Bericht von Barbara Hertwig, Wülfershausen
Austausch über Ländergrenzen hinweg bietet nicht nur die Möglichkeit neue Freunde zu finden, sondern auch besondere Erlebnisse zu teilen. So ist es jedes Jahr um Christi Himmelfahrt, wenn sich die Partnergemeinden Verwaltungsgemeinschaft „Riechheimer Berg“ und „CC Gâtine - Racan“ gegenseitig besuchen. Dieses Jahr empfingen wir unsere französischen Gäste mit großem Hallo am Donnerstagabend. Wie immer wohnen die Gäste bei Gastfamilien. Nächstes Jahr sind wir wieder in Frankreich zu Gast.
Der Freitag ist unser gemeinsamer Ausflugstag, der immer wieder spektakuläre Erlebnisse bietet. Dieses Jahr führte uns der Ausflug in das ehemalige Grenzgebiet des Thüringer Waldes - mancher glaubt: verschlafen und ohne Reiz. Aber die Besuche in Lauscha, Lippelsdorf, Gebersdorf und Tettau bewiesen das Gegenteil.
Im Glaszentrum Lauscha GmbH werden besondere Formen, Figuren und Objekte aus Glas hergestellt. In der Glasschauwerkstatt konnten wir das beindruckende Handwerk erleben. Kolibris in leuchtenden Farben mit zarten Flügeln wurden mit großer Konzentration und Sorgfalt zum Leben erweckt. Im dazugehörigen Museum für Glaskunst sind nicht nur historische Kelche, Schalen und Vasen aus mehreren Jahrhunderten, sondern auch besonders filigrane Stücke wie ein Karussell oder ein Spinnrad. Tänzerinnen und Tiere aus Glas, aber auch Glasaugen, Glasperlen und natürlich Christbaumschmuck zu entdecken. Faszinierend sind auch die Schaukästen der Lauschaer Glasbläserdynastien in ihrer Vielfältigkeit.
Ein Teil der Gruppe besuchte derweil die ehemalige Abbaustätte für Griffel. Wie schreibt man auf Schiefertafeln, wenn man keine Kreide hat? Mit Griffel - einem weicheren Schiefermaterial. Die Generation der Millennials kann sich das nicht vorstellen, denn das Schreiben in der Schule beginnt direkt auf Papier. Gleichzeitig öffnete sich dort oben im Steinbruch der Blick über das Frankenland. Auch die historische Porzellanmanufaktur „Wagner & Apel“ bot besondere Einblicke - zwei Original-Rundöfen, in denen früher Porzellanfiguren und anderes gebrannt wurden, konnten besichtigt werden.
Das Gasthaus Steiger in Gebersdorf - ein familiär geführtes Restaurant an der ehemaligen Grenze - sorgte mit regionalen Speisen für die nötige Stärkung. Das Restaurant lag während der beginnenden DDR-Zeit in der 5-km-Sperrzone. Die Einkehr war damals nur mit Passierschein möglich - also eine besondere Erfahrung - damals wie heute!
Hidden Champions (heimliche Gewinner) - ein typisch deutsches Schlagwort - sind mittelständische Industrieunternehmen mit einem spezialisierten Marktsegment, die gleichzeitig Weltmarktführer, aber in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sind. Und genau hier im ehemaligen Grenzgebiet gibt einen solchen - die Heinz-Glas GmbH & Co KG in Tettau. Weltweit gibt es nur drei Unternehmen, die Flakons in dieser Qualität und Güte herstellen, eines befindet sich hier. Alle Parfümhersteller sowie Stars mit ihren individuellen Parfüms greifen auf dieses besondere Knowhow zurück, um die schönsten, ausgefallensten und kreativsten Flakons zu bekommen. Während der Erlebnisführung im Europäischen Flakonglasmuseum in Tettau tauchten wir in die Welt ein, wie Flakons hergestellt werden. Einen Blick in die hochmoderne Flakon-Fertigung zu werfen, wurde uns erlaubt. Jeder bekam abschließend einen Flakon zum selbst Befüllen - was uns fehlt, ist das Parfüm. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit im kommenden Jahr in Frankreich, dem Land der Düfte und des guten Geschmacks, einen besonderen Duft mitzunehmen.
Samstags unternehmen die Gastfamilien zusammen mit Ihren Gästen eigene Ausflüge. Dies gibt die Möglichkeit sich intensiver auszutauschen.
Am Samstagabend trafen wir uns zum gemeinsamen Dinner auf dem Schokoladenhof in Wülfershausen. Mit der „Goldhelm Schokoladenmanufaktur“ will Alex Kühn und sein Team Schönes erschaffen. Er führte uns hinter die Kulissen, wo das Handwerk und die Leidenschaft für neue Kreationen, aber auch die künstlerische Umsetzung zusammenfinden. Das geht nur in schöner Umgebung und mit guten Zutaten. All das findet er in Wülfershausen. Aus einem alten Bauernhof wurde in 10 Jahren Engagement ein Genusszentrum. Mit selbst angebauten Zutaten entstehen großartige Schokoladen, Pralinen und Trüffel. Um das Konzept abzurunden gibt es seit einiger Zeit die „Flamberie“ des Schokoladenhofs. Im großzügigen, geschmackvollen Ambiente werden hochwertige Speisen serviert, die man auch als Haute Cuisine bezeichnen kann. Während des gemütlichen Abends mit einem erlesenen 4-Gänge-Menü begleiteten Alex Kühn und sein Team uns sehr freundlich und aufmerksam. In persönlichen Gesprächen mit unseren französischen Freunden entstanden neue Anknüpfungspunkte und möglicherweise Ideen für die Zukunft. Mit diesem wunderbaren Abend ging ein erlebnisreiches Wochenende mit unseren französischen Freunden zu Ende!
Nächstes Jahr fahren wir am Himmelfahrtswochenende wieder in die Region an der Loire. Wie immer beginnt die Planung bereits vor der Rückreise. So waren wir in den vergangenen Jahren auf besonderen Schlössern und haben Weinkeller besucht. Neben leckeren Spezialitäten wie großartigem Käse und erlesenem Wein gibt es jedes Jahr ein Stück mehr französische Lebensart zu entdecken.
Die Partnerschaft wird finanziell durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds unterstützt.
Wer jetzt Lust bekommen hat, Franzosen seine Freunde zu nennen und Frankreich im kommenden Jahr gemeinsam zu besuchen, ist herzlich eingeladen.
Französische Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich.
Ansprechpartner: Rudolf Neubig, Telefon: 0175/1654236