796 durch Edward Jenner, der mit Kuhpocken gegen die „echten" Pocken impfte, gab es viele Empfehlungen für und gegen Impfungen. In Deutschland werden die Impfungen durch die STIKO, der ständigen Impfkommission, sowie auch durch einzelnen Bundeslänger empfohlen. Die meisten Impfungen, die die STIKO empfiehlt, werden durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Derzeit spricht sich die STIKO für eine allgemeine Grundimmunisierung im Säuglings- und Kindesalter gegen Rotaviren, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hämophilus influenzae, Kinderlähmung, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken B und C, Mumps, Masern, Röteln, Windpocken und HPV aus. Zur Grundimmunisierung sind je nach Erreger zwischen zwei und vier Impfungen notwendig. Damit der Impfschutz erhalten bleibt, sind bei einigen Infektionskrankheiten Auffrischungsimpfungen notwendig, dazu zählen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Wer den Zeitraum der Grundimmunisierung verpasst hat, kann sich in der Hausarztpraxis oder dem Gesundheitsamt beraten lassen, wann welche Impfung nachgeholt werden kann. Bei den meisten Impfstoffen ist ein „überimpfen" nicht möglich, jedoch kann die Reaktion auf Impfstoffe verstärkt ausfallen, wenn häufiger als in der Empfehlung vermerkt, geimpft wird. Sollten Impfungen, v.a. während der Grundimmunisierung, ausgelassen werden, kann sich in manchen Fällen kein ausreichender Impfschutz entwickeln. Jede Impfung sollte im Impfausweis oder Gesundheitspass vermerkt sein. Eine Impfung, die nur mündlich berichtet wird, kann von offiziellen Stellen leider nicht anerkannt werden. Die Pocken wurden übrigens 1980 von der Weltgesundheitsorganisation nach umfangreichen Impfkampagnen weltweit für ausgerottet erklärt und sind heute in keiner Impfempfehlung mehr enthalten, das Pockenvirus gibt es nur noch im Labor.