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Der Leinetalbote
Ausgabe 8/2026
Örtliche Mitteilungen
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Gieses Jagderlebnisse in Geisleden

Teil 5

Da erhob sich aus der Mitte der feuchtfröhlichen Rund der 91 jährige Senior des Dorfes, der ehemalige Schultheiß Albert Brodmann. Er hatte altershalber an der heutigen Treibjagd leider nicht mehr teilnehmen können. Doch hatte er es sich nicht nehmen lassen, wenigstens der Einladung zu dem Schüsseltreiben Folge zu leisten um bei dieser Gelegenheit liebe alte Bekannte wiederzusehen, sie einmal wieder begrüßen zu können und schöne alte Erinnerungen aufzufrischen. Es ist heute bei der großen Treibjagd zwar viel Geschossen worden. Doch ist, soviel ich eben hörte in diesem Jahr wenigstens kein Treiber wieder angeschossen worden. Abgesehen von dem Fuchsbiss ist die Jagd gut verlaufen, dabei blickte er lachend in die Richtung des Försters Brodmann, worauf allgemeines Gelächter erscholl. Doch ist heute Abend so mancher unter uns, dabei blickte er wieder lachend in die große Runde -, der schon etwas angeschossen ist. Es ist schon spät, und wird nun bald Zeit zum Aufbruch. Doch ehe wir auseinandergehen, möchte ich noch eine kleine aber wahre Geschichte erzählen: „Es war kurz vor dem 7-jährigen Krieg am 28. November des Jahres 1754. ich war damals noch Schultheiß. Dieser Posten, welcher sich seit 1703, also 3 Generationen 3-mal vom Vater auf den Sohn vererbte, ist zurzeit 91 Jahre, also so alt wie ich jetzt bin in unserer Familie. Denn mein Vater Hans war von 1703 bis 1728. Ich war von 1728 bis 1774= Albert B. und seit 1774 bis heute ist bereits mein Sohn Joh. Adam B. Schulheiß von Geisleden. Ich erhielt damals schon schriftliche Aufträge vom Herrn Statthalter Hochwürdige Gnaden aus Mainz: über den Landrat wie folgt: „Da des Statthalters Hochwürdige Gnaden gesinnet seind, ein Treibjagen in der Feldmark Geisleden und dem Schlichried morgen früh gegen 9 Uhr halten zu lassen, als hat Hegemeister Benjamin Ritter so viel Mannschaft als zu solchen Treibjagden erfordert werden, zu adhibiren und zwar aus denen am nächsten gelegenen Ortschaften, mithin, damit selbige hierzu befehligt werden, denen da selbigen Schultheißen diese Weisung vorzuzeigen, und es dahin zu veranstalten, damit solches Treibjagen gleichnach Ankunft des Herrn Statthalters Hochwürdige Gnaden den Anfang nehmen können.

Heiligenstadt, den 27. September 1754

gez. Frh. Von Hagen

nach Maßgab oberstehenden Höheren Befehls sollen morgen früh um 1/2 9 Uhr die Schultheißen aus Creutz- Ebra, Heuthen und Geisleden mit unterhabenden Untertanen und zwar aus jedem Haus einen Treiber im Creutz-Ebra`schen Feld zwischen dem sogenannten Hegeholz und Schlichriede erscheinen und treiben.

