Weibischof Reinhard Hauke segnet Kräuter
Mit den Worten „Assumptio Beatae Mariae Virginis“ begann Weihbischof Hauke bei der zweiten Wallfahrt in Etzelsbach seine Predigt. Im ersten Teil ging er auf die Geschichte des Festes der Aufnahme Mariens in den Himmel ein.
Bereits seit dem 6. Jahrhundert wird das Marienfest am 15. August gefeiert. Es ist ein Fest mitten im Sommer, einer Jahreszeit, in der zahlreiche Blumen und Kräuter blühen. Traditionell werden diese bei der Wallfahrt gesegnet. Die Nähe des Himmels könne an einem solchen Tag durch den besonderen Duft der Kräuter auf ganz eigene Weise erfahrbar werden, so der Weihbischof.
Trotz besten Wallfahrtswetters kamen die Gläubigen diesmal nicht so zahlreich wie gewohnt nach Etzelsbach. Vor allem die junge Generation fehlte fast vollständig. Fast symbolhaft prangte entlang des Wallfahrtsweges in großen Lettern das Motto des Musikfestivals „Ewig Jung“ - ein Versprechen, das für den Menschen wohl ein schöner Wunsch bleiben muss.
Von einer ganz anderen Erfahrung berichtete Weihbischof Hauke aus Trondheim in Norwegen, wo er kürzlich einen lebendigen Glauben erlebt hatte. Dort wird der heilige König Olav besonders verehrt. Der Weihbischof zeigte sich beeindruckt davon, dass evangelische und katholische Christen gemeinsam das Andenken des Heiligen mit Gottesdiensten und einem Volksfest lebendig halten. Zugleich erlebt die katholische Kirche in Norwegen Wachstum und zieht zahlreiche junge Menschen an, die mit ihrer Freude und ihrem Engagement das Gemeindeleben prägen.
Von diesem geistlichen Aufbruch zeugen auch die beiden Trappistenklöster auf Tautra und in Munkeby. Sie wurden an historischen Klosterstandorten neu errichtet und knüpfen damit an eine jahrhundertealte christliche Tradition an. Ernsthaft mit Christus zu leben, ist das Ziel dieser Gemeinschaften. Junge Menschen nehmen dort gerne am Stundengebet teil oder leben und arbeiten für einige Zeit in den Klöstern mit.
Zum Abschluss seiner Predigt richtete Weihbischof Hauke den Blick auf die christliche Hoffnung, die sich mit dem Fest Mariä Aufnahme in den Himmel verbindet: „Mit Maria hoffen wir auf diese ewige Freude. Auferstehung und Aufnahme bei Gott wünsche ich mir und uns allen.“ Durch diese Hoffnung könnten auch schmerzliche Momente des Lebens leichter angenommen werden. Das Wirken der Kirche in den Gemeinden und in der Caritas versuche schon heute, Erfahrungen von Heil und Erlösung zu vermitteln. Darin liege ein wesentlicher Beitrag der Kirche für die Gesellschaft: Durch eine hoffnungsvolle Sicht auf Leben und Sterben könne sie den Menschen Lebensmut schenken. „Maria ist nicht von uns gegangen. Ihr Leben hat Aufnahme und Annahme gefunden. Lassen wir uns auch einladen, mit unseren Gedanken, Worten und Werken bei Gott Aufnahme und Annahme zu finden und so ewig froh zu werden. Amen.“
So verband die zweite Wallfahrt in Etzelsbach die jahrhundertealte Marientradition mit einer Frage, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat: Woher schöpfen Menschen Hoffnung und Lebensmut - doch es bleibt die Frage: wie kann dieser Glaube an die nächste Generation weitergegeben werden?
Text und Bild: Peter Anhalt