Am 27. Januar 2026 gedachte die Stadt Hildburghausen gemeinsam mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Der Internationale Holocaust-Gedenktag erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. In diesem Jahr jährte sich dieses Ereignis zum 81. Mal.
Zur Gedenkveranstaltung hatten die Stadt Hildburghausen, der Kreisverband Die Linke sowie die VVN-BdA Südthüringen eingeladen. Treffpunkt war um 10:00 Uhr an der Gedenktafel für die durch die Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger am historischen Rathaus - einem Ort, an dem einst jüdische Einwohner der Stadt zusammengetrieben wurden, bevor ihre Deportation begann. Erfreulich war die große Beteiligung, insbesondere vieler junger Menschen, die ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen setzten.
In seiner Ansprache erinnerte Bürgermeister Patrick Hammerschmidt an die Nähe der historischen Ereignisse zur Gegenwart. 81 Jahre seien in der Zeitgeschichte kein weiter Abstand. Er mahnte, dass die Verantwortung aus dieser Vergangenheit dauerhaft im Bewusstsein bleiben müsse: „Ohne Geschichte keine Zukunft.“ Das Gedenken an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie an alle Opfergruppen der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik sei Verpflichtung und Verantwortung zugleich. Es gelte, wachsam zu bleiben, menschenverachtenden Ideologien entschieden entgegenzutreten und für Demokratie, Menschenwürde und Toleranz einzustehen. Das gemeinsame Gedenken sei ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt.
Einen besonderen Beitrag leisteten Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c des Gymnasiums Georgianum, die sich im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ intensiv mit der jüdischen Geschichte der Stadt auseinandergesetzt haben. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Projektmitgliedschaft ihrer Schule erstellten sie einen Audiowalk „Jüdische Spuren in Hildburghausen“. Während des Gedenkens wurden Ausschnitte daraus abgespielt, darunter eine nachgesprochene Zeitzeugenstimme der jüdischen Hildburghäuserin Flora Simon, die 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Ihre Worte machten die Verfolgung und Ausgrenzung unmittelbar erfahrbar und berührten die Anwesenden spürbar.
Weitere Redebeiträge unterstrichen die Bedeutung eines aktiven Erinnerns. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft betonten, dass Gedenken nicht beim Rückblick enden dürfe, sondern auch Verantwortung für Gegenwart und Zukunft bedeute. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen sei es notwendig, Haltung zu zeigen und menschenfeindlichen Tendenzen entschieden entgegenzutreten.
Im Anschluss an die Gedenkfeier am Rathaus erfolgte eine Kranzniederlegung an der Erinnerungsstele in der Gerbergasse, dem Standort der ehemaligen Hildburghäuser Synagoge.
Die Stadt Hildburghausen bekräftigt mit dieser Veranstaltung ihr klares Bekenntnis zu einer lebendigen Erinnerungskultur und zu den Grundwerten einer offenen, demokratischen und toleranten Gesellschaft.