Westhausen, den 27. September 1754

gez. Benjamin Ritter, Hegereuther

Geisleden hatte im Jahr 88 Herdstätten. Jedes Haus hatte je einen Treiber zu stellen, und zwar: Bischoff, 2x Bornemann, 2x Brodmann, Degenhard, Dichmann, Dreyling, 3x Eckart, 3x Finkelmyer, Fischer, Franke, Frohme, 3x Füterer, 8x Gassmann, Glose, Göbel, Goldmann, Gräbing, Grässer, Grosse, Gunkel, Hager, 7x Hartung, Heckerodt, 3x Heidenblut, 2x Hildebrandt, 2x Hinjäger, Hoppe, Hucke, 1x Jünemann, Junge, 6x Kaufhold, 2x Kaiser, = Kühn, 2x Kiep, 5x Kuntze, Laubhold, Lingemann, 2x Marx, Maulhard, 2x Mecke, 4x Mock, Müller, 10x Nußbaum, 2x Öhlke, Rehbein, Reimkasten, 4x Rindermann, 2x Salzmann,2x Schade, Schäfer, Schaumberg, 3x Schmalstieg, Sesemann, 2x Stitz, 3x Teppe, Thieme, Weiß, und 3x Windolf. Creutz= Ebra hatte in den Jahren von 1750-1792 die folgenden Treiber zu stellen: Adam, Albrecht, Apell, Aschof, Beetz, Becker, Beiß, Bischoff, Bode, Bolte, Börner, Breitenbach, Brodmann, Busse, Garstorff, Claus, Conradi, Dapfer, Degenhard, Dietrich, Diegmann, Dose, Dreyling, Dunkel, Eckhard, Feld, Finkelmeyer, Fürstenberg, Thume, Freund, Franke, Frohn, Funke, Gassmann, Gastorf, Glanz, Ginter, Goedecke, Goldmann, Gorges, Gottwald, Grabe, Graf, Graushaar, Große, Grebenstein, Gümpel, Gutjahr, Grundermann, Hagedorn, Hartmann, Haase, Harung, Hedergott, Heidnevetter, Henkel, Heinrich, Hucke, Herwich, Hesse, Hey, Heinemann, Hoffmann, Hoppe, Hottenrott, Hühnermund, Jagemann, Jünemann, Kappler, Kaufhold, Kaufmann, Kanngießer, Kellner, Klee, Klingart, Körner, Krabe, Kramer, Kraushaar, Kruse, Kühn, Kunkel, Leister, Linse, Lippold, Löffelholz, Lucas, Maulhardt, Mehler, Menge, Stitz, Thon, Trümper, Thrien, Urlaub, Vogelbein, Vogt, Wagene, Waldhelm, Weber, Wehr, Wegerich, Werner, Weinrich, Wehling, Wetter, Wiederhold, Windolph, Wippermann, Wieprecht, Ziegenfuß, Ziegler.

