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In den ersten Jahren nach Wiederaufnahme des Unterrichts an der Oberschule wurden auch die Bedingungen des Schülerinternats (Bild 1), welches sich im alten Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars befand und am 28.10.1946 wieder eröffnet werden konnte, parallel zu denen in der Schule verbessert.
Allerdings war dessen volle Nutzung zur Unterbringung auswärtiger Schüler erst ab 1955 wieder möglich, da zunächst ein Teil des Gebäudes durch die Sowjetische Militäradministration (bis 1950) und danach bis 1955 durch die Deutsche Grenzpolizei genutzt wurde. Während dieser Zeit wurde ein Teil der Schüler im Bahnhofshotel (Bild 2) und im ehemaligen Hotel Burghof untergebracht.
Ab 1954 wurde die Einrichtung der Zimmer erneuert. Außerdem wurden zwei Klubzimmer eingerichtet, der Saal mit neuen Möbeln ausgestattet und eine Funkanlage sowie ein Fernsehapparat angeschafft. Mit Unterstützung der Schüler entstand im Innenhof eine Grünanlage.
Um 1960 bot das Internat etwa 100 auswärtigen Schülern Unterkunft. Im Schulunterricht selbst ergaben sich Neuerungen u.a. durch die Einführung der Fächer UTP (Einführung in die sozialistische Produktion) im Schuljahr 1958/59 und Technisches Zeichnen. Der polytechnischen Bildung dienten auch jährlich durchgeführte Schülerpraktika in verschiedenen Betrieben der Industrie und Landwirtschaft.
Nach relativ kurzer Vorbereitungszeit wurde am 30. April 1958 in dem Dorf Billmuthausen bei Bad Colberg ein Schullandheim (Bild 3) eröffnet. Dort führte bis etwa 1962 jede Klasse ein vierzehntägiges Praktikum mit ihrem Klassenlehrer durch, so die Schüler der 9. Klasse in der Zeit der Frühjahrsbestellung, die der 10. Klasse in der Zeit der Rauhfutterernte, die der 11. Klasse in der Zeit der Getreideernte und die der 12. Klasse in der Zeit der Hackfruchternte und Herbstbestellung. Somit lernten alle Schüler während ihrer Oberschulzeit den gesamten Zyklus der landwirtschaftlichen Feldarbeit kennen.
Leider wurde das Schullandheim wegen seiner Lage in unmittelbarer Nähe zur Staatsgrenze West im Zusammenhang mit dem Bau der Mauer 1961 kurze Zeit später wieder geschlossen. Das Dorf mitsamt dem Schullandheim wurde etwa im Jahr 1978 geschleift.
Eine neue Qualität erhielt die polytechnische Ausbildung im Schuljahr 1960/61 mit der Einführung einer beruflichen Grundausbildung der Schüler. Diese erfolgte parallel zum normalen Schulunterricht in ca. 45 Ausbildungsbetrieben, wobei die Schüler mit Beginn der 9. Klasse unter 16 unterschiedlichen Ausbildungsberufen wählen konnten. Am Ende der Klasse 12 legten die Schüler neben der Abiturprüfung in ihrem Ausbildungsberuf eine Facharbeiterprüfung ab und erhielten (vorausgesetzt man bestand alle Prüfungen mit Erfolg) neben dem Abiturzeugnis auch noch einen vollwertigen Facharbeiterbrief.
Für die Schüler positiv war auch der Umstand, dass ab dem 1. Jahr (also in Klasse 9) ein monatliches "Lehrlingsentgelt" von 40,00 Mark gezahlt wurde, welches sich jährlich um 10,00 Mark erhöhte; d.h. in Klasse 12 betrug es dann 70,00 Mark.
Allerdings bestand diese Form der Ausbildung nur wenige Jahre und wurde etwa 1967 wieder eingestellt, da mittlerweile in der DDR die "Berufsausbildung mit Abitur" eingeführt worden war, die allerdings ein Jahr länger dauerte als die 12-jährige EOS-Bildung.
Am 2. Dezember 1959 beschloss die Volkskammer der DDR das "Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens". Mit diesem Gesetz wurde die bisherige "Obeschule Geschwister Scholl" in "Erweiterte Oberschule Geschwister Scholl" (EOS) umbenannt.
Burkhard Knittel