Knapp drei Wochen ist es nun her und noch immer sprechen wir darüber. Über volle Straßen, ein volles Festzelt, wunderschöne Begegnungen, viele lachende Gesichter und dieses ganz besondere Gefühl, das unser Dorf während der 880-Jahrfeier getragen hat.
Eigentlich begann alles schon viel früher. Als die ersten Wimpel über den Straßen hingen und Westhausen sich Stück für Stück für sein Jubiläum herausputzte, merkte man plötzlich überall: Jetzt wird es ernst - und jetzt freuen sich wirklich alle darauf. Die Neugier wuchs, immer mehr Menschen wollten helfen, mitmachen und dabei sein. Schon beim Schmücken war zu spüren, dass dieses Jubiläum etwas mit unserem Dorf macht.
Der offizielle Startschuss fiel dann mit dem „Tag der offenen Höfe“. Und was sollen wir sagen: Das Wetter hätte kaum besser sein können und unser Dorf war vom ersten Moment an voller Leben. Überall waren Menschen unterwegs, blieben stehen, kamen miteinander ins Gespräch und entdeckten Westhausen vielleicht sogar noch einmal ganz neu.
Es gab viel zu sehen: alte und moderne Landtechnik, Einblicke in Landwirtschaft, Feuerwehr, Imkerei und Vermessungstechnik, Drehorgelbau, historische Bilder in der Alten Schule und in der Kirche und viele weitere liebevoll vorbereitete Höfe. Ein ganz besonderer Anziehungspunkt war auch die Dorfbrücke - ein Ort, den viele bisher noch nie von innen gesehen hatten und an diesem Tag endlich kennenlernen konnten.
Besonders schön war, wie selbstverständlich Jung und Alt miteinander unterwegs waren. Die Kinder konnten basteln, entdecken und bei einem Malwettbewerb ihre ganz eigene Vorstellung vom Westhäuser Flohbock aufs Papier bringen. Und am Abend wurde auf dem Anger mit Livemusik von Thanas weitergefeiert und ausgelassen getanzt.
Nach diesem Auftakt war das ganze Dorf endgültig wach.
Das merkte man gleich am nächsten Morgen bei der Festmesse an der Mariengrotte und beim anschließenden Frühschoppen unter der Eiche. Die Plätze waren bestens gefüllt und es war gut, dass die Bänke vor dem Jubiläum noch einmal erneuert worden waren. Bei bestem Wetter, unterhaltsamer Blasmusik der Blaskapelle Kallmerode und vielen guten Gesprächen entstand unter der Eiche eine wunderbare Atmosphäre. Auch unsere Landrätin Dr. Marion Frant war zu Gast und nahm sich viel Zeit für Begegnungen und Gespräche.
Danach hieß es für viele erst einmal: weiter vorbereiten. Das große Festwochenende im Zelt rückte näher und überall wurde aufgebaut, dekoriert, organisiert und angepackt.
Am Mittwoch wurde es dann sportlich: Beim Vereinsturnier traten zehn Volleyballmannschaften gegeneinander an, bevor das traditionelle Fußballspiel „Oberdorf gegen Unterdorf“ für Spannung sorgte. Zahlreiche Besucher verfolgten die Wettkämpfe - und selbst als strömender Regen einsetzte, wurde unbeirrt weitergespielt. Und wer am Ende gewonnen hat? Natürlich Westhausen!
Am Donnerstag folgte dann der große Jubiläumsnachmittag. Wir durften zahlreiche Gäste begrüßen, darunter unseren Schirmherrn, Landtagspräsident Dr. Thadäus König, Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Leinetal, ehemalige und amtierende Bürgermeister, unsere Pfarrer sowie zahlreiche Vertreter und Mitglieder der Westhäuser Vereine.
Besonders schön war, dass sich unser Dorf an diesem Nachmittag selbst präsentierte. Zunächst begeisterten unsere Dorfkinder mit einer gemeinsamen Tanzeinlage, die vom Kindergarten und vom Heimatverein gestaltet wurde. Weitere Beiträge der Tanzschule Hesse und des Akkordeonorchesters „Fröhliche Eichsfelder“ rundeten das Programm ab, bevor am Abend das Polizeiorchester aus Erfurt für einen musikalischen Abschluss sorgte.
Es war einfach ein richtig schöner Tag - feierlich, herzlich und trotzdem ganz typisch Westhausen.
Am Freitag durfte dann die jüngere Generation das Festzelt übernehmen. Bei „Four to the Floor“ wurde mit House-, Dance- und Tekk-Sounds bis in die Nacht gefeiert.
Und dann kam der Samstag.