Der Einwohnerliste u. Kirchenb, 1754 entnommen. Heuthen hatte von 1754-1792 folgende Treiber zu stellen: Aureden, Althaus, Bode, Bischoff, Brodmann, Bolter, Behr, Burchard, Beckmann, Dunkel, Degenhardt, Diegmann, Dette, Diederich, Dunkelberg, Dohn, Eckhardt, Fromm, Flunke, Finkelmeyer, Franke, Faubel, Gaßmann, Gundermann, Günther, Gerich, Goldmann, Gunkel, Große, Göbell, Gerecht, Goowald, Hentrich, Heinemann, Hillebrand, Hey, Hinkelheim, Hahn, Hollenbach, Hoppe, Herold, Hupe, Hebestreit, Hüther, Heise, Hase, Jäger, Jünemann, Jakob, Krebs, Kruse, Köhler, Karg,, Kunkel, Keppler, Kiep, Kayser, Kobert, Köning, Kunze, Kanngießer, Kaufmann, Löffelholz, Laubhold, Lerch, Meister, Müller, Mock, Montag, Motz, Martin, Nachtwei, Ohnesorge, Osburg, Petri, Raub, Reim, Rink, Rehbein, Rogge, Rümenab, Rindermann, Stitz, Schuchardt, Schneider, Spitzenberg, Schneemann, Schnurbusch, Scharff, Spangenberg, Sittel, Sesemann, Schisler, Sibert, Schulz, Thiem, Töpfer, Töpper, Wilhelm, Wehr, Werner, Wenzel. Am Vorabend der angesetzten Treibjagd kam der Hegereuther Benjamin Ritter aus Beuren auf seinem Pferd zu mir nach Geisleden angeritten. Er war, wie er sagte, in größter Verlegenheit. Es sei diesmal keine Jagd nur auf das gesamte gewöhnliche Wild vorgesehen, sondern auch eine Fasanenjagd sollte es sein. Denn von allen Wildgattungen sei trotz der Wilddiebereien in den Revieren der 3 Dörfer noch genügend vorhanden, sodaß ein Durschnittsjäger von einem unerhört reichem Wildbestand gesprochen hätte. Aber Hochwürdige Gnaden war eben kein Durchschnittsjäger, sondern aber ein gewaltiger Schießer vor dem Herrn. Er hatte sich bereits ganze Berge von Pulver und Blei zur nächsten Triebjagd auftürmen lassen, und sich sogar extra mehrere Büchsenspanner bestellt und freute sich schon auf den Augenblick, da die schönen buntglänzenden langgeschwänzten Fasanen wieder aufsteigen sollten. Der Hegereuter Ritter war deshalb in große Bedrängnis geraten, denn er wußte, daß es bei den gar zu stark gelichteten Fasanenbestande ganz unmöglich sei, daß es alle paar Minuten krachen könnte. So viele Fasanen ließen sich beim besten Willen nicht zusammentreiben, und hätte er anstatt 200 Treiber die doppelte oder dreifache Anzahl zur Verfügung. Not macht erfinderisch, besonders wenn diese Not nächtelang vorher in Gestalt der Amtsentlassung durch die Träume gespenstert und ein echter Fasanentreiber hierfür gefunden ist. So machen wir's mein lieber Brodmann, sagte Ritter, sorge du nur dafür, daß noch in der Übernächsten Nacht ein tiefes Loch an der Schenkelbergsecke in dem Dickicht gegraben und die Kisten mit dem Rohr übermorgen ganz früh vor dem Tagesgrauen dorthin besorgt wird. Die lebenden Fasanen werde ich aus meinem eigenen Zuchtstall rechtzeitig zur Verfügung stellen, und eine Flasche Nordhäuser, ein gutes Frühstück und das versprochene Trinkgeld für den Nachtwächter und Fasanentreiber besorge ich selbstverständlich. Das war ein prächtiger Gedanken von ihm. Hochwürdige Gnaden brauch dann nur noch zu schießen und bleibt stehts guter Laune. Aber ach! Was geschieht denn mit dem Nachtwächter Dreyling, frug ich. Die Frage war eigentlich sehr überflüssig. Der wird nach der Jagd wieder ausgegraben und bekommt sein Trinkgeld. Alles klappte. Dreyling war früh morgens rechtzeitig da, mit der Kiste, und diese war bald hinter der Dickung eingegraben. Denn wenn seine Hochwürdige Gnaden den Stand betrat, mußte alles fix und fertig und vor allem nicht verdachterregend sein. Dreyling war eine gesellige Natur und stellte sich das Alleinsein in Gesellschaft der piepsenden Fasanen etwas einsilbig vor. Für solche Fälle hatte man ihn den Seelentröster den alten Nordhäuser mitgegeben. Der ist aus besten Korn gerannt, wovon ein Normaleuropäer nur einige kleine Gläschen trinken kann, während ein stämmiger oft bewährter Nachtwächter u.a. bei einem halben Liter in eine sich und die Umwelt erheiternde Stimmung gerät. Er saß in der Kiste und über ihm schloß sich die Erde, welche mit allerlei Moos und Laubwerk bedeckt war. Nur durch die Röhre kam Luft und Tageslicht herein, aber das war, von der Luftzufuhr abgesehen, auch gar nicht nötig. Ein wackerer Nachtwächter und Fasanentreiber findet die Schnapsflasche auch im Dunkeln. Und Dreyling brauchte sie auch gar nicht erst lang zu suchen, sie war an seinem Herzen unter