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Cölledaer Anzeiger
Ausgabe 7/2026
Nichtamtlicher Teil
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Ein Ratsessen von 1712

 

Es ist allgemein bekannt, dass die hohen Herren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit einen höheren Lebensstandard hatten als der einfache Bürger oder Landbewohner. Beim Essen und Trinken macht sich dies besonders bemerkbar. Beim folgenden Archivfund handelt es sich um eine alte Rechnung für ein Ratsessen aus dem Jahre 1712. Dass unsere Ratsherren und Kämmerer damals keine Kostverächter waren, sieht man hieran sehr gut; aufgetischt werden unter anderem Gewürze, viel Fleisch (beispielsweise Truthahn und Lammbraten), selbst Rosenwasser ist auf der Rechnung zu finden. Als Getränke dienen vor allem Bier und Wein (allein davon werden ganze 16 Liter aufgetafelt), aber auch Branntwein. Nachtisch findet sich zum Beispiel in Form von Pfefferkuchen wieder. Ein so üppig gedeckter Tisch kostet natürlich auch etwas, und so muss der Rat rund 29 Taler für zwei Tage Verpflegung berappen; wahrlich ein kostspieliges Vergnügen.

Specificatio

Derjenigen Kosten, welche bei E.E. Raths Eßen, auff 2 Tage, 28 bis 30 Personen, zu speisen, auffgewendet worden.

29 Thaler 2 Gulden 1 Groschen

 

Daß vorstehende Kosten aufgewendet wurden, wird hiermit von uns endes Unterschriebenen attestieret. Cölleda den 15. January 1712.

Christoph Hermann Fritsche, Kämmerer

Johann Michael Beck

Andreas Samuel Reichenbach, Kämmerer

Hans Caspar Sander

Hans Wolff Laue, Kämmerer

Hans Nicol Bapst

Martin, Rappe, Kämmerer

Joachmius Beck

Elias Carl Wendel Johann

Ernst Viertelshausen

Andreas Brettner Johann

Christoph Harras

 

Hans Paul Schwemler

Erste Seite der Rechnung für das Ratsessen

Von Felix Horch, Sachbearbeiter im Stadtarchiv Kölleda