Mit Thanas, Udopie, On Point und Brilliant standen an diesem Abend gleich vier Bands auf der Bühne. Dabei wurde uns einmal mehr bewusst, wie viel musikalisches Talent in unserem Dorf steckt. Besonders stolz macht uns, dass alle vier Bands Musiker aus Westhausen in ihren Reihen haben.
Spätestens gegen 23 Uhr wurde klar: Dieser Abend wird in Erinnerung bleiben. Alle Tickets für das rund 1.000 Personen fassende Festzelt waren verkauft. Das Zelt war voll, die Stimmung großartig - und Westhausen plötzlich überall Gesprächsthema.
Viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht, denn schon am Sonntag stand der nächste Höhepunkt an: unser großer Jubiläumsumzug.
Noch einmal wurden die Häuser entlang der Strecke herausgeputzt und geschmückt. Dann setzte sich der Festzug mit einem gebührenden Kanonenschuss in Bewegung. Knapp 60 Teilnehmergruppen zogen durch unser Dorf.
Und was es da alles zu sehen gab!
Traditionsvereine, unsere Dorfältesten und Jubelpaare, liebevoll gestaltete Wagen mit Szenen aus Landwirtschaft, Handwerk und Dorfleben sowie Unternehmen, Sportvereine, Kirmesvereine und viele weitere kreative Beiträge machten den Umzug zu etwas ganz Besonderem. Für die passende musikalische Begleitung sorgten die Luttertaler, Thanas, Brilliant und Blockhaus Blech. Im Festzelt vereinten sich alle Musikgruppen zu einem gemeinsamen Ständchen, bevor die Blechbuben den Nachmittag mit zünftiger Blasmusik stimmungsvoll ausklingen ließen.
Bei schönstem Wetter standen unglaublich viele Menschen an den Straßen. Zu sehen, wie viele Gäste gekommen waren und mit welcher Begeisterung sie unseren Umzug verfolgten, war einfach ein richtig gutes Gefühl.
Am Montag wurde beim Dämmerschoppen mit den Eichsfeldmusikanten dann noch einmal zusammengesessen, erzählt und gelacht. Und vielleicht wurde gerade da noch einmal besonders deutlich, was dieses Jubiläum eigentlich ausgemacht hat.
Es waren nicht nur die Programmpunkte. Es waren die Menschen.
Menschen, die sich lange nicht gesehen hatten und plötzlich wieder gemeinsam an einem Tisch saßen. Menschen, die heute woanders leben und für dieses Wochenende zurück nach Westhausen kamen. Menschen, die Geschichten von früher erzählten, Erinnerungen wieder aufleben ließen und gleichzeitig neue geschaffen haben.
Viele hatten mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet. Umso schöner war es zu erleben, wie viele sich mit Westhausen verbunden fühlen und vielleicht seit diesem Fest sogar noch ein bisschen mehr verbunden sind.
Und dann waren da natürlich noch all die Helferinnen und Helfer.
Beim Aufbau, beim Schmücken, Kuchenbacken, Ausschenken, Aufräumen, Fegen, Organisieren, Transportieren und Kümmern. Oft musste gar nicht lange gefragt werden: plötzlich war einfach jemand da und hat mit angefasst.
Genau deshalb hat dieses Fest funktioniert.
Weil viele kleine Puzzleteile ineinander gepasst haben. Weil jeder etwas beigetragen hat. Und weil aus ganz vielen Einzelnen für ein paar Tage ein großes gemeinsames „Wir“ geworden ist.
Darauf können wir wirklich stolz sein.
Vielleicht ist Westhausen in diesen Tagen tatsächlich ein Stück weit aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Es war schön zu sehen, wie viel Leben, Ideen und Gemeinschaft in unserem Dorf stecken.
Und genau das soll jetzt nicht wieder verschwinden.
Das Festzelt ist nun längst abgebaut, die Wimpel werden nach und nach abgenommen, und der Alltag ist wieder eingekehrt. Aber das Gefühl dieser Tage, die vielen Begegnungen und die neue Lust auf Gemeinschaft dürfen gern bleiben.
880 Jahre Westhausen waren nicht nur ein Rückblick auf unsere Geschichte. Vielleicht waren sie auch ein kleiner Neustart.
Danke an alle, die mitgeholfen, mitgefeiert, mitgedacht und dieses Jubiläum zu genau dem gemacht haben, was es war: unvergesslich.
Text: Miriam Löffler und Organisationsteam 880-Jahrfeier
Bilder: Nico Sittel
Gruppenbild: Matthias Schmerbauch
Weitere Bilder sind auf der Website www.westhausen880.de zu sehen.