seinem blauen Leinenkittel der Innentasche treu geborgen. Es währte sehr lange, bis der erste Schuß fiel, denn seine Hochw. Gnaden waren nicht immer pünktlich. Die große Fasanentriebjagd führte vom Ankergrunde über den Teufelsgrund dem Schenkelbergerwalde zu. Die große Treiberkette hatte in einem Großen Halbkreis Aufstellung genommen und wurde immer länger, als endlich der erste Knall mit einem langgezogenen Echo durch den tiefen Schenkelbergerwald dumpf in die Kistengruft drang. Der Schnanps hatte inzwischen den Besitzer gewechselt. Er nicht mehr in der Tonflasche, sondern schwawelte im Bauch des Fasanentreibers. Die kleinen Sprühteufel des Schnapses jedoch stiegen, dem Gesetz der Erdenschwere widersprechend, aufwärts und sammelten sich fröhlichem Tun im Gehirn Dreylings. Diesem kam die Angelegenheit nun sehr lustig vor. Das zu wartende Trinkgeld stieg als leuchtende Fata Morgana in Gestalt neuen Mutterwitzes vor ihm auf, und in diesem Glückszustand wurde er gesprächig. Da aber kein Unterhaltungsobjekt in der Nähe war, begann er mit den Fasanenvögeln zu plaudern, welche sich angstvoll in dem Bauer zusammendrängten. Sobald eine kleine Weile kein Schuß fiel, nahm er einen Fasan heraus, schob ihn in die Röhre und gab ihm herzlich gemeinte Segenswünsche für das leider nur noch kurz bemessene Erdenwallen mit auf den Weg. Seine Gnaden knallten drauf los, was nur das Zeug hielt und die Flintenläufe wurde immer wärmer. Es war eine herrliche Jagd und besonders der Dornbusch dort drüben im Dickicht schien von den Fasanen ganz besonders bevorzugt zu sein. Immer und immer wieder schossen sie wie klirrende Raketen in die Höhe, bums krachte die Flinte und pardauz lag der Fasan. Aber allmählich bekam dieser Dornenbusch einen mystischen Anstrich aus der Erde drang ein dumpfes Murmeln. Und Hochw. Gnaden hatten ganz vorzügliche Ohren. Eine kleine Schießpause war eingetreten, da ertönte es aus den Tiefen des Erdballes wie aus einem Keller: „Mach doch daste ruh- ser kämmest.“! Du Fass - an. Brr, schwirrte der Fasan - bums krachte das Gewehr. Mach, daste witterkämmest, du Rabenvieh, du dummes, du blödes, du Luder du, du Schinglaisch du. Br - bums! Wieder krachte es. „Bist en liewer Fasan - Gäck schäne ruhs!“ Br - bums, krachte wiederum das Gewehr und pardauz lag wiederum der Fasan. Hochw. Gnaden wurden plötzlich sehr ernst, legte die Flinte in die Hände des Büchsenspanners und erhob sich. Der Hegemeister Ritter fühlte das Ende der Welt nahen. Lauter als man ja auf einer Jagd geschweige einer Fasanenjagd sprechen darf, rief er verzweifelt: „dort drüben am Waldrand ein Fasan.“ Schießen!!“ Hochw. Gnaden. Schäner Fass - an, marsch, antreten, mach ja daste ruhser kämmest!“ rollte es aus der Tiefe der entgegenliegenden Richtung. Hochw. Gnaden schritten rasch zum Dornenbusch, und sahen ein kurzes Rohr aus dem Erdboden durch das Laub münden und dasteten mit dem Stocke hinab. „Saudummes Rindvieh - das worr minn Kopp!“ tönte des mit Recht gekränkten Fasanentreibers Stimme herauf. Dem Fasanentreiber ist nichts geschehen - er blieb als wohlbestallter Nachtwächter, Gemeindediener, Totengräber und als „General der fliegenden Armee“ - alias Gänsehirt - auch weiter in seinen Ämtern. Was hätte ihm auch zustoßen sollen, zumal er unbeweibt und Kinderlos war. Aber Ritter bangte um seinen Hegemeisterposten und war darauf gefaßt, daß ihm der Marsch geblasen würde. Doch Hochw. Gnaden ergriff seine Rechte und sagte: „Mein lieber Ritter, das haben sie gut gemacht.“ Die Fasanenjagd wurde sofort abgeblasen, denn die Kiste war leer. Nur der Fasanentreiber hatte einen in der Kiste, und war übrigens auch etwas angeschossen.!! Hochw. Gnaden zog mit den Grünröcken zur Domschenke zum Schüsseltreiben. Voran die Treiber insbesondere die Holzhauer stimmte das Holzhauerlied an, nach der Mel. Wohlauf die Luft geht frisch....

Ein Hoch dem lieben Heimatwald, der uns ward anvertrauet, der täglich unser Aufenthalt, und von uns wird bebauet. Nicht zu der schönsten Jahreszeit, nur will er uns gefallen. Nein, auch im Raureif Winterkleid sieht man uns zu ihm wallen. Valleri,vallera....sieht... Wer ist mit ihm wie wir versandt, die wir ihn pflanzen, pflegen, Beschützen ihn mit starker Hand, und bergen seinen Segen? 

Historische Erzählung von K. Hub. Kaufhold. 4. Teil

Transkription: Luisa Janitzki