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Kahlaer Nachrichten
Ausgabe 15/2026
Nachrichten aus dem Rathaus
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Bäume, Hecken und Keyline Design:

Bodenerosion verursacht nicht nur wirtschaftliche Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen. Durch die Verlagerung von Sedimenten entstehen im Stadt- und Siedlungsbereich zusätzliche Belastungen und erhebliche Kosten für Infrastruktur, Gewässerunterhaltung und Schadensbeseitigung.

Zur Rückhaltung von Wasser in den oberen Hanglagen bietet das Keyline-Design einen bewährten Lösungsansatz. Durch die Förderung der Wasserversickerung werden Abflussspitzen gemindert und Erosion sowie Sedimenteinträge in das Stadtgebiet reduziert.

Wie Kahla seine Landschaft gegen Starkregen und Hitze wappnen kann

Die zunehmenden Wetterextreme der vergangenen Jahre machen deutlich, dass sich unsere Landschaft an den Klimawandel anpassen muss. Während lange Trockenperioden die Landwirtschaft belasten, führen Starkregenereignisse innerhalb weniger Stunden zu Bodenerosion, Schlammlawinen und Schäden an Wegen und Infrastruktur. Besonders die Hanglagen am Oberbachweg und Zwabitzer Weg in Kahla sind von solchen Entwicklungen betroffen.

Aktuelle Forschungsergebnisse der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde zeigen, dass Agroforstsysteme, also die Kombination von Bäumen, Sträuchern und landwirtschaftlicher Nutzung, einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten können. Bäume und Hecken verbessern das Mikroklima, reduzieren Winderosion, fördern die Wasserspeicherung im Boden und schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig können viele Gehölze wirtschaftlich genutzt werden, beispielsweise durch die Ernte von Nüssen, Früchten oder Holz.

Doch für die erosionsgefährdeten Flächen rund um Kahla bietet sich noch ein weiterer Ansatz an: das sogenannte Keyline Design. Dieses von dem australischen Ingenieur und Landwirt P. A. Yeomans in den 1950er Jahren entwickelte System verfolgt das Ziel, Regenwasser möglichst lange in der Landschaft zu halten und gleichmäßig über die Flächen zu verteilen. Statt das Wasser nach Starkregen schnell über Gräben und Bäche abzuführen, wird es durch eine intelligente Gestaltung der Landschaft gebremst, versickert und im Boden gespeichert.

 

 

Das Grundprinzip ist einfach: Die natürliche Form des Geländes wird genutzt, um Wasser von Bereichen mit hohem Abfluss in trockenere Teile der Landschaft zu lenken. Ergänzt durch Baumreihen, Hecken, Grünstreifen und flache Versickerungsmulden entsteht ein System, das Wasser zurückhält, Bodenabtrag vermindert und die Grundwasserneubildung fördert. Gerade an Hanglagen kann dadurch die Gefahr von Erosion und Schlammeinträgen erheblich reduziert werden.

Für Kahla könnte dies konkret bedeuten, auf besonders gefährdeten Flächen Agroforststreifen mit heimischen Gehölzen wie Speierling, Elsbeere, Feldahorn, Haselnuss oder Wildobstarten anzulegen. Diese könnten entlang der Geländelinien des Keyline-Systems gepflanzt werden und so gleichzeitig als Windschutz, Wasserrückhalt und Lebensraum für Insekten und Vögel dienen. Zwischen den Gehölzstreifen bliebe weiterhin Platz für die landwirtschaftliche Nutzung.

Ein zusätzlicher Vorteil liegt darin, dass solche Landschaftsstrukturen nicht nur gegen Starkregen helfen, sondern auch die Folgen von Hitze und Trockenheit mildern. Böden mit höherem Humusgehalt und besserer Wasserspeicherung bleiben länger feucht und widerstandsfähig. Die Bäume sorgen zudem durch Schatten und Verdunstung für ein kühleres Mikroklima.

Weltweit wird das Keyline Design inzwischen erfolgreich in der regenerativen Landwirtschaft eingesetzt. Beispiele finden sich in Australien, Nordamerika und Europa. Auch in Deutschland wächst das Interesse an solchen Konzepten, weil sie Hochwasservorsorge, Bodenschutz, Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion miteinander verbinden.

 

 

Die jüngsten Unwetterereignisse zeigen, dass vorbeugende Maßnahmen günstiger und wirksamer sind als die spätere Beseitigung von Schäden. Durch die Kombination aus Agroforst, Heckenstrukturen und Keyline Design könnte Kahla einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaresilienten Kulturlandschaft gehen. Die Natur liefert dabei die besten Vorbilder: Wo Wasser gebremst, gespeichert und sinnvoll verteilt wird, bleiben Böden fruchtbar, Gewässer sauber und Landschaften widerstandsfähig.

Klimaanpassung beginnt nicht nach dem nächsten Unwetter, sondern mit einer vorausschauenden Gestaltung unserer Landschaft heute.

Im Auftrag, Karsten Schmidt

Klimaanpassungsmanager