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Kahlaer Nachrichten
Ausgabe 6/2026
Vereine und Verbände
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Annäherung an der Angelrute

Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer geschieht Historisches,

die Angler Ost und West streben die Vereinigung an!

Deutschland endgültig wieder vereinigt!?

Wie sich die Angler in Ost und West 23 Jahre nach der Wiedervereinigung 2013 zusammenrauften!

Dies geschah am 28. Mai 2013 mit dem Zusammenschluss des Verbandes Deutscher Sportfischer (VDSF), dem Angler aus dem alten Bundesgebiet angehörten, und des Deutschen Anglerverbandes (DAV) in den neuen Bundesländern.

Was Bob- und Schlittenfahrer, Schachspieler oder auch Tischtennisspieler nach dem Fall der Mauer im November 1989 ziemlich zügig gelungen war, haben die rund 800.000 organisierten Angler in der Republik sowie geschätzt 1 Millionen Hobbyangler bis 2013 nicht geschafft: Die Fusion ihrer Interessenverbände aus den Zeiten DDR und der BRD zu einer schlagkräftigen Bundesvereinigung!

Doch schon zweimal ist der Versuch gescheitert, die etwa 170.000 organisierten Angler aus dem Osten mit den gut 650.000 aus dem Westen zusammenzubringen.

Zu Zeiten des kalten Krieges werden Hobbyangler mit Wohnsitz in der alten Bundesrepublik zumeist vom Verband Deutscher Sportfrischer (VDSF) mit Sitz im Hessischen Offenbach vertreten.

 

 

Für Angelfreunde in den neuen Bundesländern ist der Deutsche Anglerverband (DAV) zuständig, Residierend in Berlin- Lichtenberg, einem Ostbezirk der Stadt Berlin. Das sollte sich nun endlich ändern!

Den Angler-Funktionären schwante schon lange, dass die Zweiteilung ihnen nicht gerade hilft, wenn sie politisch Einfluss nehmen wollten, etwa bei Gesetzesvorhaben zum Gewässerschutz.

Wenn es nach einem viertel Jahrhundert nun nicht endlich mit der Deutschen Anglervereinigung klappe, dann drohe die Angelfischerei in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit zu versinken!

Doch bisher schien es das diverse Anläufe einer Ost-Westfusion nicht nur an den persönlichen Abneigungen der jeweiligen Präsidenten scheiterte. Es ging nahezu subversiv zwischen den Verbänden zu. Gegenseitig „Jagden" sich die Verbände Mitglieder ab, wurde versucht mit viel Geld auf Pachtverträge der Anglervereine im Osten Einfluss zu nehmen und vieles mehr geschah, was den Sportfreunden des DAV so gar nicht schmeckte!

Nicht wenige Westangler stellten sogar alle ostdeutschen Funktionäre beispielsweise ohne nähere Belege unter den Generalverdacht, zu DDR- Zeiten mit der Stasi kooperiert zu haben.

Und manche Angler im Osten vermuteten, der deutlich größere Westverband plane eine feindliche Übernahme: offenbar wolle man den Brüdern und Schwestern im Osten nun auch noch den Umgang mit der Angelrute zeigen, wo der Haken hängt!?

Jahrzehntelang waren alle Versuche gescheitert, die Angler in Ost und West unter einem Dach zu vereinigen. Es ging um Stolz und Beharrlichkeit. Die Nachfolger der DDR-Organisation „Deutscher Anglerverband" (DAV) und des im Westen beheimateten „Verbandes Deutscher Sportfischer" bestanden auf ihre Eigenständigkeit.

Statt sich wie die anderen sportlichen, kulturellen oder wissenschaftlichen Organisationen nach dem Mauerfall zusammenzutun, wählten die Angler einen ganz anderen Weg.

Ziel Nummer eins war zunächst wie bereits erwähnt die gegenseitige „Unterwanderung".

Der Westen vereinnahmte die Landesverbände aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, während die „Ostler" einzelne Vereine aus Bayern und Nordrhein-Westfalen in ihre Reihen aufnahmen.

Tatsächlich haben die Anglerfunktionäre in den Jahrzehnten der Trennung auch Fischerei-philosophisch unterschiedliche Wege eingeschlagen.

So betrachtete sich der Ostverband schon zu DDR-Zeiten vor allem als Sportverband. Gefördert werden sollten Leistungsvergleiche, Pokalkämpfe und Wettkämpfe bis hin zu DDR- Meisterschaften selbst für die Jugendlichen.

Zudem geht es beim Zugang zu den Fischgründen im Osten deutlich liberaler zu.

