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Amtsblatt der Gemeinde Südeichsfeld
Ausgabe 6/2026
Aus den Ortschaften
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Deutsch-Französische Freundeskreis

Zum Abschluss des Treffens gab es ein gemeinsames Foto der Wendehäuser mit den Gästen aus Frankreich.

Der französische Politiker und Bürgermeister des Partnerortes Fabien Gouttefarde hält eine beeindruckende Rede.

Huguette Nogues, Volker Görner, Jean Michel Nogues und Barbara Görner (von links) wurden zu einer deutsch-französischen Familie.

Politiker aus Frankreich lobt saubere und wohlhabende Orte 

Wie Gäste aus der Normandie auf ihren Partnerort Wendehausen und die Umgebung blicken

Von Reiner Schmalzl

Wendehausen. Weil in einem Saal neben der deutschen Nationalfahne gleichberechtigt die französische Staatsflagge in den Farben Blau, Weiß und Rot dominiert und an den Tischen französisch, deutsch und auch englisch gesprochen wird, mag man sich auf einem EU-Gipfel oder anderen internationalen Konferenz wähnen. In der Tat wurde zu Pfingsten in der Wendehäuser Festhalle die große Politik beim Treffen zwischen dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Wendehausen und dem Partnerschaftsverein Tillières-sur-Avre aus der Normandie eingehend thematisiert und diskutiert.

„Wenn wir heute auf Europa schauen, spüren wir eine große Unruhe und die Auswirkungen der Kriege in der Ukraine und im Iran“, sagte Wendehausens Ortschaftsbürgermeister Bertram Müller. Umso wichtiger sei es in diesen schwierigen Zeiten, dass Deutschland und Frankreich zusammenhalten. Deshalb sei die neuerliche Begegnung mit den 49 Gästen weit mehr als nur ein freundschaftlicher Besuch, sondern ein Zeichen dafür, dass Frieden möglich ist. Darin stimmte Martine Francois als Präsidentin des französischen Partnerschaftsvereins überein und betonte: „Wir kennen uns schon seit 33 Jahren und sind in dieser Zeit zu echten Freunden geworden.“

„Hier wird konkret deutlich, wie Geografie und Geschichte miteinander verflochten sind. Sich vorzustellen, dass das Schicksal ihres Dorfes ganz anders verlaufen wäre, wenn es nur ein paar Kilometer weiter westlich gelegen hätte, ist ziemlich schwindelerregend“, sagte Fabien Gouttefarde, seit 2022 Bürgermeister des 1020 Einwohner zählenden Ortes in der Normandie. Der 47-Jährige stammt aus Versailles, ist Mitglied der vom Präsidenten Emmanuel Macron gründeten La République en Marche (LREM) und gehört dem Verteidigungsausschuss der französischen Nationalversammlung an.

Die 1993 offiziell unterzeichnete Partnerschaft zwischen Tillières und Wendehausen stehe in einem sehr starken geopolitischen Kontext, dem der Zeit nach dem Kalten Krieg und der deutschen Wiedervereinigung, betonte Gouttefarde während seines Antrittsbesuchs in der Südeichsfeld-Ortschaft. Und: „Euer Dorf und die Orte, die wir in der Umgebung durchquert haben, sind besonders reizvoll, äußerst sauber, ruhig und wohlhabend.“ Als erste ausländische Gäste durften die Franzosen zum Abendessen dann die als Salat zubereitete Brunnenkresse kosten, die jetzt wieder in einem Teich am Bonifatiusbrunnen gedeiht.

Höhepunkt während der neuerlichen Visite der Franzosen im Herzen Deutschlands war ein gemeinsamer Ausflug mit den Gastgebern zu den „Porzellanwelten“ auf der Leuchtenburg bei Kahla. Zum Finale konnten sie vom „Steg der Wünsche“, einem etwa 20 Meter langen Skywalk, ihren mit einem persönlichen Wunsch beschriebenen Porzellanteller an den Hängen zerschellen lassen. Dies in Anlehnung an das Sprichwort „Scherben bringen Glück“. Interessant war weiterhin der Abstecher in die Jenaer Ebene, wo vor 220 Jahren Napoleon und Marschall Ney eine der größten Schlachten des Kaiserreiches gewannen.

Die Wendehäuser wiederum haben ihren Gästen zumeist auch etwas Thüringer Porzellan geschenkt. Und zwar eine Sammeltasse, die sich als Etagere in ein exklusives Festgeschirr verwandeln lässt. „Wir haben jetzt nicht mehr alle Tassen im Schrank“, scherzte Wendehausens Vereinschef Helmuth Zengerling. Er bedankte sich besonders beim Landtagsabgeordneten Jonas Urbach (CDU) und Vorsitzenden des parlamentarischen Freundeskreises im Thüringer Landtag für die Unterstützung des jetzigen Treffens. Laut Urbach gibt es momentan 49 derartige Partnerschaften zwischen Thüringen und Frankreich. Der Freundschaftsvertrag zwischen den Städten Mühlhausen und Tourcoing bestehe sogar schon seit 1961.

 

 

 

 

Fotos: Reiner Schmalzl