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Der Leinetalbote
Ausgabe 10/2023
Örtliche Mitteilungen
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Das Gemeindebackhaus in Steinbach

Abb. 1: Das Backhaus um 1970. Der Ofen war 1928 erneuert worden, nun aber schon wieder reparaturbedürftig.

Abb: 2. Es gehörte zu den Aufgaben der Kinder, das frisch gebackene Brot abzuholen.

Dort, wo früher der Schmandkuchen seinen herrlichen Duft verbreitete

von Peter Anhalt

Zwischen Dorf- und Bergstraße gab es in Steinbach einen Grüngürtel, einen Anger, in dem Teiche, Gemeindehäuser und ein Versammlungsort angesiedelt waren. Hier in der Dorfmitte stand das „Gemeindebacks“, das Gemeindebackhaus. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wird es erwähnt. Es gehörte der Dorfgemeinschaft und bestand aus einem Ofen aus Sandstein, einem in Fachwerk gebauten Back- und Aufenthaltsraum, sowie einem Vorraum mit Brunnen.

Das Haus wurde üblicherweise auf sechs Jahre an einen geschickten Bewerber verpachtet, der dann für die ganze Dorfgemeinschaft vor allem Brot zu backen hatte. Die Backpreise waren im Vertrag genau festgelegt. Brot und Kuchen wurden allerdings von jeder Hausgemeinschaft selbst zubereitet. Damit es zu keinen Verwechslungen kam, hatte jede Familie ein Hauszeichen.

Auch der Versammlungsort der Gemeinde befand sich bei diesem Backhaus. Hier entschieden Männer des Dorfes über Gemeindeangelegenheiten, hier wurde aber auch Dorfgericht gehalten. Mit Hilfe eines Halseisens konnten Verurteilte an den Fachwerkbau gekettet werden.

Bei Festen wurde rund um das Backhaus auch getanzt. Beim Kriegstanz spielte eine Kapelle auf und die roten Röcke der Frauen bildete einen hübschen Kontrast zu dem Grün des Angers. Der Tanzplatz war gut gewählt. Wenn Regen aufzog, konnte man in das Backhaus flüchten.

Gleich neben dem Backhaus, dort, wo heute der Spielplatz zu finden ist, gab es früher einen Dorfteich und einen Brunnen. Nebenan lag die Dorfschmiede. Vor dem Backhaus floss der Steinbach entlang. Während die Erwachsenen tanzten, konnten Kinder hier ausgezeichnet spielen. Erst 1958 wurde der Bach verrohrt.

Da die Schule direkt gegenüber lag, entstand unter der „Bäckerlinde“ so manches Klassenfoto.

Als Gastwirte zu Anfang des 19. Jahrhunderts Tanzsäle errichteten, hatten das Vergnügen auf dem Backsplatz ein Ende. Das alte Backhaus wurde erst in den 1970er Jahren abgerissen. Die „Bäckerlinde“ fiel schon 1961 einem Sturm zum Opfer. Der nun verwahrloste Platz wurde 1994 im Rahmen einer Dorferneuerung neu gestaltet. Damals legte man die ursprünglichen Fundamente des Backhauses frei und erhöht sie durch das Aufmauern alter Sandsteine. Natürlich wurde auch wieder eine neue Linde gepflanzt. 1995 konnte dann der neu gestaltete Dorfplatz feierlich eingeweiht werden. Die Trachtentanzgruppe des Heimatverein tanzte dabei wie in alten Zeiten um die Linde. Auch heute noch treffen sich Mitglieder des Heimatvereins unter der nun schon recht groß gewordenen Angerbaum, um einen Abend bei Gesang und Akkordeonklang zu verbringen.

Damit die Geschichte dieses Platzes nicht in Vergessenheit gerät und an das Backhaus in Erinnerung bleibt, wird die Gemeinde demnächst ein Informationstafel mit Text und Bildern aufstellen.