Im Westen zum Teil übliche Tierschutzregeln wie ein Nachangelverbot oder die Ächtung verschiedener Techniken wie der Einsatz von Setzkeschern wurden von vielen DAV- Anglern als "Überregulierung" und „Regelungswut" zurückgewiesen.

Die Westangler forcierten weniger den Leistungsgedanken als vielmehr die Anerkennung zum ökologisch korrekten Naturschutzverband. Sie kämpften gegen schmutzige Gewässer, und Kürten ihre „Fische des Jahres" um auf gefährdete Fischarten aufmerksam zu machen.

Zu sportlichen Wettkämpfen der Tenor im Westen: „Töten" kann niemals Sport sein!", beharrte die Funktionäre der Westangler. Wettkämpfe bei denen der tote Fisch als Trophäe betrachtet und am Ende wieder ins Wasser geworfen werde, hielten sie für schlicht unakzeptabel.

Trotz aller Differenzen bemühten sich die Funktionäre 3 Jahre vor der Vereinigung um eine aktive Entspannungspolitik: in zähen Verhandlungen wurde bereits ein „Verschmelzungsvertrag" und ein Personaltableau (Zusammensetzung des Personals) für den Gesamtverband ausgearbeitet, selbst dies war Konfliktpotenzial Nummer 1 für die Angler in Osten Deutschlands. Dennoch war allen bewusst, eine Vereinigung bringt das politisch mehr Einfluss genommen werden kann um die Interessen aller Angler in Deutschland.

Als Zeichen guten Willens beteiligte sich der DAV seit 2011 offiziell an der „Fisch des Jahres"-Wahl.

 

 

Künftig, so die Fusionspläne, sollen Ost- und Westangler unter dem Namen „Deutscher Angelfischereiverband" / (DAFV) auftreten.

Erste Präsidentin sollte die FDP- Bundestagsabgeordnete Christel - Happach- Kasan werden, die Biologin aus Schleswig- Hollstein war nach eigener Auskunft „völlig unbelastet" von einer Vorgeschichte in den beiden Verbänden. Das war Bedingung beider Verbände.

Bei einer ersten Abstimmung versagten zunächst die „Wessis" vom VDSF die erforderliche dreiviertel Mehrheit für den Vorschlag, erst bei einer erneuten Abstimmung wurde der Vorschlag gebilligt.

Die Ost-Kollegen sollten zu ihrer Jahreshauptversammlung final über den Vorschlag entscheiden. Das wird problemlos über die Bühne gehen, prognostizierte seinerzeit die designierte Präsidentin Happach- Kasan. Eine Probeabstimmung unter DAV- Funktionären verlief so, dass sich einige Angelfreunde im Westen an Wahlergebnisse zu Zeiten des „real existierenden Sozialismus" erinnert fühlten: Die Zustimmung zum Einheitsvertrag betrug 100 %.

Ja, es war ein langer Weg, teils ein harter Kampf, ein langer Kampf um Prinzipien und wichtige Details. Anglern im Osten geht es um das Ideelle, den West-Anglern um das Materielle!?

Nun aber waren alle Konflikte Geschichte. „Das ist wirklich ein historischer Moment", sagt denn auch der bisherige DAV-Präsident Günter Markstein aus Parchim. Dabei wollte der Mann aus Mecklenburg gar nicht so plakativ vom endlich „überwundenen Ost-West-Konflikt" sprechen.

Wahrscheinlich wäre es noch eine ganze Weile mit den zwei getrennten Verbänden weitergegangen, wenn sich die Angler nicht so viele Sorgen um den Fortbestand ihres Hobbys machen müssten.

Vor allem immer strengere Naturschutzverordnungen und Verbote an zahlreichen Gewässern zwangen sie, die Reihen fest zu schließen. Da brauchen wir eine starke Lobby!

Mit 800.000 Mitgliedern und 1 Millionen nichtorganisierten Anglern in Deutschland besitze die neue Vereinigung schon viel mehr Gewicht in allen möglichen Debatten.

Dennoch: So mancher Ost-Angler dürfte sich beim Blick auf die neuen Bestimmungen an die vielen Vergünstigungen in der DDR erinnern. Da brauchte man nur einen Jahresbetrag von teils zehn Mark der DDR bezahlen, um damit überall seine Angel ins Wasser halten zu können.

Die Hinweisschilder auf den „DAV" waren jedenfalls flächendeckend vertreten, das Angeln in der Ostsee war gleich gänzlich frei. Die Deutsche Reichsbahn gewährte sogar Ermäßigungstarife für die Mitglieder, damit diese preisgünstig in der Republik hin- und herfahren konnten.

