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Kahlaer Nachrichten
Ausgabe 8/2026
Vereine und Verbände
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Der Förderverein „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg e.V.“, Sitz Kahla, informiert:

Fw 190, Oschersleben, 1944

Werksausweis Siegfried Fricke, „REIMAHG“ (Ausstellung Stadtmuseum)

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Von der Bf 109 im Afrikafeldzug zur Me 262 am Walpersberg - Teil 2

Nach seiner schweren Verletzung und Behandlung bis Dezember 1942, versetzt man ihn nach seiner Genesung am 26. April 1943 nach Märkisch-Friedland in Polen (heute Miroslawa), in die dort stationierte 3. Staffel der Jagdgruppe West. Der Fliegerhorst war ein bedeutender Einsatzhafen der Luftwaffe und wurde bis Ende 1944 von Ausbildungseinheiten genutzt.

Hier wird er am 14. Dezember 1943 zum Oberfeldwebel befördert und übernimmt sowohl Schulungs- wie Überführungsaufgaben. Ab dem 25. Oktober 1944 ist er nach dem Unfall des Piloten Johannes Synde als Einflieger tätig, mit Überführungsflügen der Fw 190. Um als Flieger tätig zu sein wurde speziell für ihn auf Grund seiner Beinprothese nachweislich eine Holzklötzchen-Prothese für Pedale angefertigt.

Fast ein Jahr später, am 07. November 1944 wird Fricke Werkpilot/Einflieger bei der AGO (Apparatebau GmbH Oschersleben) in Oschersleben.

Hier führte er die Flugzeuge nicht nur zu Test- und Überführungsflügen, sondern überprüfte auch deren Flug- und Waffensysteme, koordinierte Einsätze mit dem Werksflugbüro und war in die Einführung neuer Technologien wie Zusatzraketen eingebunden.

Vom Reichsluftfahrtministerium erhält er die Fluglizenz für den Düsenjäger Me 262 und absolviert eine Umschulung auf die Me 262 in Brandenburg/Briest und Burg bei Magdeburg.

 

 

Mit Ankauf der AGO-Flugzeugfabrik durch die NS-Industriestiftung Gustloff-Werke, Weimar, erfolgte auch die Verlegung aller Betriebsteile, der Beschäftigten wie auch der Piloten nach Kahla ins REIMAHG-Werk.

Hier wird für die Überführung der Me 262 von Kahla nach Zerbst (Stelle 13) das Sonderkommando Kahla gegründet. Zu diesem gehören neben Fricke 5 weitere Werkspiloten, Büchner, Soltau, Tippel, Zechmeister und Mittelstädt. Fricke ist seit dem 01.02.1945 im REIMAHG-Werk.

Am 21. Februar fliegt er mit der ersten in Kahla montierten Me 262 (Werksnummer 0001) nach Zerbst. Laut Aussage von Fricke wäre es fast nicht dazu gekommen. Kurz vor dem Flug, befindet er sich zum Kontrollgang im Bunker 2, der Endmontage, dem letzten Bunker in der Montagefertigung. Dieser befand sich neben dem Flugzeugaufzug, hier wurde die gesamte Technik und Funktion überprüft bevor das Flugzeug über den Aufzug zur Starbahn kam. Er beging den fatalen Fehler einem Zwangsarbeiter sein Kommisbrot zu schenken. Dies war streng verboten und wurde vermutlich vom Werkschutz gesehen. Nach einer Flugabsage erhielt er auf Grund seiner hervorragenden Fliegerfahrung und Fürsprechern letztendlich doch Genehmigung zum Start.

Zumal der erste Flug unter Anwesenheit vom Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel erfolgen sollte. Das Ereignis ist von so großer Bedeutung, dass dieser Start gefilmt wird. Leider sind diese Aufnahmen bis heute verschollen.

Fricke, allgemein durch seine Beinprothes bekannt, erhielt auf Grund seiner Verletzung als einziger Pilot die Sondergenehmigung ein Motorrad zu besitzen, für die Rückfahrten von Zerbst nach Kahla. Von Februar bis April 1945 überführt er mehrere Me 262.

 

 

Am 11. April 1945 erhält Siegfried Fricke noch ein Arbeitszeugnis von der AGO Oschersleben. Vermutlich wurde er kurz vor oder nach Kriegsende von den Alliierten verhört, wie alle anderen Werkspiloten auch. Er kommt jedoch nicht in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg arbeitet er für den Mineralölkonzern Shell auf dem Flughafen Stuttgart.

 

 Siegfried Fricke wurde mit verschiedenen Orden ausgezeichnet, so dem

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Deutschen Kreuz in Gold (31. August 1943)

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Flugzeugführerabzeichen Gold

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Frontflugspange für Jäger

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Eisernes Kreuz 2. (06. Februar 1942) und 1. Klasse J 1942)

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Verwundetenabzeichen in Gold

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SA-Sportabzeichen

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Ehrenpokal der Luftwaffen (1943)

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Schützenschnur

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Deutsches Reichssportabzeichen

In den Wirren der Nachkriegszeit gingen diese leider verloren. Tauchten jedoch später wieder bei verschiedenen Sammlern auf.

Siegfried Fricke war ein besonderer Mensch, jeder der ihn kannte sprach mit Achtung von ihm. Seine Leistungen verbinden militärische Exzellenz, technische Meisterschaft und strategische Bedeutung, von den Luftkämpfen über den Wüstensand Nordafrikas bis zu den modernsten Düsenjägern Europas. Seine Karriere zeigt die außergewöhnliche Kombination aus Kampf- und Testpilotenerfahrung, die ihn zu einem herausragenden Mitglied der deutschen Luftwaffe machte.