Bis zuletzt störten sich die Mitglieder aus dem „Osten" an der Satzung des Westvereins, die als Ziel des Hobbys das Verspeisen des geangelten Fisches ausgegeben hatte. Wir, im Osten Angeln bis heute um des Angelns willen. Wir leben unsere Passion aus!

Fürs Angeln müsse man geboren sein, etwas anderes komme gar nicht infrage!

Es ging letztendlich in dieser Frage ums Prinzip.

 

 

Hauptaugenmerk legte der Verband im Osten vor allem auf die Jugendarbeit nicht nur zur Nachwuchsgewinnung, der Wettkampf im Turniersport auch bei den jungen Anglern wurde gefördert und war Bestandteil in nahezu jedem Verein. Auch konnte sich im Osten jeder Angelinteressierter eine Mitgliedschaft in einem Anglerverein leisten, fand Aufnahme und ein organisiertes Vereinsleben.

Ganz im Gegensatz zum Westen, während im Osten selbst Arbeiter in Anglervereinen organisiert waren und sind, so waren es in den Vereinen im Westen vorwiegend nur „gut Betuchte" Mitglieder.

Neidvoll blickten die Angler aus dem alten Bundesgebiet auf die teils eigenen Vereinsheime sowie der Vielzahl der gepachteten Gewässer der Vereine im Osten.

Der interessierte Leser möge vielleicht denken, dass sich die Vereinigung beider Verbände halt nur in den „oberen Etagen" der Funktionäer abspielte - weit gefehlt!

Die Bestrebungen einer Vereinigung wurden bis in letzten Anglerverein teils heftig und kontrovers diskutiert, vor allem die Angler aus den „Alten Bundesländern" witterten „große Beute" im Osten nicht nur Fische aus dem Wasser zu ziehen, begehrten Pachten der Gewässer, ja selbst die Jägergemeinschaften kannten solch Begehrlichkeiten aus den alten Bundesländern.

Seinerzeit, kann hierzu aus eigenem Erleben berichten welch ungezählte Zusammenkünfte mit immer mehr Bedenken und Forderungen auch seitens der Anglervereine und deren Sportfreunde in unserem Kreisgebiet sowie darüber hinaus, ein wirkliches Bedenken zur Vereinigung beider Verbände forderten! Forderungen seitens der Angler, dann ganz ohne Einigung jedoch bedeuteten das aus der organisierten Sportangelei!?

Zu tief saßen noch die Erfahrungen auch der Sportfreunde hier in Kahla wie einst nach der Wiedervereinigung 1989 die „Wessis" sich hier im Osten doch wirklich teils wie „Raubritter" bewegten.

Hier hatte der damalige Vorstand auch in unserem Sportanglerverein teils heftige Diskussionen mit den Sportfreunden zu führen, die Vorstandsmitglieder teils selbst nicht davon überzeugt einer Vereinigung beider Verbände zuzustimmen.

Letztendlich, und das ist dem seinerzeit 1. Vorsitzenden Udo Gudd und dem damaligen Vorstand zu danken, überzeugend für die Kahlaer Sportangler war das sie sicher sein konnten: Auch wenn es ständig Begehrlichkeiten an den Gewässern in Kahla aus den alten Bundesländern gab, der 1. Vereinsvorsitzende Udo Gudd hatte gemeinsam mit dem Vorstand bereits nach der Wiedervereinigung mit dem Bürgermeister der Stadt Bernd Leube sowie dem Stadtrat der Stadt die Pachtverträge um Jahrzehnte verlängert! Unantastbar! Eine Win - Win Situation für beide Seiten!

So sahen letztendlich auch die Angler in Kahla der Vereinigung beider Vereine optimistisch entgegen!?

Die etwas älteren Sportfreunde unseres Vereines, älter in der Mitgliedschaft in ihrem Verein, werden sich sicherlich erinnern das die Bemühungen mit gleichgesinnten Sportfreunden und deren Verein in den alten Bundesländern längerfristig im Kontakt zu bleiben nicht von langer Dauer waren, zu groß waren die Unterschiede und Ansichten nicht nur was den Angelsport betraf.

Nach der Deutschen sollte die europäische Einigung aller Angler Europas in Angriff genommen werden. Ein Anglerverband für die ganze EU!

Aber das ist eine andere Geschichte!

Bleiben Sie interessiert!

Dieter Melzer, sen.

P/Ö